FC Aarau

Im Brügglifeld riecht es nach Erfolg - doch das Eis für Burki, Rahmen und die Spieler ist hauchdünn

Die FCA-Spieler trainieren unter Beobachtung von Chefcoach Rahmen und seinem Assistenten Marco Walker

Die FCA-Spieler trainieren unter Beobachtung von Chefcoach Rahmen und seinem Assistenten Marco Walker

Dieses Wochenende legt die Challenge League wieder los - und mit ihr der FC Aarau. Die Analyse von FCA-Reporter Sebastian Wendel vor dem Auftaktspiel gegen Servette (Samstag 20 Uhr Brügglifeld).

Der erste Blick auf den neu gebauten FC Aarau beeindruckt: 993! So viele Super-League-Spiele vereint das Kader. Die Hälfte der 24 Spieler hat eine Vergangenheit in der höchsten Spielklasse.

Im anderen Dutzend finden sich vielversprechende Talente wie Mickael Almeida und Mats Hammerich sowie die dribbelstarken und pfeilschnellen Petar Misic und Varol
Tasar, die in den Notizblöcken einiger Super-League-Klubs stehen. Und wer weiss: Vielleicht kommt auch noch Stürmer Goran Karanovic - er wäre das i-Tüpfelchen auf ein jetzt schon überdurchschnittliches Challenge-League-Kader. 

Marco Schneuwly im Training des FC Aarau auf dem Trainingsplatz des Stadion Brügglifeld in Aarau. (16. Juli 2018)

Neu für den FC Aarau im Einsatz: Super-League-Tormaschine Marco Schneuwly

Marco Schneuwly im Training des FC Aarau auf dem Trainingsplatz des Stadion Brügglifeld in Aarau. (16. Juli 2018)

Noch getoppt wird das hohe Spielerniveau vom Trainerteam: Chefcoach Patrick Rahmen, Assistent Marco Walker, Goalietrainer Flamur Tahiraj und Konditionstrainer Norbert Fischer; sie gehören mit Ausnahme von Tahiraj, für den es die erste Anstellung nach der Spielerkarriere ist, schweizweit zu den Besten ihres Fachs.

Und ganz wichtig: Rahmen und Co. lassen sich in ihrer Arbeit von nichts und niemandem dreinreden, sie ziehen ihr Ding durch und bestehen auf ihren Wünschen. Im minimalistisch aufgebauten FC Aarau funktionieren nur Trainer mit genügend Durchsetzungsvermögen.

Norbert Fischer, Marco Walker, Patrick Rahmen; Flamur Flamur Tahiraj Trainingsstart des FC Aarau für die Challenge League Saison 2018/2019 im Aarauer Brügglifeld Trainingsgelände. (12. Juni 2018)

Das hochkarätige FCA-Trainerteam: Norbert Fischer, Marco Walker, Patrick Rahmen, Flamur Tahiraj

Norbert Fischer, Marco Walker, Patrick Rahmen; Flamur Flamur Tahiraj Trainingsstart des FC Aarau für die Challenge League Saison 2018/2019 im Aarauer Brügglifeld Trainingsgelände. (12. Juni 2018)

Wer etwas genauer hinschaut, der merkt schnell: Sportchef Sandro Burki hat sich bei der Operation am FC Aarau bis ans Nervenzentrum vorgetraut: Neben dem Trainer sind fünf von elf Spielern in der voraussichtlichen Startelf für das Auftaktspiel gegen Servette neu. Insgesamt hat er neun Spieler verpflichtet. Ihnen gegenüber stehen acht Abgänge, darunter die Publikumslieblinge Garat und Nganga.

Kritiker sagen, Burki hätte noch konsequenter sein und auch Olivier Jäckle und Thaler «entsorgen» müssen. Stichhaltige Argumente für eine Vertragsverlängerung haben in der vergangenen Saison tatsächlich beide nicht geliefert. Andererseits: Sie haben ihre Tauglichkeit schon auf Super-League-Niveau bewiesen, für sie ist der Neustart die letzte Chance.

Routinierte Achse umringt von vielen Talenten

Das, was Burki zusammengebaut hat, hat Hand und Fuss. Die einzelnen Spieler sind fast schon lehrbuchmässig aufeinander abgestimmt. Jede Position ist doppelt, teils dreifach mit gleich oder ähnlich starken Spielern besetzt. Die routinierte Mittelachse von Goalie Deana über Abwehrchef Zverotic, Captain Frontino bis zu Stossstürmer Schneuwly gibt den vielen Talenten auf den Aussenpositionen den nötigen Halt.

Die verschiedenen Spielertypen erlauben es Trainer Patrick Rahmen, seine Mannschaft in verschiedenen Systemen agieren zu lassen: Basierend auf einer Dreier- oder einer Viererabwehr und mit Fokus auf der Offensive.

Ein wesentlicher Unterschied zur Vorsaison und gleichzeitig ein grosses Plus ist der Fakt, dass zwei Wochen vor Saisonstart alle Schlüsselpositionen besetzt waren und die Spieler Zeit hatten, sich kennen zu lernen.

FCA-Sportchef Sandro Burki hat beim Kaderumbau Mut bewiesen - jetzt ist er auf Erfolg angewiesen

FCA-Sportchef Sandro Burki hat beim Kaderumbau Mut bewiesen - jetzt ist er auf Erfolg angewiesen

Um den nötigen Umbruch einzuleiten, brauchte Burki Mut. Klar, viele Verträge sind ausgelaufen – aber es braucht viel Selbstbewusstsein, die Abgänge mit besseren Spielern zu kompensieren, statt den einfachen Weg der Vertragsverlängerung zu gehen. Burki ist immer noch ein Sportchef-Neuling und auf ihm lastet in der kommenden Saison grosser Erfolgsdruck: Patrick Rahmen ist «sein» Trainer und es ist nun «seine» Mannschaft.

«Wir im Brügglifeld, wir leben noch!»

Beim Neuaufbau genoss Burki vom Verwaltungsrat innerhalb der Budgetleitplanken völlig freie Hand. Als Gegenleistung für die Budgeterhöhung wollen die Bosse nun Fortschritte sehen. Zwar begeht keiner im Führungsorgan mehr den Fehler und ruft einen konkreten Tabellenrang als Ziel aus, aber hinter den Kulissen wird attraktiver Fussball und eine Top-3-Platzierung erwartet – zu Recht bei diesem Kader und diesem Trainerteam.

Vor dem ersten Ernstkampf lässt sich sagen: Die dringend nötige Operation am Patienten scheint gelungen. Dass nach dem Seuchenjahr 2017/18 Namen wie Schneuwly, Zverotic, Obexer und Almeida zum FC Aarau gewechselt sind, ist erfreulich und zugleich ein Zeichen an die Konkurrenz: «Wir im Brügglifeld, wir leben noch!» Wer sich in Fan- und Sponsorenkreisen umhört, der vernimmt sogar eine kleine Euphorie.

Aber aufgepasst: Das Eis ist hauchdünn. Der FC Aarau muss von Beginn an liefern, sonst läuft das Publikum schnell wieder davon. Das wäre fatal: fürs Image, fürs Portemonnaie, für die Stadion-Abstimmung im nächsten Jahr und somit für die Zukunft des Profifussballs im Kanton Aargau.

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