Fussball

Interviewverbot als Euphoriebremse für FCA-Talent Marco Thaler

Der 20-jährige FCA-Innenverteidiger Marco Thaler (rechts) behält im Zweikampf mit YB-Stürmer Michael Frey die Oberhand.

Der 20-jährige FCA-Innenverteidiger Marco Thaler (rechts) behält im Zweikampf mit YB-Stürmer Michael Frey die Oberhand.

Zwei Mal hat der 20-jährige FCA-Verteidiger Marco Thaler in dieser Saison bereits gespielt und beide Male vermochte er zu überzeugen. Aaraus Trainer Sven Christ verhängte ein Interviewverbot für Thaler – um ihn zu schützen.

Sven Christ schüttelt energisch den Kopf. «Nein», sagt der Trainer des FC Aarau. «Das Redeverbot für Marco Thaler ist keine Aktion gegen die Presse. Ich habe das als Trainer und Verantwortlicher für den sportlichen Bereich so entschieden und möchte den jungen Spieler mit dieser Massnahme schützen.» Schützen wovor? «Ganz einfach», fügt Christ hinzu. «Marco hat beim 1:0-Sieg gegen den FC Sion und beim 1:1 gegen die Young Boys stark gespielt. Es ist logisch, dass sich die Medien nach diesen Spielen auf ihn stürzen. Was aber ist, wenn Marco gegen Vaduz nicht gut spielt oder gar einen schwarzen Tag einzieht? Dann schreiben plötzlich alle schlecht über ihn. Dieses Hin und Her, dieses Schwarz und Weiss möchte ich verhindern.»

Thaler akzeptiert die Entscheidung

Klare Worte von Christ: Für den Nachfolger von René Weiler ist das Interviewverbot also einerseits eine Euphoriebremse, anderseits ein Schutz vor allzu positiven und allzu negativ gefärbten Artikeln. Was sagt Thaler selbst zu dieser ungewöhnlichen Aktion? «Ich habe mit Marco über die ganze Sache gesprochen», hält Christ fest. «Er akzeptiert meine Haltung. Marco ist ein intelligenter, ruhiger und disziplinierter Bursche.» Bleibt die Frage, wann das Redeverbot für den aufstrebenden Abwehrspieler aufgehoben wird. «Das weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht», sagt Christ. «Wer weiss? Vielleicht schon nach dem Spiel gegen Vaduz …»

Chance auf 7 Punkte Vorsprung

Vaduz ist ein gutes Stichwort. Am nächsten Sonntag, 13.45 Uhr, gastiert der Aufsteiger aus dem Ländle im Aarauer Brügglifeld. Die Liechtensteiner haben zum Saisonauftakt gegen Thun (0:1) und den FC Zürich (1:4) verloren. Ziehen sie auch im dritten Spiel den Kürzeren, würde der Rückstand auf die Aarauer bereits sieben Punkte betragen. Solche Rechenspiele interessieren Christ nicht. «Ich war in der Schule in den Fächern Mathematik und Buchhaltung zwar recht gut, aber im Fussball überlasse ich das Rechnen andern», sagt er mit einem Lächeln. «Mein Ziel ist klar: Ich will gegen Vaduz gewinnen.» Christ erwartet gegen den Aufsteiger eine hässliche Partie. «Der FC Aarau ist gegen Vaduz erstmals in dieser Meisterschaft Favorit. Ob wir mit dieser Rolle umgehen können, wird man sehen. Der Gegner wird sich defensiv verhalten, uns also das Spieldiktat überlassen. Wir müssen Geduld haben und in der Offensive kreativ sein.»

Ausgeklügelte Taktik

Eines steht nach drei Meisterschaftsrunden und vor der wegweisenden Partie gegen Vaduz bereits fest: Christ lässt in dieser Saison nichts aus. Nach drei Spielen stehen nämlich ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage zu Buche. Das Husarenstück lieferte der 40-Jährige am Sonntag beim 1:1 gegen YB auf dem Kunstrasen im Berner Stade de Suisse ab. Dank einer ausgeklügelten Taktik mit einer Dreierabwehr, zwei Aussenverteidigern und einem kompakten Vierer-Mittelfeld mit Abfangjäger und Dirigent Sandro Burki gelang es, dem qualitativ besseren Gegner Paroli zu bieten. Dass sich Christ über den unerwarteten Punktgewinn gefreut hat, ist logisch. Was aber wäre passiert, wenn Juan Pablo Garat bei seinem Rettungsversuch in der 89. Minute mit einem Kopfball nicht die Latte, sondern zum 1:2 ins eigene Tor getroffen hätte? Christ zögert keine Sekunde und sagt: «Ich wäre zu Garat gegangen, hätte ihn in die Arme genommen und ihn für die nächsten Einsätze aufgebaut.»

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