NLA-Handball

HSC-Trainer Misha Kaufmann kann die Anzeige nicht nachvollziehen und bedauert Milan Skvarils Abgang

HSC-Trainer Misha Kaufmann bedauert den Abgang seines zweifachen Saison-Topskorers Milan Skvaril.

Wacker Thuns Nicolas Raemy schweigt (noch) zu seinen Beweggründen für die Anzeige gegen Milan Skvaril. Derweil äussert sich sein Klubpräsident Georges Greiner in Berner Medien und zeigt vollstes Verständnis für das Vorgehen seines Spielers.

Beim HSC Suhr Aarau ist man selbstredend nicht glücklich über die Entwicklungen rund um die Anzeige von Thun-Spieler Nicolas Raemy gegen Milan Skvaril wegen versuchter schwerer Körperverletzung, eventualiter einfacher Körperverletzung und subeventualiter fahrlässiger Körperverletzung.

HSC-Trainer Misha Kaufmann bedauert den Abgang seines zweifachen Saison-Topskorers: «Sein Verlust schmerzt uns enorm. Milan war ein Leader. Wir haben in wichtigen Momenten sehr viel von ihm profitiert. Aber ich verstehe seinen Entscheid vollkommen.»

Klubführung und Trainer wussten schon länger über die Anzeige gegen ihren Spieler Bescheid. Deshalb kam der Entscheid Skvarils, den HSC per Mitte Oktober zu verlassen, nicht überraschend: «Seine Leistungen in dieser Saison waren fraglich. Es war klar ersichtlich, dass ihn die Anzeige belastet. Seine Entscheidung hat sich deshalb abgezeichnet. Wenn du jederzeit Angst haben musst, dass etwas, was du im Spiel machst, gegen dich verwendet wird ... Ich frage mich, wo das hinführen soll», sagt Kaufmann. Er lässt durchblicken, dass er die Anzeige nicht nachvollziehen kann.

Anzeige nur, «wenn rote Linie überschritten wird»

Der Basler Anwalt und Sportrechtsexperte Martin Kaiser sieht es ähnlich: «Ich bin der Meinung, dass Anzeigen im Sport nur dann Sinn machen, wenn es sich um Ausnahmefälle handelt, bei denen man klar sagen kann; ‹da wurde eine rote Linie überschritten›», sagt er.

Handball: Das Rencontre von Milan Skvaril, Topskorer des HSC Suhr Aarau, mit Wacker Thuns Nicolas Raemy in Spiel 4 der Playoff-Viertelfinalserie der Saison 2018/19.

Kaiser räumt der Anzeige nach Studium der Videobilder denn auch eher mässige Chancen auf Erfolg ein: «Meiner Einschätzung nach verläuft die betreffende Situation unglücklich», sagt er. Der Entscheid des Verbandssportgerichts, den Rekurs des HSC teilweise gutzuheissen, stützt diese Einschätzung.

Gerichte entscheiden nicht immer wie Sportjustiz

Allerdings weist Kaiser auf einen Entscheid des Bundesgerichts vom vergangenen März hin: Damals hatte das oberste Schweizer Gericht einen Entscheid der Vorinstanzen gegen einen Amateurfussballer bestätigt.

Dieser hatte seinem Gegner bei einem gefährlichen Tackling ohne Absicht den Knöchel gebrochen und war dafür vom Kantonsgericht Fribourg wegen einfacher fahrlässiger Körperverletzung zu einer bedingten Strafe von 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden – obwohl der Schiedsrichter ihn für das Foul «nur» verwarnt hatte.

Die Beweggründe Raemys sind (noch) nicht bekannt. Auf Anfrage wollte sich der aktuell mit einem Mittelfussbruch ausfallende Spieler von Wacker Thun am Wochenende noch nicht zur Sachlage äussern. Frühestens nach seiner Rückkehr aus Belgien, wo die Berner Oberländer in der 2. Runde des EHF-Cup am Samstag auf Achilles Bocholt (33:34) trafen, will Raemy Stellung nehmen.

Wacker-Präsident: Spieler hat alleine entschieden

Während Wackers Medienverantwortliche auf eine Anfrage der Aargauer Zeitung nicht reagierten, äusserte sich mit Georges Greiner der Präsident von Raemys Klub. Gegenüber dem «Thuner Tagblatt» sagte der auf Mallorca in den Ferien weilende ehemalige Bundes- und Oberrichter, dass er Kenntnis von der Anzeige habe, die sein Spieler eingereicht habe.

Greiner hält weiter fest, dass es sich um einen Entscheid des Spielers handle, für den er aber vollstes Verständnis habe: «Eine derart brutale Aktion wie jene von Milan Skvaril hatte ich in 50 Jahren Handball davor nie erlebt.»

Die Ansichten der beteiligten Seiten könnten nicht unterschiedlicher sein. Wer recht hat, entscheidet das Gericht.

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