Fussball

Ist Moreno Costanzo ein wahrer Transfercoup?

Seit Mitte Januar trainiert Moreno Costanzo mit dem FC Aarau. Trainer Sven Christ setzt grosse Hoffnungen in die YB-Leihgabe.

Seit Mitte Januar trainiert Moreno Costanzo mit dem FC Aarau. Trainer Sven Christ setzt grosse Hoffnungen in die YB-Leihgabe.

Costanzo soll dem FC Aarau dabei helfen, nach den schwachen Auftritten zum Abschluss der Hinrunde den Tritt wieder zu finden. Die erste Gelegenheit zum Helfen erhält der 27-jährige heute zum Auftakt der Rückrunde in Thun (13.45 Uhr).

Sven Christ, ist dem FC Aarau mit der Verpflichtung von Moreno Costanzo ein Transfercoup gelungen? Der FCA-Trainer überlegt kurz und sagt: «Ich glaube schon, dass Costanzo ein Transfercoup ist. Er hat das Zeug zum Regisseur. Er ist ein Mann mit Ideen. Er ist ein Mann fürs Kreative.» Christ gerät im Vorfeld des Rückrundenstarts beinahe ins Schwärmen und bezeichnet Costanzo als stillen Leader mit klaren Zielen. «Er ist nicht der Typ, der wild gestikuliert und herumschreit», erklärt der für den sportlichen Bereich Verantwortliche. «Costanzo spricht immer Klartext. Er weiss genau, was er will, und richtet den Blick stets aufs Wesentliche.»

Christ erwartet also viel von Costanzo. Mehr noch. Für den Trainer ist der Neue ein Wunschspieler. Costanzo soll bei den Aarauern in Zukunft die Fäden ziehen. Noch deutlicher: Weiss ein Spieler nicht mehr weiter – und das ist gegen Ende der Vorrunde sehr oft vorgekommen –, soll er Costanzo suchen und ihm die Verantwortung überlassen. Der Routinier mit Qualitäten als zentraler Mittelfeldspieler vor der Abwehr und als Denker und Lenker hinter der Spitze wird hoffentlich schon das Richtige machen. Ob diese Rechnung aufgehen wird?

Für Costanzo «eine gute Lösung»

Costanzo bezeichnet den Transfer vom Berner Spitzenklub YB zum Abstiegskandidaten Aarau nicht als Rückschritt. Im Gegenteil. Er ist sogar froh, seine ins Stocken geratene Karriere in der Fussballprovinz neu lancieren zu können. «Mein Wechsel von den Young Boys zu Aarau ist für alle Beteiligten eine gute Lösung», übt sich der bald 27-Jährige in Bescheidenheit. «YB setzte nicht mehr auf mich. Ich bekam nur noch wenige Einsatzmöglichkeiten. Das wird bei Aarau anders sein.» Und was ist das Saisonziel? «Das Ziel heisst Ligaerhalt», fügt Costanzo hinzu. «Um das zu erreichen, werde ich mich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellen. Natürlich spüre ich eine gewisse Erwartungshaltung. Das ist kein Problem. Ich bin alt genug und weiss, dass Drucksituationen zum Fussball gehören. Wichtig ist aber auch, dass ich die Freude und den Spass nicht verliere.»

Kommt er wieder in Fahrt?

Dass Costanzo dem FC Aarau in der zweiten Hälfte der Saison 2014/2015 im wohl zähen Ringen gegen die Relegation Pate steht, hätte man sich im Brügglifeld vor kurzer Zeit nicht einmal in den kühnsten Träumen vorstellen können. Hätte der schweizerisch-italienische Doppelbürger sein Leistungspotenzial in der Vergangenheit ausgeschöpft, wäre er wohl bei jedem Spitzenklub der Super League eine Stammkraft. Zuletzt lief es ihm allerdings nicht wunschgemäss. YB-Trainer Uli Forte setzte in der Vorrunde jedenfalls nicht mehr auf den feinen Techniker. Abschreiben sollte man Costanzo allerdings nicht. An Talent fehlt es ihm nicht. Zwischen 2008 und 2011 bestritt er für die Schweizer U21-Auswahl 14 Länderspiele. Am 11. August 2010 gab er sein Debüt in der Nationalmannschaft. Gegen Österreich wurde er kurz vor Schluss eingewechselt und schoss das Siegestor.

Costanzo ist ein Spezialist für ruhende Bälle, hat eine gute Übersicht und ein genaues Passspiel.

All das klingt ganz nett. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Die Sportredaktion der «Zentralschweiz am Sonntag» beispielsweise malte in ihrer Ausgabe vom 1. Februar ein düsteres Bild. Der FC Aarau steigt ab, war da zu lesen. Begründet wurde diese Prognose damit, dass der Transfer von Moreno Costanzo seine Wirkung verfehlen wird. Mal schauen, was Costanzo und sein neuer Verein dieser Prognose entgegenhalten können.

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