Setzt sich Sandro Burki etwas in den Kopf, zieht er es durch. Konsequent! Möchte der Sportchef des FC Aarau beispielsweise einen Spieler verpflichten, lässt er nicht locker. Im Fall von Gianluca Frontino schon gar nicht!

Burki hält grosse Stücke auf den zentralen Mittelfeldspieler. Der Grund? Ganz einfach: Frontino ist ein Freigeist, ein Ballkünstler, ein Kreativspieler, ein feiner Techniker mit dem gewissen Etwas! Das Problem ist: Spielertypen wie Frontino bewegen sich meistens zwischen Genie und Wahnsinn. An guten Tagen sind sie einsame Spitze, an schlechten Tagen sind sie Kreisklasse.

Frontino ist ein Spieler, der sich zwischen Genie und Wahnsinn bewegt. Entweder Top oder Flop! Entweder schwarz oder weiss! Eine Grauzone gibt es bei ihm nicht. Sein Transfer von Winterthur zum FC Aarau im Herbst 2017 sorgte für viel Diskussionsstoff: Die einen waren begeistert, die anderen hatten Zweifel. Ein knappes Jahr später stellt sich die Frage, ob Frontino die Erwartungen erfüllen konnte oder nicht.

Überragender Spieler in der Rückrunde

Lassen wir Zahlen sprechen: Seit dem 23. September 2017 hat er 29 Spiele für den FC Aarau absolviert, elf Tore erzielt und sechs Vorlagen gegeben. Nach Anlaufschwierigkeiten war er in der Rückrunde der vergangenen Saison der überragende Spieler. In den drei bisherigen Spielen dieser Saison spulte Frontino gemäss eigener Aussage zwar jeweils mehr als elf Kilometer ab, liess aber viele Wünsche offen. Er setzte gegen Winterthur einen Freistoss aus 18 Metern an die Latte, kam zu einigen Topchancen, aber unter dem Strich bleibt das Fazit: Viel Aufwand, kein Ertrag!

Das war bisher seine beste Szene: Aus 18 Metern setzte Gianluca Frontino einen Freistoss im Spiel gegen Winterthur an die Torumrandung.

  

Frontino geniesst beim FC Aarau einen hohen Stellenwert. Er ist nicht nur Denker und Lenker auf dem Spielfeld, sondern löste zu Beginn dieser Saison auch noch den verletzten Patrick Rossini als Captain ab. Frontinos Wahl zum Spielführer war unumstritten. «Gianluca hat während der Rückrunde der vergangenen Saison bewiesen, dass er ein Klassespieler ist», sagt FCA-Trainer Patrick Rahmen. «Er geht in guten und in schlechten Zeiten voran. Kommt hinzu, dass er den FC Aarau und das Umfeld gut kennt. Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.»

Captain-Amt ist Herausforderung und Anerkennung zugleich

Frontino freut sich über die Aussage des Trainers. «Ich bin gerne Captain, weil ich gerne Verantwortung übernehme», sagt er. «Für mich ist dieses Amt Herausforderung und Anerkennung zugleich. Es ist ein Zeichen für die Akzeptanz, die ich innerhalb der Mannschaft geniesse. Routinierte Spieler wie Marco Schneuwly, Elsad Zverotic und Nicolas Schindelholz stehen hinter mir. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen jungen und älteren Spielern. Die menschlichen Qualitäten für das Amt des Captains bringe ich sicherlich mit. Ich bin ehrlich, bin für klare Verhältnisse und sage das, was mir auf der Zunge liegt. Mit dem nötigen Respekt und Anstand!»

Die Binde am Arm: FCA-Captain Gianluca Frontino trägt sie gerne, weil er gerne Verantwortung übernimmt.

Die Binde am Arm: FCA-Captain Gianluca Frontino trägt sie gerne, weil er gerne Verantwortung übernimmt.

Ist Frontino also der ideale Captain für den FC Aarau? Schwierig zu sagen: An der nötigen Praxis fehlt es ihm nicht. Im zarten Alter von 22 Jahren war er schon Captain des FC Schaffhausen. Die erste Erfahrung mit einem Spielführer machte er bei den Grasshoppers. «Ich war damals 17 Jahre alt und durfte mit der ersten Mannschaft von GC trainieren», blickt Frontino zurück. «Captain war Ricardo Cabanas. Nach einemTraining kam er zu mir, lobte mich für meine Spielweise und Technik, sagte aber, dass ich härter spielen müsse. Ich hätte nur dann eine Chance auf einen Platz im Team, wenn ich die Mitspieler wegfräse. Einen Mitspieler müsse ich allerdings verschonen. Und das sei Ricardo Cabanas . . .» Frontino erzählt die nette Episode mit einem schelmischen Lächeln und fügt hinzu: «Seit diesem Gespräch ist der frühere GC-Captain Ricardo Cabanas mein Vorbild.»

Die Captain-Binde scheint für Frontino offensichtlich alles andere als eine Last zu sein. Er weiss aber genau, dass er sich nach dem missglückten Saisonstart steigern muss. «Die drei Niederlagen zum Auftakt beschäftigen mich sehr», sagt Frontino. «Die 0:2-Niederlage gegen Kriens tat extrem weh. Ich habe danach nicht gut geschlafen. Im Auswärtsspiel in Wil bin ich extrem gefordert. Es muss mir gelingen, der Mannschaft mehr Sicherheit zu geben. Eines ist klar: Ich kann mehr, als ich gegen Servette, Winterthur und Kriens gezeigt habe.»

Der FCA-Talk vor dem vierten Saisonspiel in Wil:

FCA-Talk: «Der Präsident zahlt und zahlt und zahlt – und nie bekommt er etwas zurück»

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Drei Spiele, dreimal verloren. Am Samstag tritt der FC Aarau gegen Wil an, unsere Sportreporter Ruedi Kuhn und Sebastian wenden diskutieren über den leidenden Präsidenten und einen leidlichen Vertrauensbeweis.