Vor dem ersten Training der neuen Saison (siehe unten) versammelt Patrick Rahmen seine Spieler im Sitzungsraum im Stadion Brügglifeld. Bei seiner Begrüssungsansprache will der neue Cheftrainer auch die verletzten Spieler dabei haben – darunter Patrick Rossini. Der Captain humpelt und wirkt abgemagert, als er den AZ-Reporter nach der Sommerpause begrüsst.

Rückblick: Im Heimspiel gegen Servette (1:2) am 28. April reisst in Rossinis linkem Knie nach 30(!) Sekunden das Kreuzband. Nach der Operation drei Tage später meldet sich der Tessiner gut gelaunt und optimistisch aus dem Spital: «Alles okay, es geht mir den Umständen entsprechend gut. Ich will so schnell wie möglich mit der Therapie und dem Training beginnen.» Rossini ahnt da noch nichts von dem Horror, der ihn in den folgenden Wochen erwartet.

Ein zweites und ein drittes Mal unters Messer

Rossini erzählt gleich selber: «In den Ferien im Tessin ist mein Knie plötzlich stark angeschwollen. Ich hatte sehr starke Schmerzen.» Sofort fährt er ins Spital, wo sich herausstellt: Bei der Operation sind Keime ins Kniegelenk gelangt, die eine bakterielle Infektion ausgelöst haben. Alles andere als eine Kleinigkeit: Wird die Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, droht die Zerstörung des Kniegelenks. Für einen Fussballer gleichbedeutend mit dem Karriereaus.

Patrick Rossini: Direkt nach der Operation. Dass er sich später ein zweites und ein drittes Mal unters Messer legen muss, dachte er damals wohl kaum...

Patrick Rossini: Direkt nach der Operation. Dass er sich später ein zweites und ein drittes Mal unters Messer legen muss, dachte er damals wohl kaum...

Rossini muss ein zweites Mal unters Messer, sein Kniegelenk wird «geputzt». Zum Glück ist das neu eingezogene Kreuzband nicht von den Bakterien befallen. Die Freude darüber währt nur kurz, denn einige Tage nach der Kniereinigung beginnt die Tortur aufs Neue. Bei einer Nachkontrolle tauchen die Keime erneut auf – Operation zum dritten. Dann kommen das Fieber und die Schlappheit wegen der Antibiotika. Rossini pendelt zwischen Sofa und Bett, zu mehr hat er keine Lust und keine Kraft. Er hat keinen Appetit und verliert acht Kilogramm Körpergewicht. «So müde und lustlos habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt.»

Mittlerweile haben die Medikamente angeschlagen, Rossini ist auf dem Weg zur Besserung. Für den Trainingsauftakt ist er extra aus dem Tessin nach Aarau gefahren, um den neuen Trainerstab und die Teamkollegen zu begrüssen. «In zehn Tagen etwa beginne ich mit dem Wiederaufbau-Training in Aarau», sagt Rossini, der trotz Horror-Ferien positiv in die Zukunft blickt: «Ich lasse mir nun bis Ende Jahr Zeit, um gesund und fit zu werden. Im Januar will ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.»

Zum zweiten mal erfolgreichster Skorer des FC Aarau

In der vergangenen Saison war Rossini mit 12 Toren und 8 Vorlagen zum zweiten Mal in Folge der beste Skorer des FC Aarau. Die Vertragsverlängerung mit seiner offensiven Lebensversicherung stand weit oben auf der Prioritätenliste von Sportchef Sandro Burki. Kurz vor dem Kreuzbandriss unterschrieb Rossini nach langen Verhandlungen einen Vertrag bis 2020 und wurde zu einem der Topverdiener. Riesiges Pech für beide Seiten, dass er nun so lange ausfällt.

Nach 30 Sekunden war für Patrick Rossini das Spiel zu Ende und der FCA-Captain nahm mit Kreuzbandriss im linken Knie am Seitenrand Platz. Freshfocus

Nach 30 Sekunden war für Patrick Rossini das Spiel zu Ende und der FCA-Captain nahm mit Kreuzbandriss im linken Knie am Seitenrand Platz. Freshfocus

Obwohl er einen Grossteil davon verpassen wird, will Rossini seinen Teil zu einer erfolgreichen Saison beitragen. Mut macht ihm die Vergangenheit: «Nach meinem ersten Kreuzbandriss hatte ich die beste Saison meiner Karriere. Ich hoffe, dass sich das wiederholt.» Das hofft nicht nur er, das hoffen mit ihm der FC Aarau und alle Fans, die Frohnatur Rossini ins Herz geschlossen haben.