Handball NLA
Hochdramatik mit Schönheitsfehler: Der HSC Suhr Aarau kommt gegen Pfadi Winterthur zu einem 23:23

Nach der Heimniederlage gegen den direkten Tabellennachbarn BSV Bern Muri war der HSC Suhr Aarau zuhause erneut gefordert. Die Aarauer empfingen den Tabellenzweiten aus Winterthur. Der HSC führte zur Pause 15:9, konnte aber in der zweiten Halbzeit nicht überzeugen und kam somit nicht über ein 23:23-Unentschieden hinaus.

Jörg Greb
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HSC Suhr Aarau - Pfadi Winterthur, 05.04.2017
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Sie führten zu Pause mit 15:9.
Doch in der zweiten Halbzeit konnten sie nicht auf diese starke erste Hälfte anknüpfen.
Die Partie ging 23:23-Unentschieden aus.
Cheftrainer Mischa Kaufman kann nicht wirklich zufrieden sein.

HSC Suhr Aarau - Pfadi Winterthur, 05.04.2017

Franz Schefer

Konfuses, Undurchsichtiges, Schwerverdauliches spielte sich in einer bewegten, spannenden und unerwarteten zweitletzten Finalrundenpartie zwischen dem HSC Suhr Aarau und Pfadi Winterthur ab. 23:23 stand es, der Heimklub im Angriff und vielversprechend beim Abschluss. Doch der Siegtreffer verhinderten die Zürcher mit einem Foul.

Die Folge Siebenmeter. 14 Sekunden blieben noch zu spielen, und der profilierte Penaltyschütze Ilan Baumann stellte sich vor dem erfahrenen Torhüterhünen Arunas Vaskevicius bereit. Er schoss, schoss aber ungenau. Der Widersacher wehrte den Ball ab. Dieser kam erneut zu Baumann und jetzt traf er.

Das 24:23 hatte aber keine Gültigkeit. Unter einem gewaltigen Pfeiffkonzert annullierten die Schiedsrichter den Treffer. Baumann habe, so argumentierten sie (zu Recht) bei der Schussabgabe im Kreis gestanden. Weil er aber gleichzeitig beim Nachschuss von Vaskevisius irrregulär behinderte worden war, entschieden die Schiedsrichter auf Wiederholung und eine Zweiminutenstrafe gegen den Pfadi-Schlussmann. Nochmals trat Baumann in der aufgeladenen Stimmung an, nun gegen Matias Schulz. Erneut scheiterte er.

Emotionen pur

Die Emotionen dieser Schlussphase liessen sich nicht sogleich ablegen. Das Schiedsrichterpaar Boskoski/Stalder schien die Kontrolle zusehends zu verlieren. Für HSC-Coach Misha Kaufmann – und nicht nur für ihn – war dies bedauerlich. Er betonte nicht nur dieser letzten Minute wegen, dass „die Vorteile in der Schlussphase auf unserer Seite gelegen haben, dass wir die beiden Punkte hätten ergattern sollen.“

Sieg oder Unentschieden – nichts änderte das Schlussergebnis an der herausragenden Art des HSC-Auftritts. Von der Müdigkeit, welche sich in den letzten Partien verstärkt gezeigt hatte, war nunmehr wenig zu spüren. Spielwitz, Mut, Energie strahlte die Mannschaft aus. Und so setzte sie ich in der ersten Hälfte zum grossen Staunen der meisten begeisterten 885 Zuschauern anscheinend mühelos vom Zweitklassierten des Championats ab.

Zwischenstände von 6:2 (12. Minute), 9:4 (18.), 13:6 (24.) und 15:9 (Pause) zeigten dies. Alle gefielen, „jeder kämpfte für jeden“, wie es Youngster Raphael Rohr umschrieb, „und dann kam vieles schier automatisch.“

Schnelle Wende

Ganz so einfach wollten es die Winterthurern dem Aussenseiter allerdings nicht machen. Mit mehr Power, Geschlossen- und Entschlossenheit kehrten sie aus der Kabine zurück. Und sie schafften – nicht zuletzt dank Gegenstosstoren – innert Kürze (35. Minute 15:14 für Suhr) den Anschluss. Nach knapp drei Vierteln der Spielzeit stand es erstmals seit dem Anpfiff wieder unentschieden (18:18), und gut zwölf Minuten vor der Sirene lagen die Pfader erstmals in Führung (20:19).

Doch mit einem finalen Krafteinsatz widersetzte sich Suhr Aarau dem Verdikt und ging dank Treffern von Aufdenblatten (2) und Romann (1) gut zwei Minuten vor Schluss wieder mit zwei Toren Differenz in Führung. Zum Sieg reichte es dennoch nicht. Ein wertvolles Ergebnis war’s dennoch.

Telegramm

Suhr Aarau - Pfadi Winterthur 23:23 (15:9)

885 Zuschauer. - SR Boskoski/Stalder. - Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 3-mal 2 Minuten gegen Pfadi Winterthur.

Suhr Aarau: Radovanovic; Bräm, Prachar, Baumann, Romann (7), Aufdenblatten (5), Lukas Strebel, Rohr (5), Kurbalija (2), Kägi (4), Patrick Strebel, Vilstrup.

Pfadi Winterthur: Schulz/Vaskevicius (ab 31.); Ott, Maros (4), Cédrie Tynowski, Hess (3), Langerhuus (2/2), Lier (5/2), Vernier, Kuduz (3), Jud (1), Scheuner (4), Freivogel, Svajlen (1).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Pramuk. Pfadi Winterthur ohne Sidorowicz und Gavranovic (alle verletzt). Verschossene Penaltys: 3:2.

Hier können Sie die Highlights des Spiels sehen:

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