Handball

«Ich hätte wohl noch mehr Gewicht ausgehalten» – HSC-Torhüter feiert phänomenales Nati-Debüt

Leonard Grazioli

Leonard Grazioli

Sein Debüt im Nati-Dress darf durchaus als gelungen angesehen werden. Der 18-Jährige Leo Grazioli vom HSC Suhr Aarau begeisterte das Publikum am Yellow Cup in Winterthur mit seinen Paraden. Am Freitag startet die EM – vielleicht gar mit ihm?

Mitte Dezember ist bekannt geworden, dass Leo Grazioli, der junge Torhüter des HSC Suhr Aarau, zu seiner Premiere in der A-Nationalmannschaft kommen wird. Im Rahmen des Yellow Cups, dem EM-Vorbereitungsturnier in Winterthur, hat der 18-Jährige im Schweizer Dress debütiert.

Er wurde am Freitag im ersten Spiel gegen die Ukraine zwölf Minuten vor Ende eingewechselt und verbuchte zwei Paraden. Am Samstag dann gehörten ihm die letzten beiden Aktionen. Grazioli kam 30 Sekunden vor Schluss für einen Penalty der Tunesier ins Tor, parierte diesen sogleich und begeisterte damit das Publikum. Da die Tunesier in Ballbesitz blieben, konnte die Schweiz den jungen Torhüter nicht mehr auswechseln. Dadurch bot sich ihm die Chance auf eine zweite Parade – und auch diese nutzte er.

Hier pariert Leo Grazioli gleich gegen zwei Tunesier:

Leo Grazioli

Leo Grazioli

Leo Grazioli pariert gegen Tunesien in den Schlusssekunden gleich zweimal.

Nach dem Schlusspfiff stürzten sich die Teamkollegen auf Grazioli und begruben ihn unter sich. Ob er an die EM reisen darf, steht noch in den Sternen. Nach dem Yellow Cup stand Grazioli Red und Antwort.

Leo Grazioli, wie haben Sie das Gewicht all Ihrer Teamkollegen ausgehalten, die sich auf Sie geworfen haben nach dem Tunesien-Spiel?

Das war sehr speziell, aber ich habe es gut ausgehalten. Es war so viel Energie in dieser Halle, auch zum Schluss des Spiels noch und mit all dem Adrenalin, das ich in mir hatte, hätte ich in diesem Moment wohl noch mehr Gewicht ausgehalten.

Das war ein insgesamt furioses Debüt von Ihnen, wie haben Sie das Turnier erlebt?

Ich bin natürlich sehr stolz darauf, dass es so herausgekommen ist und dass ich überhaupt eingesetzt wurde. Dass es mir dann nicht so schlecht gelaufen ist, ist natürlich umso schöner.

Sie haben bei der Nati auch noch einige Trainings absolviert. Was haben Sie von Ihren erfahrenen Torhüter-Kollegen gelernt?

Das ist die Ruhe und die Präsenz, die sie auf dem Feld ausstrahlen, die ich gerne mitnehme. Natürlich haben sie auch eine grosse Routine, aber die kommt mit der Zeit. Ich habe ja noch einige Jahre vor mir. (lacht)

Im letzten Spiel haben Sie nicht gespielt. Wie sind Sie damit umgegangen?

Natürlich wäre ich gerne noch einmal eingelaufen. Man will immer spielen. Aber das war auch nicht schlimm, verkraftbar also.

Die Schweiz hat das Turnier dank drei Siegen gewonnen. Wie schätzen Sie die Leistungen des Teams ein?

Es waren sicherlich drei gute Leistungen. Tunesien ist immerhin Afrika-Meister und die Niederlande und die Ukraine fahren auch an die EM. Ein paar Feinabstimmungen können natürlich immer vorgenommen werden. Aber ich glaube, es kommt gut.

Wie geht es nun für Sie weiter?

Das wird noch auskommen. Ich nehme an, dass ich irgendwann noch einen Anruf erhalten werde. Bisher ist mir nur bekannt, dass wir am Mittwoch mit 17 Akteuren nach Schweden zu den Gruppenspielen reisen werden. Aber ob ich dabei sein darf, weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Sie waren in den letzten Tagen ein gefragter Mann. Wie viele Interviews haben Sie gegeben?

Uff, das weiss ich nicht einmal. Aber auf jeden Fall war es im Rahmen und sehr schön.

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