Rudern

Im Schweizer Flaggschiff sitzt ein Ruderer aus Baden

Im Element: Daniel Wiederkehr an der Limmat in Baden. afr

Im Element: Daniel Wiederkehr an der Limmat in Baden. afr

Daniel Wiederkehr aus Baden hat sich einen Platz im Schweizer Leichtgewichts-Vierer ergattert. Diesen will der 23-Jährige bis zu den nächsten Olympischen Spielen verteidigen. Dafür nimmt er viele Entbehrungen in Kauf.

Mannschaftsbildungsverfahren. Das tönt kompliziert, etwas umständlich und könnte deshalb ein Begriff aus der Politik sein. Konkret geht es aber um den Rudersport. Noch konkreter: um den Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann.

Dieses Prestige-Projekt des Schweizerischen Ruderverbands befindet sich im Umbruch. Nach dem bemerkenswerten fünften Platz an den Olympischen Spielen in London wird nun eine neue Besatzung gesucht – mit dem Fernziel Olympische Spiele in Rio 2016.

Daniel Wiederkehr ist Teil dieses – wie es der Verband nennt – Mannschaftsbildungsverfahrens. Vor Kurzem fanden in Italien die Trials, die Ausscheidungsrennen, statt. Zehn Mann buhlten um die vier Plätze, und Wiederkehr hat sich einen Platz im Boot ergattert. Das Mitglied des RC Baden weiss aber: «Ich kann jederzeit wieder rausfliegen. Bis Rio ist es noch ein weiter Weg.»

Vier Jahre dem Rudern verpflichtet

Um im Boot zu bleiben, ordnet der 23-Jährige dem Rudersport alles unter. Wiederkehr hat sich quasi vertraglich verpflichtet, seine Karriereplanung für vier Jahre dem Fokus Rio 2016 zu widmen. Nur unter dieser Bedingung war es ihm möglich, die Spitzensport-RS zu absolvieren.

Ruderer Daniel Wiederkehr aus Baden im Interview

Ruderer Daniel Wiederkehr aus Baden im Interview

Auch sein Wirtschaftsingenieur-Studium an der Fachhochschule Windisch muss Wiederkehr auf Sparflamme köcheln. Sein Pensum beträgt derzeit 30 Prozent. Er ist im 3. Semester, rechnet mit einer Studiendauer von 6 Jahren – dem erlaubten Maximum.

Wiederkehr ist mit 12 Jahren durch eine Austauschschülerin aus Australien zum Rudern gekommen. Wenn er über seinen Sport spricht, leuchten seine Augen, treten die Entbehrungen in den Hintergrund. Man spürt: Dieser Mann schindet sich gerne.

«Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn sechs Boote nebeneinander über den See bolzen und jeder Athlet sich bis aufs Letzte auspowert», sagt Wiederkehr. Auch die gemeinsamen Trainings und den Zusammenhalt im Team empfindet er als eindrücklich.

RS mit dem Schwingerkönig

Ruhetage gönnt sich der zweifache Schweizer Meister (Doppelzweier) und U23-WM-Bronzegewinner (Doppelvierer) keine. Seinen Platz im Boot will er verteidigen. Die Spitzensport-RS, die er Mitte März beendet hat, war ein voller Erfolg.

«Ich war noch nie besser in Form», sagt Wiederkehr. «Dank dem Militär können auch Athleten aus Randsportarten trainieren und leben wie die Profis.» Eindrücklich waren auch die Begegnungen mit anderen Sportlern, etwa mit Schwingerkönig Kilian Wenger. «Der isst zu Mittag dreimal so viel wie ich», sagt Wiederkehr, der knapp über 70 kg wiegt.

Nach zwei Regatten und einem Trainingslager hat der Leichtgewichts-Vierer Ende Mai seine erste Bewährungsprobe vor sich. Dann finden die Europameisterschaften in Spanien statt. Wiederkehr weiss: «Wir sind noch lange nicht auf dem Niveau des Olympia-Vierers von London.» Bis Rio ist es noch ein weiter Weg, aber es bleibt auch noch viel Zeit.

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