Ski alpin
Irgendwann Olympiasieger: Der lange Weg zum grossen Traum

Der beste Aargauer Skirennfahrer, Simon Heinzmann, träumt vom Weltcup. Doch dafür braucht er Zeit und vor allem auch Geld.

Fabio Baranzini
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Der Schwerarbeiter: Simon Heinzmann setzt voll auf die Karte Sport.

Der Schwerarbeiter: Simon Heinzmann setzt voll auf die Karte Sport.

Fabio Baranzini

Regeneration ist wichtig, gerade im Spitzensport. Entsprechend achten die Topcracks genau darauf, dass sie stets genügend schlafen. Simon Heinzmann würde dies nur zu gerne auch tun. Doch er kommt nicht mal ansatzweise dazu. «Seit letztem Oktober habe ich nur an Weihnachten ausgeschlafen. Ansonsten muss ich mit fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommen», sagt der 19-Jährige. Warum dies der Fall ist, wird klar, wenn der junge Mann aus Ueken erzählt, was alles auf seinem Programm steht.

Wie viele andere Teenager absolviert Simon Heinzmann die Kantonsschule. In wenigen Wochen stehen die Abschlussprüfungen an, weshalb seine Kollegen mitten in der Lernphase stecken. Er selbst findet kaum Zeit dafür, denn neben seinem Alltag als Schüler ist Heinzmann auch noch Skiprofi.

Vier Tage pro Woche steht er auf den Brettern und zieht seine Kurven in den Schnee. Donnerstags und freitags fehlt er deshalb jeweils in der Schule und holt den verpassten Stoff in Eigenregie nach. So kommt er pro Jahr auf 100 Schnee- und 50 Renntage. Doch damit nicht genug: Simon Heinzmann ist auch sein eigener Servicemann. Jede Woche präpariert er seine Trainings- und Rennski im Keller seines Elternhauses in Ueken. Vier Stunden braucht er für einen Rennski, etwa zwei für einen Trainingsski. Und so kommen jede Woche nochmals mindestens zehn Arbeitsstunden hinzu.

Sieg im Gesamtweltcup

Doch Simon Heinzmann beklagt sich nicht. Er ist bereit, seinem grossen Traum alles unterzuordnen. «Ich will zu den Besten gehören, im Weltcup an den Start gehen und irgendwann Olympiasieger werden», sagt Heinzmann. Der Weg dorthin ist jedoch lang und steinig.

Der junge Aargauer kann aber schon beachtliche Erfolge aufweisen. In diesem Winter hat er – trotz einer Meniskusoperation im Herbst – den Arnold- Lunn-Weltcup (3. Kategorie nach Welt-, und Europacup) gewonnen. Zudem hat sich Heinzmann, der in seinem Jahrgang schweizweit zu den Top 10 gehört, in der FIS-Weltrangliste nach oben gearbeitet. Und das, obwohl Heinzmann im Alter zwischen 12 und 14 nicht Ski gefahren ist, da er mit seiner Familie in Singapur gelebt hatte.

Nach der Matura setzt Simon Heinzmann, der seit vier Jahren beim Schweizer Akademischen Skiverband trainiert, voll auf die Karte Skisport. Innerhalb von zwei Jahren will er so den Sprung in ein Nationalkader von Swiss-Ski schaffen und sich dem Europacup nähern. Das sind ehrgeizige Ziele, aber der 19-Jährige ist überzeugt, dass er die Fähigkeiten dazu hat. «Wenn ich nur noch Ski fahre, kann ich meine Trainingstage im Schnee verdoppeln. Dadurch werde ich körperlich noch stärker sein und auch technische Fortschritte machen.»

30 000 Franken pro Jahr

Ein Problem muss Simon Heinzmann allerdings noch aus dem Weg räumen – und zwar ein grosses. Ihm fehlen jährlich 30 000 Franken, um seinen Traum als Skiprofi zu leben. Bisher trug die Familie, die ihn, so gut es geht, unterstützt, die gesamten Kosten. Doch das reicht nicht mehr. «Es wäre schon sehr bitter, wenn ich mein Potenzial nicht ausschöpfen könnte, weil das Geld fehlt», sagt Heinzmann. Doch daran will er noch nicht denken. Dazu fehlt ihm auch die Zeit, denn es stehen bereits wieder Prüfungen und die letzten Rennen vor der Tür.

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