Drei persönliche Bestleistungen, zwei Schweizer Rekorde, ein WM-Halbfinal. Applaus, Applaus!
Mit grossem Aufwand bringt uns das Schweizer Fernsehen die Leistungen der Leichtathleten aus London in die Stube. Das halbe Land kennt inzwischen die Grazie von Lea Sprunger, das Potenzial von Géraldine Ruckstuhl und die Interviews mit Alex Wilson. Selbst Sportlerinnen aus der zweiten Reihe wie Salomé Kora oder Sarah Atcho haben ihren Bekanntheitsgrad dank des medialen Rundum-Pakets signifikant erhöht.

Aber halt! Wir sprechen hier nicht von der Leichtathletik. In London gab es schliesslich bisher keine nationalen Rekorde. Wir reden vom Schwimmen. Auch in dieser Weltsportart fanden letzte Woche die Weltmeisterschaften statt. Und Schwimmen ist immerhin gemeinsam mit der Leichtathletik Hauptsportart und Quotengarant bei Olympischen Spielen. So wichtig, dass die zwei olympischen Wochen für je eine der zwei Disziplinen reserviert sind.

Käser so gut wie noch nie

Die Erfolge der Schweizer WM-Schwimmer bewegen sich in vergleichbaren Sphären wie jene der Leichtathleten. Ein WM-Final und drei Halbfinals schauten in Budapest heraus. Einer der Leistungsträger im Schweizer Sport war der 25-jährige Aargauer Yannick Käser. Über 50 m Brust schwamm er persönliche Bestzeit, über 100 m und 200 m Brust gar nationalen Rekord und bei Letzterem in den Halbfinal. Nur bekam dies praktisch niemand mit, weil TV-Übertragungen aus Ungarn ebenso fehlten wie grossräumige Berichterstattungen in Print- und Onlinemedien.

Schwimmen bekommt wenig Platz in den Medien

Schwimmen bekommt wenig Platz in den Medien

«Dieses Thema wird auch unter uns Schwimmern sehr angeregt diskutiert», sagt Käser. «Es ist schwierig, zu verstehen, immerhin bewegen wir uns mit unseren Leistungen ebenfalls auf Weltniveau.» Käser sagt, er wolle den Leichtathleten auf keinen Fall etwas von Ruhm und Ehre wegnehmen, «aber das Ungleichgewicht bei der Beachtung ist schon erstaunlich».

Studium in den USA

Käser ist ein Aushängeschild von Swiss Swimming. Der Fricktaler aus Mumpf nahm in London und Rio an Olympischen Spielen teil und richtet seinen Schwerpunkt seit Jahren konsequent auf den Sport aus. So studierte er nach den Sommerspielen 2012 für vier Jahre in den USA an einer auf Schwimmen ausgerichteten Universität.

Dass Käser den für Rio geplanten Vorstoss in die Halbfinals nun mit einem Jahr Verzögerung realisierte, ist bemerkenswert. Denn einerseits absolvierte er im letzten Winter die Spitzensport-RS und andererseits kann er wegen einer hartnäckigen Schambein-Entzündung seit Monaten nicht wie gewünscht trainieren.

Käser kann nciht wie gewünscht trainieren. mf

Käser kann nciht wie gewünscht trainieren. mf

Der Traum vom Olympiafinal

So stolz Käser auf seine drei neuen Bestleistungen sein kann, so bescheiden erscheint die damit verbundene Ausbeute. Der riesige, mit viel Verzicht verbundene Aufwand für WM-Ränge 16 (200 m) 24 (100 m) und 29 (50 m)? «Ich schaue in erster Linie auf mich, und solange ich mit meinem Aufwand Fortschritte erziele, bleibe ich motiviert.» Der Athlet der Limmat Sharks Zürich ist überzeugt, sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft zu haben. «Ich mache bis zu den Spielen von Tokio 2020 weiter. Und der Abstand zu einem Platz im Olympiafinal ist nicht so gross, als dass ich nicht daran glauben darf.»