Handball
In der Negativspirale: HSC Suhr Aarau bangt um den Ligaerhalt

Der HSC Suhr Aarau will den Ligaerhalt in der NLA schaffen – begleitet von zahlreichen Irritationen.

Jörg Greb
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Kann der HSC Aarau Suhr sein Tief überwinden?

Kann der HSC Aarau Suhr sein Tief überwinden?

Alexander Wagner

Chaos, Panik, Schnellschüsse – die Meldungen, welche vom HSC Suhr Aarau jüngst an die Öffentlichkeit gestossen sind, sorgen für Irritation. Der Coach Guido Frei tritt Mitte Januar aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zurück. Seinen Part während der Partien übernimmt der verletzte Spieler Mischa Kaufmann. Doch immer intensiver wirkt Frei als «Schattencoach» von der Tribüne.

Und damit nicht genug, tritt letzte Woche auch noch Präsident Peter Treyer zurück und erklärt auf Radio Argovia: «Wenn einzelne Spieler mehr zu sagen haben als der Vorstand, passt das nicht in mein Bild von der Führung eines Vereins.» Eine Aussage, der Vereins-CEO Thomas Kähr vehement widerspricht.

Sportliche Talfahrt

Einher mit diesen «Personalien» und Meinungsdifferenzen geht ein sportlich ungenügender letzter Monat. Es begann mit den beiden Heim-Unentschieden gegen die beiden direkten Widersacher im Kampf um die Relegation, gegen die Lakers Stäfa und gegen Fortitudo Gossau. Es folgten die beiden überdeutlichen Auswärts-Niederlagen gegen den BSV Bern und Stäfa.

Folge davon ist das Abrutschen vom ligasichernden achten Zwischenrang auf den direkten Abstiegsplatz 10. Die fehlende Konstanz im Umfeld scheint sich auf die Mannschaft zu übertragen: Sie ist verunsichert.

Herbst-Gesicht wieder zeigen

Das spricht für schlechte Perspektiven beim einzigen NLA-Verein des Aargaus. Und dabei, so Kähr, «wäre es so bedeutend, dass wir oben bleiben, um der längerfristigen Vorwärtsstrategie folgen zu können.» Er spricht von der Hoffnung, dass «die Mannschaft ihr vor Weihnachten gezeigtes Gesicht wieder zeigt», dass «wir uns in den verbleibenden sechs Durchgängen wieder vom Tabellenende lösen können.» Begleitet wird diese Zielsetzung von erstaunlichen, noch nicht kommunizierten Massnahmen.

Guido Freis Rückkehr

So wird am Sonntag (Schachenhalle Aarau, 17 Uhr) Guido Frei auf die Bank zurückkehren. «Beide Seiten sind über ihre Schatten gesprungen», sagt der erfahrene Coach dazu und meint den Vereinsvorstand wie sich selber. Zugunsten eines ersehnten sportlichen Erfolgs rückten beide Parteien die erheblichen Differenzen in den Hintergrund. Wie schwer sich Frei mit diesem Entscheid getan hatte, lässt sich unschwer heraushören: «Ich bin der Erste, der sich gegen ein Kasperlitheater wehrt.»

Aufgrund der aktuellen Situation habe es aber nur zwei Lösungsansätze gegeben: «Entweder resolut handeln oder gar nichts tun.» Frei hat für die Schlussphase der Meisterschaft neben dem Coaching auch die Verantwortung fürs gesamte Training von Patrik Fend übernommen. Der in Stäfa freigestellte und für nächste Saison bei Suhr Aarau verpflichtete Markus Jud war für einen vorzeitigen Feuerwehr-Einsatz keine Option.

Mischa Kaufmann wieder Spielmacher

Vom Temporärcoach zurück zum Spielmacher mutiert Mischa Kaufmann. Nach dreimonatiger Verletzungspause (Daumenbruch, Meniskusoperation) will er die Führung auf dem Feld wieder in die Hand nehmen. Dass es sich auch da um einen gewagten Schritt handelt, sei nicht verhehlt: Erst seit einer Woche steht er wieder im Training. Ob die Rechnung aufgeht?

Die nächsten vier Wochen werden das zeigen, doch wegweisend, darin sind sich alle Seiten einig, dürfte bereits die Heimpartie vom Sonntag gegen den BSV Bern Muri sein: wegen des Resultates, vor allem aber wegen der Signale, die der HSC Suhr Aarau aussendet. Die zentrale Frage lautet: Zeichnet sich die Mannschaft wieder mit den zuletzt vermissten Tugenden wie Kampf, Leidenschaft oder Wille aus. Oder anders ausgedrückt: Gelingt es, den Schalter zu kippen? Es ist fünf vor zwölf!