Motorsport
Im Cockpit von Urs Hunziker sagt eine Frau, wo es lang geht

Der Aargauer Urs Hunziker an der Rallye-Meisterschaft geglänzt, vor allem dank seiner Co-Pilotin Melanie Wahl. Die 27-Jährige gibt im Cockpit bei 150 km/h die Richtung durch.

Michael Schenk
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Eingespielt und auch erfolgreich: Melanie Wahl sagt Urs Hunziker, wo es langgeht. zvg
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Melanie Wahl und Urs Hunziker: Das erfolgreiche Rallye-Tteam
Melanie Wahl und Urs Hunziker: Das Hobby Rallye macht beiden Spass, auch wenn es einiges kostet.

Eingespielt und auch erfolgreich: Melanie Wahl sagt Urs Hunziker, wo es langgeht. zvg

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«Eigentlich passt das gar nicht so zu mir», grummelt der gelernte Landwirt Urs Hunziker, wenn man ihn darauf anspricht, dass ihm als Rallyepilot eine Frau sage, wo es lang geht. Ausserhalb des Cockpits «ist das eher nicht so», gibt der 45-jährige Staffelbacher zu. Aber, wenn die Frau einen derart ausgezeichneten Job macht, wie die Fachinformatikerin aus der Nähe von Stuttgart, dann lässt sich auch ein Vollblut-Motorsportler und -Mann wie Urs Hunziker von weiblicher Stimme die Marschroute befehlen.

«Sie ist äusserst gewissenhaft und arbeitet sehr professionell», lobt Hunziker seine 27-jährige Beifahrerin. Ausserdem «stimmt die Chemie zwischen uns perfekt – da ist absolutes Vertrauen.» Etwas, das im Rallyesport essenziell ist. Der Rhythmus im Cockpit muss passen – die Ansagen des Co-Piloten oder eben der Co-Piloten müssen just zur rechten Zeit und selbstverständlich absolut korrekt kommen. Ansonsten ergibt sich bei 150 km/h auf einem drei Meter breiten Waldweg schnell ein schmerzliches Problem. Gibt es sonst noch Vorteile, wenn einem eine Frau auf dem Beifahrersitz sagt, wie der Hase läuft? Ganz pragmatisch rechnet Urs Hunziker vor, dass allein das Körpergewicht viel ausmache. «Früher hatte ich einen Beifahrer von 100 kg – jetzt eine von 65 kg». Zehn Kilo mehr würden auf einen Kilometer eine Zehntelsekunde mehr ausmachen. «Da kommen bei einer Rennlänge von 300 km also schnell ein paar Sekunden zusammen.»

Facettenreiche Frauenpower

Allein aus «frachttechnischer» Hinsicht setzt Rallye-Talent Urs Hunziker, der heuer erst seine fünfte Saison bestritten hat, freilich nicht auf Frauenpower neben dem Steuer. Das sogenannte «Gebetbuch» zu erarbeiten, da also wo von fix bis foxi alles drinsteht – wie jede einzelne Kurve in welchem Gang und Winkel durchfahren werden muss – und noch viel mehr, verlangt minutiöse und disziplinierte Arbeit. In dieser Hinsicht sei seine Co-Pilotin grosse Klasse, lobt der Chef.

Und was sagt Melanie Wahl selbst: «Ja, ich denke schon, dass ich es mag, Verantwortung zu tragen.» Im Alltag ist die Hobby-Rennfahrerin im Support bei einem Abfüllanlagenhersteller tätig und betet da der Belegschaft vor, wie die Computer zu bedienen sind. Ab und zu sage sie schon, sie hätte etwas Angst, erzählt Hunziker. Doch dann «sage ich jeweils – ich auch.» Das Hobby, in das sie viel Geld und Freizeit investiert, sagt Wahl, mache ihr einfach «einen riesigen Spass.» Es sei etwas anderes, selbst wenn ihr Freunde und Familie jeweils sagen würden «ich sein ein bisschen verrückt.

Bestes Karriere-Resultat

Sportlich lief es dem aargauisch-süddeutschen Duo sehr gut. Mit Schlussrang drei in der Gesamtwertung der Schweizermeisterschaft erreichte das Team Hunziker/Wahl auf ihrem seriennahen Subaru Impreza heuer das beste Resultat ihrer Karriere. Ein Podestplatz angesichts der Konkurrenz, die zum Teil mit voll als Rennwagen konzipierten Boliden daherbraustt, kann sich mehr als sehen lassen. Und es hätte noch besser kommen können. «Den einzigen Ausfall, den wir in dieser Saison hatten, war im Jura», erzählt der Aargauer. Damals fielen er und seine Beifahrerin drei Kilometer vor dem Ziel in Führung liegend eine Böschung runter und blieben im Wald stecken – vertikal versteht sich. «Ohne diesen Patzer hätte es uns sogar zum zweiten Gesamtrang gereicht», so der Besitzer eines Motorradgeschäfts aus Staffelbach. Nun, inzwischen kennt Hunziker seinen Wagen, den er zusammen mit Kollegen total selber wartet und aufbaut, bei Wind und Wetter in und auswendig. «Das ist im Rallye-Sport enorm wichtig, weil wir ja keine Gelegenheit haben, zu trainieren.» Ausserdem harmonieren er und Melanie Wahl zusehends wie Mozart und seine Noten. «Insofern erhoffen wir uns, dass wir uns nächste Saison noch steigern können.»