Erfolge sind schön, Erfolge sind teuer. Der FC Wohlen feierte während 16 Jahren Erfolge, aber sie hatten ihren Preis. Sportlich schrieb der Dorfklub ein kleines Märchen. Finanziell war es ein Tanz auf der Rasierklinge.

Die Aufstiegssaison 2001/02 ist sinnbildlich für die Zeit in der zweithöchsten Spielklasse. Im Klartext: 2002 schaffte der FC Wohlen den Sprung in die Nationalliga B. Aber er war zahlungsunfähig. Er stand vor dem Konkurs. Das Ganze lief aus dem Ruder.

Ohne Ehrenpräsident René Meier und Edel-Fan Hans Hübscher wäre das Schiff FC Wohlen gekentert, ja untergegangen. Eine Sanierung war unumgänglich. Mit zwei Spezialaktionen wurden insgesamt mehr als 350 000 Franken gesammelt. Meier und Sforza unterstützten den Klub mit fünfstelligen Beträgen. Auf die Rückzahlung haben sie verzichtet. Sie sollen als gute Beispiele für die vielen Gönner stehen, die kleine und grosse Beträge gespendet haben.

Von Mäzenen befreit

In der ersten Saison der zweithöchsten Spielklasse hatte der FC Wohlen ein Budget von rund 500 000 Franken. Der Etat stieg kontinuierlich und erreichte in der sportlich erfolgreichsten Saison 2014/15 an die 2,5 Millionen Franken. Ohne Aktienkapitalerhöhungen wäre der Profibetrieb früher als nach der Saison 2017/18 eingestellt worden. Im Endeffekt waren es immer die gleichen Mäzene, die den FC Wohlen aus der finanziellen Not befreiten.

Simone Rapp

Simone Rapp

Die Zeit zwischen 2002 und 2018 war intensiv, spannend und teilweise hektisch. Dank Persönlichkeiten wie René Meier, Andy Wyder und Lucien Tschachtli dauerte das sportliche Wunder mehr als eineinhalb Jahrzehnte. Grosse Verdienste hat Hans Hübscher, der sich als Geldeintreiber einen Namen machte.

1997 fädelte er das erste Sponsoring der Neuen Aargauer Bank (NAB) ein. Im gleichen Jahr versteigerte die NAB ein Trikot des Wohler Fussballstars Ciriaco Sforza. René Meier – wer sonst? – erwarb das Leibchen für 2000 Franken. Die NAB verdoppelte den Betrag auf 4000 Franken und liess diesen der Juniorenabteilung zukommen.

Die Super League vor Augen

Von 1998 bis 2010 war Hübscher Präsident der Donatoren. Unter seiner Führung wurde die Mitgliederzahl von 32 auf 255 hochgeschraubt. Der jährliche Beitrag stieg von 1000 auf 1500 Franken, dann sogar auf 2000 Franken. So flossen Jahr für Jahr sechsstellige Summen in die erste Mannschaft.

2002 lancierte Hübscher das 100-Jahr-Buch des FC Wohlen und organisierte die Finanzierung gleich selbst. Man glaubt es kaum: Hübscher holte für das mehr als 300-seitige Werk mit Porträts, Statistiken und Details zu den Planungen und zum Bau des neuen Stadions in den Niedermatten 115 000 Franken an Sponsorengeldern herein. Und als es darum ging, dass der FC Wohlen auf die Saison 2018/19 hin nicht in die 2. Liga abstürzt, war Hübscher ebenfalls mit Rat und Tat zur Stelle.

Roman Buess

Roman Buess

Der FC Wohlen hat sich zwischen 2002 und 2018 im Schweizer Profifussball etabliert. Der FC Wohlen war aber auch Sprungbrett für viele Talente, die nur ein Ziel vor Augen hatten: die Super League! Interessant: Abnehmer von Wohler Spielern waren vor allem der FC Luzern, GC und der FC Thun.

Swen König, Enrico Schirinzi, Goran Karanovic und Dusan Veskovac wurden alle zu den Zentralschweizern transferiert. Alain Schultz, Alban Pnishi, Dusan Cvetinovic und zuletzt Aleksandar Cvetkovic gingen zu den Zürchern. David Da Costa, Roman Buess, Simone Rapp und Joël Geissmann wechselten zu den Berner Oberländern.

Stefan Iten und Manuel Bühler folgten dem Lockruf von Vaduz. Joel Kiassumbua ging zu Lugano. Den Reigen der spektakulären Transfers eröffnete Milos Malenovic mit dem Wechsel zum FC St. Gallen.

Die Trainer nicht vergessen

Nicht vergessen darf man auch die 14 Trainer und das Interimsduo Pius Fischbach/Emilio Munera. Die grosse Nummer war Martin Rueda. Unter seiner Führung stieg der FC Wohlen auf. Mit Ciriaco Sforza klopften die Wohler in der Saison 2014/15 sogar an die Tür zur Super League. Die kurioseste Rolle spielte Adrian Kunz.

Nach zwei Spielen vor und zwei Spielen nach der Winterpause der Saison 2011/12 wurde der quirlige Berner Oberländer entlassen. Francesco Gabriele feierte mit dem FC Wohlen am 22. April 2017 den einzigen Derbysieg gegen den FC Aarau (3:0).

Alban Pnishi

Alban Pnishi

Eines ist jetzt wichtig, ja sogar entscheidend: Die alte Führungscrew des FC Wohlen muss die Vergangenheit ruhen lassen. Sie muss akzeptieren, dass bei den Freiämtern mit dem Machtwechsel und der neuen Führungscrew um Verwaltungsratspräsident André Richner eine neue Ära eingeläutet wird.

Vorbei ist vorbei: Trotzdem war es schön, dass am Tag des letzten Heimspiels in der Challenge League sogar in der «Neue Zürcher Zeitung» ein mehrseitiger Bericht über das Wohler Märchen erschienen ist. Ein kleiner Fehler hat sich im Artikel der NZZ eingeschlichen: Der FC Wohlen wurde in der Saison 2014/15 nicht Dritter, sondern Zweiter.

Das zweitklassierte Servette wurde am «grünen Tisch» auf den letzten Rang zurückversetzt. Der Grund für das Aus ist sinnbildlich für die Pleiteliga Challenge League: Wie den Wohlern ging auch den Genfern das Geld aus.