Kartfahren
Im gleichen Rennen mit dem unvergessenen Ayrton Senna

Automobil Der Windischer Kartfahrer Fabio D’Apuleo-Santana ist erst 12. Sein Mentor Bruno Tamborino ist schon 65 und hat sein halbes Leben dem Kartsport gewidmet.

Elia Diehl
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Bruno Tamborino und sein Schützling Fabio D’Apuleo-Santana.edi

Bruno Tamborino und sein Schützling Fabio D’Apuleo-Santana.edi

Samstag 7 Uhr in der Früh und strömender Regen – ideale Voraussetzungen um die Bettruhe etwas auszudehnen und gemütlich ins Wochenende zu starten. Nicht so Fabio D’Apuleo-Santana und Bruno «Tambo» Tamborino. Das Tambo-Kart-Team frühstückt gerade auf der Autobahnraststätte Pratteln. Die beiden sind auf dem Weg zur Kartstrecke Mulhouse, wo das offizielle Renntraining ansteht.

Zwischen 150 und 200 Runden wird der 12-jährige Fabio, der als Bruder des jungen Lewis Hamilton, seinem Idol, durchgehen könnte, auf dem nassen Kurs drehen. Der Halbitaliener fährt erst sein zweites Jahr und belegt bereits Platz zwei in der Rotax Max Challenge. Das Talent des Jungen erkannt hat der 65-jährige Teamchef Tambo – Mentor, Lehrmeister und Mechaniker aus Leidenschaft. Seit 34 Jahren hat sich der Wohler dem Kartsport verschrieben, erst 12 Jahre als Fahrer, seit 1991 als Besitzer des eigenen Teams, welches 15 grosse Titel vorweisen kann. «1981 fuhr ich am Grand Prix de Suisse gegen Ayrton Senna», berichtet Tambo stolz.

Der 1994 in Imola tödlich verunglückte dreifache Formel-1-Weltmeister Senna, siegte in der Schweiz, Tambo wurde Neunter. Den Sprung in die Formel schaffte der gebürtige Italiener seinerseits nie. «Ich war da schon zu alt», weiss Tambo, 1970 wäre er fast in der Formel Ford gefahren. Zeitgleich wurde er aber Vater, der Sport zu teuer und Tambo verabschiedete sich für acht Jahre vom Rennsport. «Ohne Geld geht nichts», weiss der 65-Jährige. Um den Sprung in eine Formel-Serie zu schaffen, brauche es nicht nur Talent, «sondern auch Glück und Zufall». Wehmut verspüre er wegen einer verpassten Karriere nicht: «Ich bin froh, wie es rausgekommen ist, denn ich habe eine wundervolle Familie mit fünf Enkelkindern», sagt er lachend.

In eine Formel-Serie will auch sein Schützling Fabio. «Erst mal ist es aber ein Hobby», bremst ihn sein Lehrmeister Tambo, man müsse sich zuerst sportlich beweisen, bevor man grosse Ziele setzen könne. Um 8.30 Uhr hat das Team neben der Mulhouser Rennstrecke ihr Werkstattzelt aufgeschlagen. Der erfahrene Tambo bereitet wie im Schlafe den Kart vor. Schweigsam wird gewerkt – tanken, imprägnieren, letzte Einstellungen am Motor. Dann, kurz vor 10 Uhr, wird der 80-Kilo-Kart auf einem Wägelchen zum Start des ersten von acht Trainings gefahren. Fabio erhält noch letzte Fahrtipps und schon braust der Realschüler für 20 Minuten über die 913 Meter nassen Asphalt. Am Pistenrand beobachtet Tambo mit scharfem Auge die Fahrt. Nach 25 Runden und wieder zurück im Zelt, weiss der Mechaniker genau, was geändert werden muss und beginnt sofort zu schrauben. «Fabio kommt schlecht aus der Kurve», erklärt Tamborino, er sorge also für mehr Beschleunigung.

Daneben analysiert er mit Fabio dessen Fahrt und gibt Ratschläge für das nächste Training in einer Stunde. Bis um 17 Uhr wiederholt sich dieser Vorgang eins ums andere mal. Die Früchte der Arbeit zeigen sich dann am sonntäglichen Rennen: Fahrer und Maschine sind ideal vorbereitet und Fabio braust zum dritten Mal in dieser Saison auf den zweiten Rang.