Serie Lenzburg Hurricanes
Inlinehockey: Die zehnjährige Bandenanlage hat ausgedient

Not macht erfinderisch - und verbindet: Die Bandenanlage der Lenzburg Hurricanes haben ausgedient und werden ersetzt. Dabei packten alle Vereinsmitglieder mit an, um nicht zuletzt die Kosten in Grenzen zu behalten.

Calvin Stettler*
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Die Mehrzweckhalle in Lenzburg wurde zur temporären Baustelle.

Die Mehrzweckhalle in Lenzburg wurde zur temporären Baustelle.

Calvin Stettler

Ein bewölkter Samstagmorgen mitten im Januar. Da weder Schnee noch Sonne im Mittelland gastierten, zog es Jung und Alt in die Berge. In die Höhe, wo man mit einem zufriedenen Lächeln über alle, die im Tal der Tränen weilten, hinabblicken konnte.

Dasselbe Gefühl wollten die Akteure der Lenzburg Hurricanes auch. Einfach neun Monate später. Dann enden die Inlinehockey-Playoffs.

Und dann will man auch ganz oben stehen. Normalerweise würde das erste Kapitel der neuen Saison nun mit einer intensiven Vorbereitung beginnen. Doch bevor sich die Akteure ihrer Leidenschaft hingeben konnten, mussten sie zuerst unübliche Fähigkeiten an den Tag legen. Doch machen wir zeitlich einen Schritt zurück.

Die zehnjährigen Banden haben ausgedient

Als die Hurricanes letzten Herbst ihre 1.-Liga-Saison beendeten, war klar, dass die bisherigen Banden nicht mehr lange taugen würden. Das Problem: Die Richtlinien des Schweizerischen Inlinehockey-Verbands (SIHV) sind strikt. Es geht dabei in erster Linie auch um die Sicherheit der Spieler.

Für einen rund 50-köpfigen Verein, wie es die Hurricanes sind, gleicht solch eine Anschaffung einer Mammutaufgabe.

Die Klubkasse ist nicht leer, aber nach der hohen vierstelligen Offerte für einen Satz Banden zeichnete sich ab, dass die Innovativität der Verantwortlichen gefragt war.

Klubpräsident Daniel Maurer war gewillt, jede Beziehung, die ein Spieler zu handwerklichen Bekannten hatte, zu prüfen. Das neue Ziel: Selbstkonzipierte Holzbanden.

Wenn die Arbeit am Wochenende weitergeht

Es brauchte viel Kraft und Ausdauer, bis alle benötigten Materialien beisammen waren. Durch die Hilfe verschiedenster Bekannten und Sponsoren, gelang es den Hurricanes schlussendlich die Kosten für die Materialien im mittleren vierstelligen Bereich zu halten. Die Banden waren somit aber noch lange nicht aufgebaut.

Diese Geschichte zeigte, wie überlebenswichtig der Ehrgeiz und vor allem die Beziehungen für den gesamten Verein sind. Gut möglich, dass ohne solche Beziehungen heute kein Inlinehockey in Lenzburg gespielt würde. Der Ehrgeiz ging in der Aargauer Stadt nämlich noch weit bis über die Kontaktaufnahmen hinaus.

Sowohl die erste, wie auch die zweite Mannschaft stellten sich für den Aufbau der Banden zur Verfügung. Rund 30 junge Leute, die sich unermüdlich für ihre Passion einsetzen. Am Wochenende, wenn sich andere erholten, ging für sie die Arbeit weiter. Eine Leistung, die gar nicht genug gerühmt werden kann.

Krampfen für die Passion

Somit wären wir wieder an jenem Samstagmorgen. Von der Vorfreude getrieben, endlich wieder Inlinehockey spielen zu können, sägten, schraubten, montierten und malten die Spieler eine Bande nach der anderen.

Immer wieder beteuerte Präsident Daniel Maurer, wie wichtig solche Aktionen für den Sport und für den Zusammenhalt im Team seien. Und er hatte Recht.

Die Stimmung war ausgelassen und nach getaner Arbeit strahlten die stolzen Beteiligen an diesem Tag genau wie die Sonne in den Bergen.

Die Bergluft konnte an diesem Wochenende zwar niemand geniessen, doch vielleicht steckt in diesem Effort am Ende der Saison noch viel mehr als viele zu Träumen wagen.

*Inlinehockey - ein Besuch abseits des Breitensports. Im Rahmen einer Maturaarbeit begleitet Calvin Stettler die Inlinehockeyaner der Lenzburg Hurricanes. Während der ganzen Saison (März bis Oktober) erscheinen an dieser Stelle Artikel rund um den Aargauer Erstligisten. Alle bereits publizierten Artikel können Sie als Links ansehen.