Eishockey
In Sotschi machen die Eisgenossinnen Jagd auf Medaillen statt Souvenirs

Die Marty-Zwillinge Julia und Stefanie aus Nussbaumen sind in Sotschi bereits zum dritten Mal bei Olympischen Spielen mit dabei. Im Gegensatz zu Turin 2006 und Vancouver 2010 rechnen sie sich in Russland aber echte Chancen auf eine Medaille aus.

Dean Fuss
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Julia (l.) und Stefanie Marty sehen intakte Chancen auf eine Medaille für die Frauen-Eishockeynationalmannschaft in Sotschi.Archiv/Keystone

Julia (l.) und Stefanie Marty sehen intakte Chancen auf eine Medaille für die Frauen-Eishockeynationalmannschaft in Sotschi.Archiv/Keystone

KEYSTONE

23. Februar 2010, Vancouver: Die Schweizer Nationalmannschaft der Eishockey-Frauen hat am Vortag das Spiel um Platz 5 am Olympia-Turnier gegen Russland gewonnen. Die Spielerinnen und die Teambetreuer der Schweizer packen das Material in ihrer Garderobe in der UBC Thunderbird Arena zusammen.

Mittendrin die Marty-Zwillinge Julia und Stefanie aus Nussbaumen. Julia hatte sich während des Spiels am Knie verletzt und konnte entsprechend nicht gross mit anpacken. Stattdessen hatte sie Zeit, sich etwas auszudenken: «Ich schickte Steffi und eine weitere Teamkollegin los, Plakate, Banner und Flaggen einzusammeln», erinnert sich Julia. Wer mit mehr Material zurückkomme, sei die Gewinnerin, spornte Julia die beiden zusätzlich an.

Für die 25-jährigen Marty-Zwillinge ist die Teilnahme in Sotschi bereits der dritte Auftritt an Olympischen Spielen. Trotzdem freuen sich die beiden auch jetzt wieder enorm auf das Turnier unter der olympischen Flamme: «Natürlich ist es nicht mehr das Gleiche wie bei unserer ersten Teilnahme in Turin, aber trotzdem ist es jedes Mal wieder anders», sagt Stefanie. Gerade weil das Frauen-Eishockey ausserhalb von Olympia kaum mediale oder öffentliche Beachtung finde, behalte das Olympiaturnier für sie eine ganz spezielle Bedeutung.

Am 1. Februar gehts nach Sotschi

Ende der kommenden Woche werden Julia und Stefanie aus Schweden in die Schweiz zurückkehren. «Ich freue mich auf das Fassen der Olympia-Ausrüstung», sagt Julia. Danach stehen noch Trainingseinheiten auf Schweizer Eis an, bevor es am 1. Februar zusammen mit den Teamkolleginnen nach Russland geht.

Das Startspiel gegen Kanada bestreiten sie eine Woche später am 8. Februar. Es bleibt also genug Zeit zur Akklimatisierung in Sotschi. «Das passt mir sehr gut. Dort werden dann auch die Gefühle für Olympia aufkommen», sagt Stefanie.

Doch vorerst liegt der Fokus der beiden auf den bis Olympia stattfindenden Spielen mit ihrem Klub HC Linköping in der schwedischen Frauenliga. «Es geht für uns noch um eine möglichst gute Ausgangslage für die Playoffs», sagen die beiden unisono.

Zurück zur Souvenirjagd von Vancouver: Stefanie und die Teamkollegin sammelten Unmengen von Plakaten, Bannern und Flaggen. «Bei uns zu Hause hängen deshalb unzählige Souvenirs aus Kanada», sagt Julia. Zuerst hätten die Volunteers nicht gerade Freude über die Souvenirjagd der beiden Schweizerinnen gehabt, aber durch Tauschgeschäfte mit den Schweizer Olympia-Pins habe man sich schliesslich einigen können und die Erlaubnis zum Einsammeln erhalten.

Die Bronzemedaille im Visier

In Sotschi wird die Souvenirjagd für die Marty-Zwillinge allerdings zur Nebensache werden: «Waren in Turin und Vancouver die Medaillen quasi schon vor dem Turnier vergeben, sieht das nun in Sotschi etwas anders aus», sagt Julia und ergänzt: «Die Spitze ist enorm zusammengerückt, von Platz 3 bis 8 ist für uns alles möglich.»

Aufgrund des Modus sind die Schweizerinnen zudem bereits für den Viertelfinal gesetzt und hegen deshalb berechtigte Hoffnungen auf die Medaillenspiele. In Russland werden die Martys also statt Souvenirs vielmehr Medaillen jagen.