FC Aarau

Im Schatten von Feuz’ Gold-Triumph: Der FC Aarau besiegt Wohlen 2:1 und bleibt auch im 15. Derby ungeschlagen

Auch im 15. Aargauer Derby in dieser Saison konnte der FC Aarau gegen Wohlen einen Sieg einfahren. Auf der Wohler Niedermatten ging Wohlen früh in Führung, der FCA drehte das Spiel vor der Pause jedoch noch und fährt so den ersten Pflichtspielsieg im neuen Jahr ein.

In kleinen Gruppen stehen die Fussballfans zusammen. Die Blicke sind konzentriert auf Smartphone-Displays gerichtet. Jeder dritte Akku läuft heiss. Da und dort werden Fäuste geballt, es gibt den einen oder anderen erfreuten Ausruf. Soeben ist es definitiv geworden: Beat Feuz gewinnt an der Ski-WM in St. Moritz die Abfahrt und holt die zweite Goldmedaille für die Schweiz.

Stimmen zum 15. Derby zwischen Wohlen und Aarau; 1:2

Stimmen zum 15. Derby zwischen Wohlen und Aarau

Die Ausgangslage für ein Fussballfest im Wohler Stadion Niedermatten könnte kaum besser sein. Es ist angerichtet. Doch was die 2085 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Folge vom FC Wohlen und vom FC Aarau geboten bekommen, lässt den Stimmungspegel abflachen. Das
15. Aargauer Derby vermag niemanden so richtig zu erwärmen – zumal ein giftiger Wind erbarmungslos über die Niedermatten weht.

Nach dem Schlusspfiff des tadellosen Schiedsrichters Sascha Amhof ist es so, wie es nach dem Kantonsderby eigentlich immer ist: Die Wohler ärgern sich, die Aarauer freuen sich. Der FCA bleibt auch im 15. Derby gegen Wohlen ungeschlagen, der Direktvergleich zwischen den beiden Aargauer Challenge-League-Klubs weist nun elf Aarauer Siege und vier Unentschieden auf. «Das ist das Wichtigste nach diesem Spiel», sagt FCA-Trainer Marco Schällibaum angesprochen auf die gewahrte Ungeschlagenheit. «Das sind drei Punkte, die uns guttun. Glorreich war das nicht, aber wir haben gewonnen. Schlussendlich ist das alles, was zählt.»

Dass sich Schällibaum und seine Spieler am Ende über einen 2:1-Sieg würden freuen können, hatte sich in der Startphase überhaupt nicht abgezeichnet. Wohlen legte zielstrebig los und ging mit dem ersten flüssigen Angriff (4.) durch Janko Pacar sogleich in Führung.

Der Gegentreffer hätte aus Aarauer Sicht aber gleich doppelt vermieden werden können, ja müssen: Einerseits stimmte die Abstimmung auf der linken Abwehrseite des FCA überhaupt nicht, andererseits hätte Torhüter Ulisse Pelloni den Schuss aus knapp zehn Metern halten müssen. «Da waren wir nicht bereit. Ulisse ist stinkesauer. Er weiss, dass er den halten muss», sagt Schällibaum.

Dass sein Malheur in der Endabrechnung keine Rolle mehr spielte, hatte Pelloni der gnadenlosen Effizienz seiner Vorderleute zu verdanken: Zwischen der 29. und der 37. Minute machte der FCA aus null Chancen zwei Tore. Zuerst traf Stürmer Patrick Rossini nach einer eher zufälligen Ballstafette von Geoffrey Tréand über Zoran Josipovic zum Ausgleich.

Und acht Minuten später landete ein weiter Ball Denis Markajs beim blank stehenden Tréand, der sich nicht zwei Mal bitten liess und zum 2:1 für die Aarauer einschob. «Der Charakter meiner Mannschaft wurde nach dem schwachen Start geprüft. Die Spieler haben diesen Test bestanden. Das zeigt eben auch die Qualität einer Mannschaft», sagt Schällibaum zufrieden.
Einer, der ebendiese Qualität bestens verkörpert, ist Rossini.

Der beste FCA-Torschütze steht mittlerweile bei zehn Saisontreffern: «Heute ist es mir sehr gut gelaufen», sagt der 28-Jährige. «Wir haben uns nach dem verschlafenen Start enorm gesteigert. Danach hatten wir die Partie im Griff und deshalb verdient gewonnen.» Dass das Derby-Feuer an diesem Sonntagnachmittag irgendwie nicht so richtig zu lodern beginnen wollte, entging auch Rossini nicht: «Jedes Derby hat seine eigene Geschichte, jede Partie gegen Wohlen ist anders. Wir stehen in diesen Spielen immer unter Druck. Alles in allem bin ich glücklich, dass ich weiterhin sagen kann, dass ich noch nie ein Derby mit dem FCA verloren habe.»

Marco Corradis Debüt im FCA-Dress

Glücklich war auch Marco Corradi. Knapp vier Wochen, nachdem er vom FCA mit einem Profivertrag über zweieinhalb Jahre ausgestattet worden war, kam der 17-Jährige zu seinem Debüt im Dress des FCA – und das ausgerechnet gegen seinen Jugend-Klub, den FC Wohlen.

«Das ist schon speziell. Meine ersten paar Jahre habe ich hier Fussball gespielt», sagt Corradi, der seit der U15 beim FCA spielt. Zwar dauerte seine Premiere im Fanionteam nur etwas mehr als eine Minute, trotzdem war sie mit vielen Emotionen verbunden: «Ich war nervös, als ich an der Seitenlinie bereitstand. Es war super, ich fühle mich sehr geehrt.»

Corradis Debüt dürfte auch etwas durch die dünne Personaldecke des FCA begünstigt worden sein. Neben den Langzeitverletzten Miguel Peralta, Marco Thaler und Stéphane Besle fehlten am Sonnntag zusätzlich auch noch Daniele Romano und Olivier Jäckle. Zudem musste Captain Sandro Burki wenige Minuten nach der Pause wegen Problemen im linken Oberschenkel ausgewechselt werden.

All dieser Umstände zum Trotz wird das 15. Derby kaum einen grösseren Platz in der Sportgeschichte einnehmen. Ganz im Gegenteil zum Gold-Triumph von Beat Feuz in St. Moritz.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller:

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