Motorsport

Im Motorsportzirkus am richtigen Ort: Nachwuchstalent Ricardo Feller blickt auf seine erfolgreiche Saison zurück

Rennfahrer und Nachwuchstalent Ricardo Feller blickt auf seine dritte und von Erfolgen gekrönte ADAC-GT-Masters-Saison zurück. Dabei zählen für Feller nicht nur die gesammelten Pokale, sondern auch die wertvollen Erfahrungen.

Als Teenie auf der Überholspur sorgte Ricardo Feller einst für Furore. Nun ist der mittlerweile 19-Jährige endgültig im Motorsportzirkus angekommen. In seiner dritten Saison durfte er gleich mehrere Erfolge feiern. Fünfmal stand er insgesamt auf dem Podest, dreimal davon in der ADAC-GT-Masters-Saison der Supersportwagen.

Doch statt viele Worte über die Erfolge zu verlieren, spricht Feller lieber über seine Begeisterung für das Fahren. Wenn er über sein grösstes Highlight, das Rennen Petit Le Mans in Atlanta, redet, ist seine Liebe zum Adrenalinkick spürbar. Als jüngster Teilnehmer fuhr er dort im Qualifying den ersten Platz heraus und beendete das Rennen als Zweitplatzierter.

Ins Schwärmen gerät er aber nicht nur des Podestplatzes wegen. «Die Strecke ist sehr speziell, hat viele schnelle und mittelschnelle Kurven, die das Auto stark ans Limit bringen. Wo jeder Millimeter entscheidet», sagt Feller. «Wenn man um die 220 km/h Mindestgeschwindigkeit in einer schnellen Kurve hat, dann sind die Adrenalinausschüttung, das Feeling und die dort wirkenden Kräfte schon sehr speziell. Das ist es, was ich als Rennfahrer cool finde.»

«Es sind dumme Fehler passiert»

Nichtsdestotrotz bezeichnet er als prägendsten Moment doch einen von Erfolg gekrönten: Das Rennwochenende im niederländischen Zandvoort, an dem er im Sonntagsrennen den ersten Sieg in der Serie einfahren konnte. Dennoch findet Feller am Ende der Saison auch kritische Worte: «Wir waren das ganze Jahr über eines der Favoritenautos. Leider konnten wir aber nicht ganz die Resultate heimfahren, die wir erwartet haben.»

Pech und gröbere Fehler standen dem ganz grossen Glück im Weg. Am stärksten zeigte sich die Diskrepanz zwischen Anspruch und tatsächlicher Leistung an den Renntagen am Red-Bull-Ring, wo der Wagen von Feller und seinem belgischen Mitfahrer Dries Vanthoor zu den grössten Anwärtern auf den Sieg gehörte.

«Es sind dumme Fehler passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Es wären sicher zwei Podiumsplätze dringelegen, die wir weggeworfen haben», sagt Feller. Doch auch wenn der Ärger nach Niederlagen bei ihm anfänglich oft gross ist: So schnell wie er kommt, vergeht er auch wieder. Kaum ist er verflogen, will Feller viel lieber darüber nachdenken, was er beim nächsten Mal besser machen könnte.

Erfolg verändert Herangehensweise

Gerne spricht er über die Dinge, die er in seiner dritten ADAC-GT-Masters-Saison gelernt hat. Die ersten grösseren Erfolge haben seine Herangehensweise geändert. «Wenn du um die Podestplätze mitfährst, kämpfst du auf einmal ganz anders. Dann gehst du viel mehr Risiko ein, weil du genau weisst, dass jeder noch so kleine Fehler brutal bestraft wird», sagt er.

Die Jagd nach eben diesen Plätzen hat ihm sein Engagement bei «Land Motorsport» ermöglicht. Im Montaplast Audi R8 LMS bretterte Feller Rennwochenende für Rennwochenende über die Strecken. Für ihn wurde damit ein lang gehegter Traum wahr.

«Ich bin extrem dankbar für die Möglichkeiten und das Vertrauen, das ich bekommen habe. Ich konnte Langstreckenrennen in Europa und auch in Amerika fahren, dazu die ADAC-GT-Masters-Saison, was in meinem Alter mega ist», sagt Feller.

Entspannt in eine noch ungewisse Zukunft

Am Ende der Saison werden die Karten allerdings einmal mehr neu gemischt. Die Vertragsverhandlungen gehen nun von vorne los. Für Sport-KV-Schüler Feller bleibt so Zeit, nach den bestandenen Lehrprüfungen in sein letztes Lehrjahr als Autoverkäufer zu starten. Mit Übungen im Simulator hält er sich zurzeit ohne Trainer fit und geniesst die wohlverdiente Pause, die er nicht missen möchte.

Die momentan herrschende Ungewissheit ist er sich gewohnt. «Es ist jedes Jahr immer die schwierigste Zeit der Saison. Ich will natürlich den besten Platz für das nächste Jahr finden.» Nebst dem finanziellen und organisatorischen Teil muss auch der Mitfahrer stimmen: «Es muss extrem viel zusammenkommen. Ich habe schon ein bisschen Angst, am Schluss nicht am richtigen Ort zu sein.»

Die Vorfreude auf die bald wieder einsetzende intensive Zeit bleibt trotzdem ungebrochen. «Ich hoffe persönlich, dass es in diesem Rahmen weitergeht», sagt er. Für Aufsehen will er schliesslich auch als Angekommener weiterhin sorgen.

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