Frauenfussball NLB

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Die FC Aarau Frauen und die Suche nach der Konstanz

Obwohl die FC Aarau Frauen in der laufenden NLB-Saison mit schönem Fussball begeistern, werden sie ihren Erwartungen nicht gerecht. Die Tabellenspitze liegt ausser Reichweite, fehlende Konstanz macht den Spielerinnen zu schaffen.

Bei den FCA-Frauen könnte eigentlich Jubelstimmung herrschen. Nachdem die Mannschaft die letztjährige Saison auf dem fünften Platz beenden konnte, steht sie pünktlich zur Winterpause auf dem vierten Tabellenrang. Auch wenn die schlechtere Tordifferenz den zweiten Rang verhindert, lässt sich diese sehen.

Schon jetzt haben die Spielerinnen fast so viele Tore erzielt wie am Ende der vergangenen Saison. Trotzdem ist Trainer Guerino Luongo noch lange nicht wunschlos glücklich. «Vom Resultat und der Rangliste her bin ich nicht zufrieden. Wir wollten auf dem ersten Platz in die Winterpause, trainieren dafür viermal pro Woche. Dieses Ziel haben wir nun nicht erfüllt», sagt er.

Obwohl die Mannschaft in der letzten Saison am direkten Wiederaufstieg scheiterte, ist die Erwartungshaltung gleich geblieben. Um talentierte Spielerinnen halten zu können, will der FCA möglichst schnell wieder zurück in die NLA. Doch das Ziel, mit dem alles steht und fällt, ist ein ambitioniertes.

Zu stark ist zurzeit das Frauenteam Thun Berner-Oberland, das in der Liga alle hinter sich lässt. So findet Luongo erneut kritische Worte, wenn es um die grösste Schwäche seines Teams geht: «Was mir nicht gefällt, ist die Inkonstanz und Unkonzentriertheit, die wir haben. Wir sind im kognitiven Bereich, in der situativen Aufmerksamkeit zu langsam.»

Schwierige Transformation, alte Muster

Dass es nicht einfach sein dürfte, diese fehlende Spielintelligenz zu kompensieren, ist ihm bewusst. Ähnlich schwierig gestaltet sich die Transformation im taktischen Bereich. Nach wie vor fallen die Spielerinnen des seit letzter Saison unveränderten Kaders in alte Muster zurück.

Dass sie trotzdem immer wieder probieren, die Vorgaben von Luongo und dessen Assistenztrainer Vincenzo Azzarito zu erfüllen, ist ihr grösstes Plus: «Wenn wir das Spielerische betrachten, bin ich sehr zufrieden. Das Team hat einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Wir versuchen, den Fussball zu zelebrieren, nicht nur lange Bälle zu spielen, im technischen Bereich weiterzukommen.»

Ihren schönsten Fussball haben seine Spielerinnen laut ihm Anfang November zu Hause gegen Yverdon gezeigt. Anlässlich der Stadiondemonstration spielte das Team dabei vor 1200 Zuschauer. Nebst den drei Toren überzeugte die Mannschaft zur Freude von Luongo damals vor allem im mentalen Bereich. «Nicht kämpfen und nur Fussball spielen zu wollen, reicht nicht. Bevor man Fussball spielt, muss man kämpfen, den Ball erobern», beschreibt er seinen Ansatz.

Wie eine Achterbahnfahrt

Der Trainer, der zum ersten Mal ein Frauenteam betreut, zeigt sich seit seiner Übernahme vor allem von der Mentalität seiner Truppe beeindruckt. Dennoch kommt diese nicht immer zum Vorschein. Die traurigste Darbietung vollführten die FCA-Frauen zwei Wochen nach dem Saisonhighlight beim 0:6 gegen die Zürcher U21.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Eine Saison, wie eine Achterbahnfahrt. Das Auf und Ab stellt Trainer Luongo auf die Probe. Dass ihm das junge Alter des Teams die Arbeit erschwert, verneint er aber: «Es ist schon so, dass ein jüngeres Team von der Cleverness und der Erfahrung her nicht das leisten kann, was eine gestandene Mannschaft erreicht. Aber das soll keine Ausrede sein.»

Dass sein Team praktisch nur aus Aargauerinnen besteht und beim FCA stark auf den Nachwuchs gesetzt wird, möchte er letztlich nicht missen. «Wir sind dankbar für das, was der Verein für uns macht. Und wir sind stolz auf unsere Spielerinnen, haben mit ihnen das Bestmögliche herausgeholt. Wir werden in der Rückrunde voll angreifen, die Defizite aufarbeiten», sagt er.

Doch ob die Mission Aufstieg gelingt, steht in den Sternen. Nebst Konstanz, Mentalität und Spielintelligenz spielt in einem Aufstiegsrennen auch etwas ganz anderes eine Rolle: «Im Fussball braucht es auch immer ein bisschen Glück.»

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