Der Flug war geplant, die Destination hingegen so nicht: Silvan Dillier hätte am Montag lieber ein anderes Flugzeug bestiegen. Als der Giro-Tross nach den ersten drei Etappen in den Niederlanden zur Fortsetzung der Rundfahrt nach Kalabrien reiste, checkte der Aargauer Radprofi zum Heimflug in die Schweiz ein. Mit einem gebrochenen Zeigefinger an der rechten Hand. Ein Sturz in der Schlussphase des dritten Teilstücks hatte Dilliers zweite Giro-Teilnahme abrupt beendet. Als andere Fahrer vor ihm zu Fall kamen, flog auch er über seinen Lenker – und landete schmerzhaft auf der Hand.

Der körperliche Schmerz war für Dillier dabei gar nicht das Schlimmste. «Am Anfang tat es fast mehr weh, dass der Giro damit für mich bereits zu Ende war», sagt der 25-Jährige. Die dreiwöchige Rundfahrt war für ihn nicht nur als wichtige Station im Aufbau auf die Olympischen Spiele im August in Rio vorgesehen, sondern auch als gute Möglichkeit, sich positiv in Szene zu setzen. «Ich bin mit dem Ziel angetreten, eine Etappe zu gewinnen», sagt er.

Eine verpasste Chance

Dass für ihn beim Giro einiges dringelegen wäre, hatte Dillier mit seinem feinen 10. Platz im Prolog-Zeitfahren in Apeldoorn angedeutet. «In den Ardennen-Klassikern bin ich mit jedem Rennen besser in Form gekommen», sagt der Schweizer Meister im Zeitfahren, der bei der Flèche Wallonne mit einem beeindruckenden, wenn auch letztlich erfolglosen Fluchtversuch auf sich aufmerksam gemacht hatte. Dass seine Mannschaft BMC bei der Italien-Rundfahrt ohne Anwärter auf das Gesamtklassement unterwegs ist, wäre ihm zusätzlich entgegengekommen – weil er damit mehr Freiheiten gehabt hätte, auf eigene Rechnung zu fahren. «Umso ärgerlicher, dass ich diese Chance nun verpasst habe.» Lange Trübsal blasen will Dillier deswegen trotzdem nicht. «Es bringt nichts, jetzt dem Giro nachzutrauern.» Lieber konzentriert er sich auf die Ausheilung seiner Verletzung und das Comeback. Noch am Montag unterzog er sich einer Operation am gebrochenen Finger, gestern startete die Ergotherapie. Nächste Woche plant er das Training auf dem Hometrainer und danach bald auf der Strasse aufzunehmen, um am 9. Juni wieder in Form zu sein. Dann steht mit dem GP Gippingen sein Heimrennen auf dem Programm, zwei Tage später beginnt in Baar die Tour de Suisse. Für beide Rennen hat er sich viel vorgenommen. «Ich habe in der Vergangenheit gezeigt, dass ich auch aus dem Training heraus starke Rennen fahren kann», sagt er. «Ich bin deshalb zuversichtlich, dass mir die Vorbereitung auch ohne Giro gelingt.»

In Rio auf der Bahn

Im Hinblick auf die Olympischen Spiele, wo er mit dem Schweizer Bahnvierer in den Kampf um die Medaillen eingreifen möchte, wird Dillier nun aber nicht gleich das ganze Trainingsprogramm über den Haufen werden. Um trotzdem auf genügend Rennpraxis zu kommen, dürfte er Ende Juni nun doch die Schweizer Meisterschaften bestreiten, deren Verzicht er eigentlich zugunsten der Erholung in Erwägung gezogen hatte. Danach beginnt mit einem dreiwöchigen Höhentrainingslager im Engadin und einem zweiwöchigen Bahnkurs in Grenchen die unmittelbare Olympiavorbereitung mit dem Team.