Paralympics
In Wien hat sich Silvio Keller den Schliff für London geholt

Der Fricktaler Tischtennisspieler Silvio Keller erlebt in England eine Premiere. Der 29-Jährige aus Wallbach nimmt erstamls an einer Olympiade teil. Vier Jahre lang hat er auf das grosse Ziel hingearbeitet. Zuletet trainierte er in Wien.

Fabio Baranzini
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Alles bereit: Silvio Keller nimmt vor seinem Ernstkampf die letzten Abstimmungen vor. Keystone

Alles bereit: Silvio Keller nimmt vor seinem Ernstkampf die letzten Abstimmungen vor. Keystone

Die Teilnahme an den Paralympics in London war seit vier Jahren das grosse Ziel des 29-jährigen Tischtennisspielers Silvio Keller aus dem fricktalischen Wallbach. Um die Qualifikation zu schaffen, musste er zu Beginn dieses Jahres in der Weltrangliste unter den besten elf Spielern geführt werden. Dank Rang neun erfüllte er das Selektionskriterium und hatte damit das Olympiaticket in der Tasche. «Ich bin stolz, dass ich dieses Ziel erreicht habe», so Keller.

Im Hinblick auf die Spiele in London hat er sein Trainingspensum intensiviert. Rund 15 Stunden pro Woche investiert der Aargauer in seine Sportkarriere. Neben dem Tischtennistraining gehören auch Physiotherapie sowie Kraft- und Mentaltraining zu den festen Bestandteilen seines Trainingsprogramms. «Das Mentaltraining hilft mir, in wichtigen Spielsituationen konzentriert zu bleiben. Zudem kann ich entscheidende Bälle im Voraus visualisieren», erklärt Keller.

Kein konkretes Ziel

Da der 29-Jährige in der Schweiz keine Trainingspartner auf seinem Niveau hat, reiste er Ende Juli nach Wien, um mit dem österreichischen Topspieler Andreas Vevera, der in Peking Olympiasieger wurde, zu trainieren. Trotz der vielen Trainingsstunden und der Auslandaufenthalte arbeitet Keller an vier Nachmittagen in einem Treuhandbüro in Möhlin. «Es hilft natürlich, dass das Büro meinem Vater gehört. Er ermöglicht es mir, dass ich Arbeit und Sport optimal kombinieren kann», so der Wallbacher.

Für seine Olympiapremiere in London hat sich Silvio Keller kein konkretes Ziel gesteckt. «Ich will mein Bestes geben und dann schaue ich, was dabei rauskommt», sagt er. Sicher ist, dass er aufgrund seiner derzeitigen Weltranglistenplatzierung (Rang 13) bereits in den Gruppenspielen auf zwei stärker eingestufte Gegner treffen wird. Um sich für die Halbfinals zu qualifizieren, müsste er beide schlagen. «Das wird schwierig, aber in einem Turnier ist immer alles möglich. Auch wenn ich nicht zu den Favoriten gehöre, träume ich von einer Medaille», blickt Keller voraus.

Kampf gegen Benachteiligungen

Im Tischtennis gibt es fünf verschiedene Wettkampfklassen, die helfen, die verschiedenen Stärkeverhältnisse, die durch die unterschiedlich starken Behinderungen der Athleten entstehen, zu minimieren. Dennoch ist Keller im Vergleich zu einigen Konkurrenten leicht benachteiligt. «Es gibt Gegner, die haben ein paar funktionsfähige Muskeln mehr und können dadurch härter schlagen und die Bälle besser kontrollieren», erklärt er.

Doch der Fricktaler hat in den acht Jahren, die er mittlerweile Tischtennis spielt, verschiedene taktische Varianten perfektioniert, um diesen Nachteil wettzumachen. Kurze Anspiele und gut gewinkelte Rückschläge gehören zu seinen Spezialitäten. «Mit diesen Schlägen versuche ich, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten», meint Keller. Wenn diese Taktik in London optimal aufgeht, könnte aus Silvio Kellers Medaillentraum vielleicht schon bald Realität werden.