Igor Nganga lebt zusammen mit seiner Frau Sofia und den drei Mädchen Anaia, Kelaia und Jahdiel glücklich und zufrieden. Die Zwillinge Anaia und Kelaia gehen in die zweite Klasse der Primarschule. Und Jahdiel erblickte am 9. November des vergangenen Jahres das Licht der Welt, ist also gerade mal etwas mehr als drei Monate alt.

Nganga liebt seine Familie über alles. Weil das so ist und weil die vier Frauen ein kostspieliger Spass sind, muss der 29-jährige Kongolese Geld verdienen.

Möglichst viel Geld: Nach fünf Jahren FC Aarau mit einem zwar anständigen, aber bei weitem nicht üppigen Gehalt meldeten sich vor knapp einem Jahr die türkischen Investoren des FC Wil mit dem steinreichen Unternehmer Mehmet Nazif Günal an der Spitze.

«Aarau hat mir sehr gefehlt», sagt Igor Nganga nach Bekanntgabe seiner Rückkehr.

«Aarau hat mir sehr gefehlt», sagt Igor Nganga nach Bekanntgabe seiner Rückkehr.

(21.2.2017)

Während der Lohnverhandlungen stieg der Puls von Nganga beinahe ins Unermessliche. Nganga bekam feuchte Hände und feuchte Augen zugleich. Der Grund? Ganz einfach: Der «türkische Goldesel» offerierte dem robusten und kräftigen Rechtsverteidiger einen Vertrag bis 2018 mit einem fixen monatlichen Salär von 20 000 Franken plus Prämien.

Igor Nganga entschied sich gegen das lukrativere Angebot des FC Luzern.

Igor Nganga entschied sich gegen das lukrativere Angebot des FC Luzern.

Hinzu kamen sportliche Ziele, die sich irgendwo zwischen Aufstieg in die Super League und der Qualifikation für die Champions League bewegten.

Märchen von kurzer Dauer

Nganga schien im Herbst seiner Karriere das sportliche und finanzielle Glück gefunden zu haben. Das Märchen dauerte allerdings nur ein halbes Jahr. Anfang 2017 hatte der «türkische Goldesel» genug vom Provinzfussball in der Schweiz und verschwand von der Bildfläche.

Und nachdem sich schon zu Beginn des Jahres mehr und mehr abgezeichnet hatte, dass die Spieler des FC Wil nicht einmal mehr ihre Januar-Löhne bekommen werden, hatte Nganga die Nase voll. Er wollte weg. Möglichst schnell! Möglichst ohne Theater! Nganga also plante den Abgang vom finanziell kriselnden Klub aus der Ostschweiz und kontaktierte seinen Berater René Strittmatter.

Die Zwei vereinbarten einen Termin mit Wil-Präsident Roger Bigger. Das Ziel: Der Vertrag zwischen dem Challenge Ligisten und Nganga sollte möglichst rasch und möglichst unkompliziert aufgelöst werden. Bigger willigte ein – und Nganga war frei.

«Natürlich ist der FC Luzern ein interessanter Klub»

Flugs machte sich der Abwehrspieler zusammen mit Strittmatter auf Klubsuche. Dass sich der FC Aarau in der Person von Sportchef Raimondo Ponte bei Nganga meldete, versteht sich von selbst. Schliesslich machte der frühere FCA-Publikumsliebling nie ein Geheimnis daraus, dass er früher oder später zum FC Aarau zurückkehren möchte. Und bei den Fans steht der Kämpfer vor dem Herrn so oder so hoch im Kurs.

Der FC Aarau schien im Rennen um Nganga die Nase vorn zu haben. Nichts da! Plötzlich meldete sich nämlich auch noch der FC Luzern. Der Grund liegt auf der Hand. Nach dem Abgang von Jérôme Thiesson zu Minnesota United suchten die Zentralschweizer einen Aussenverteidiger. Da schien Nganga genau der richtige Mann zu sein. «Es stimmt», sagt Nganga.

Nganga geht wieder mit dem FC Aarau auf Torjagd.

Nganga geht wieder mit dem FC Aarau auf Torjagd.

«Ich hatte Kontakte mit dem FC Luzern und habe sogar mit Assistenztrainer Patrick Rahmen gesprochen. Natürlich ist der FC Luzern ein interessanter Klub. Natürlich hat es mich gefreut, dass der FC Luzern mich verpflichten wollte. Das war eine Ehre für mich. Aber mein Herz schlägt nun mal für den FC Aarau. Hier bin ich zu Hause. Hier fühle ich mich wohl. Und ganz wichtig: Hier fühlt sich auch meine Familie wohl.»

Herz vor Geld

Was für eine schöne Geschichte aus Sicht des FC Aarau. Nganga also entschloss sich nicht für das lukrativere Angebot der Luzerner, sondern hörte auf sein Herz. Er entschloss sich also, ins Brügglifeld zurückzukehren und unterschrieb gleich einen Vertrag bis Ende Saison 2018/19. Und nun trainiert er seit vergangenem Dienstag wieder im Brügglifeld.

Seinen Einstand mit dem FC Aarau beim Meisterschaftsspiel in Chiasso am vergangenen Sonntag hat er sich allerdings anders vorgestellt. Ganz anders: Die 1:5-Pleite gegen die Tessiner ärgert ihn. «Das war eine bittere Niederlage, auf die wir glücklicherweise schon am Mittwoch gegen Luzern reagieren können», sagt Nganga. «Eines kann ich versprechen: Die Fans werden einen anderen FC Aarau zu sehen bekommen als in Chiasso.»

FC Aarau - FC Luzern Cupvorschau 2017

FC Aarau - FC Luzern Cupvorschau 2017