Laufsport
«Ich hatte grosses Glück»

Hansjörg Brücker siegte meist, wo er startete, heute ist der Start schon ein Sieg Leichtathletik.

Daniela Zeman
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An der Limmat in Baden ist Brücker fast täglich anzutreffen. daz

An der Limmat in Baden ist Brücker fast täglich anzutreffen. daz

Hansjörg Brücker nimmt den Zucker, leert die Hälfte des Briefchens in seinen Cappuccino, rührt um und nimmt einen Schluck. Es ist ein Vormittag im Sommer, und der 47-Jährige sitzt in einem Badener Kaffee. Trainieren muss Brücker heute nicht – «einen Ruhetag pro Woche gönne ich mir», sagt er. Allerdings ist dies ein normaler Arbeitstag, um 14 Uhr beginnt seine Schicht. Brücker arbeitet auf dem Flughafen in Kloten als Sicherheitsbeauftragter und dies bereits seit 15 Jahren. Sicher seien die ungewöhnlichen Arbeitszeiten anstrengend, sagt er. «Aber schliesslich ist es eine Gewöhnungssache.» Und sie ermöglichen ihm, intensiv seiner grössten Leidenschaft nachzugehen.

Seit 1983 rennt Brücker, den ersten Wettkampf bestritt er 1984. Der Gippinger Stauseelauf war es, und der damals 21-jährige schaffte es auf Anhieb auf den 7. Rang. Das habe ihn zu mehr motiviert, sagt er rückblickend. Tatsächlich stand er nur wenige Wochen später bei einem Cross erstmals auf dem Podest. Mittlerweile – so schätzt er – hat er sicher über 400 Wettkämpfe absolviert, meist liess er seine Gegner hinter sich.

Monatelanger Verzicht auf Sport

Doch ab Mitte 2010 wurde es ruhig, der Name Brücker war nicht mehr auf den Ranglisten zu finden. Was damals nur wenige wussten: Der Badener erlitt einen Darmverschluss, der lange unerkannt geblieben ist. Erst als er sich selbst notfallmässig einliefern liess, erkannten die Ärzte den Ernst der Lage und operierten ihn Ende Juni. Mit Erfolg. Die Verengung konnte gelöst werden, und dies ohne einen künstlichen Ausgang konstruieren zu müssen.

Brücker weiss um «das Glück, das ich hatte. Es hätte so viel schlimmer kommen können.» So fiel es dem angefressenen Läufer auch nicht schwer, monatelang auf den Sport zu verzichten.

Doch bald schon sagte er sich, dass es ein nächstes Jahr gäbe. Und dass dieser Darmverschluss nicht das Ende seiner Laufkarriere sein könne. So stand er im Januar 2011 bereits wieder an einem Hallenmeeting in Magglingen am Start, wo er einen 3000er absolvierte. Nach 9:53 blieb die Uhr stehen. «Eine bescheidene Zeit», sagt Brücker, dessen Bestzeit bei 8:46 steht. Nur war zu jenem Zeitpunkt die erzielte Leistung sekundär, viel wichtiger war für Brücker, laufen zu können. Lange musste der Athlet des LC vom Stein Baden allerdings nicht auf den Erfolg warten: Anfang April gewann er an den Schweizer Meisterschaften über 10 km auf der Strasse in seiner Altersklasse die Silbermedaille.

Der Exot auf der Bahn

Gegenwärtig gilt sein Fokus den kleineren, regionalen Anlässen. Zum Beispiel am nächsten Dienstag am Schachencup in Brugg oder aber auch am Sikinga-Lauf in Untersiggenthal am 24. August. Im Herbst soll es dann der eine oder andere Halbmarathon sein – längere Distanzen will er wettkampfmässig nicht mehr absolvieren. Hingegen hat er vor, weiterhin an Meetings zu starten und dort gegen Konkurrenten zu rennen, von denen er gut der Vater sein könnte. Klar werde man älter, und klar werde er manchmal als Exot betrachtet, sagt er. «Aber warum soll ich mich verstecken? Ich liebe das Tempo, ich liebe den Laufsport.» Und nicht zuletzt wolle er anderen Mut machen, dass man auch als über 40-Jähriger gute Leistungen erzielen könne. Doch dass dies nicht immer selbstverständlich ist, weiss Hansjörg Brücker nun nur zu gut.

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