Denn Vorbehalte gegenüber dem neuen Freund mit dem grossen Portemonnaie sind da. Auch sechs Tage nachdem das Engagement des Saudi-Arabers publik wurde. Für die heutige Generalversammlung, wo al-Yousef auch zum Vize-Präsident gewählt wird, reist er extra aus Dubai an.

Auf der Niedermatten-Tribüne haben ihn schon viele gesichtet, einen Wortwechsel genoss bisher aber nur eine Minderheit. Über den Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen ist wenig bekannt, al-Yousefs Auftritt im Web ist minimalistisch, seine Vita verschleiert. Eine Ausgangslage, die das bodenständige Freiamt aufhorchen lässt, aber nicht unbedingt als schlechtes Zeichen gewertet werden muss.

Rawr: Ausländische Investoren

«Er braucht die Öffentlichkeit einfach nicht», erklärt Wohlens Klubpräsident Lucien Tschachtli lapidar. Intern habe man die Person al-Yousef aber vertieft geprüft. «Wichtig ist seine persönliche Einstellung und diese stimmt», so Tschachtli. Wohlens Klubpräsident hat al-Yousef über einen Bekannten aus der Fussballszene kennen gelernt. Und: Der erste Eindruck dieses Mannes, der in der Geschäftsleitung der milliardenschweren Investmentgesellschaft Levant Capital in Dubai sitzt, stimmte eben. «Wir waren uns von Anfang an sympathisch», erinnert sich Tschachtli.

Beim Aargauer Derby gegen den FC Aarau: Monquez al-Yousef (M.), der neue Investor des FC Wohlen, auf der Tribüne zwischen Klubpräsident Lucien Tschachtli (l.) und seinem Anwalt.

Beim Aargauer Derby gegen den FC Aarau: Monquez al-Yousef (M.), der neue Investor des FC Wohlen, auf der Tribüne zwischen Klubpräsident Lucien Tschachtli (l.) und seinem Anwalt.

Al-Yousef konnte sich schnell für den FC Wohlen und sein Umfeld begeistern. Ein romantischer Gedanke, der die Skepsis aber nicht zu kaschieren vermag. Tschachtli kann die Vorbehalte verstehen: «Wir müssen Tatbeweise erbringen, dessen sind wir uns bewusst, aber das braucht Zeit.»

Vor al-Yousefs Einstieg wurden zu Beginn des Jahres bereits 200 000 Franken zusammengekratzt, da Ende 2015 klar wurde, dass eine Kapitalerhöhung von Nöten ist, wenn Wohlen auch im Sommer 2016 in der Challenge League vertreten sein will. Hans Hübscher, ein langjähriger Vereinsverbündeter leitete die Sammelaktion. Wegen al-Yousefs Engagement erhalten diejenigen, die in der Winterpause neue Aktien gezeichnet haben, nun ihr Geld zurück. Die verbreitete Schlussfolgerung, dass diese Sammelaktion im Winter für nichts war, ist aber falsch.

Tschachtli sagt: «Ohne diese 200 000 Franken wäre der Profi-Fussballbetrieb in Wohlen heute Abend geschlossen worden.» Diese Kapitalerhöhung war ursprünglich vorgesehen, um die Spielberechtigung für die Challenge League ein weiteres Jahr sicherzustellen und sich so für die Suche nach einem Geldgeber ein letztes Mal Zeit einzuräumen. Dieser ist mit Monquez al-Yousef jetzt schon da. Deshalb die Rückerstattung.

«Er übernimmt den FC Wohlen nicht, er ist eine weitere starke Unterstützung, die dazukommt.»

Lucien Tschachtli:

«Er übernimmt den FC Wohlen nicht, er ist eine weitere starke Unterstützung, die dazukommt.»

Tschachtli bemüht sich, al-Yousefs Engagement richtig zu deklarieren: «Er übernimmt den FC Wohlen nicht, er ist eine weitere starke Unterstützung, die dazukommt.» Ein Retter mit Aktienmehrheit. Und ohne Ambitionen. Noch sind die Bedenken im Freiamt grösser als die Dankbarkeit, weil es in den letzten Jahren einige Beispiele im hiesigen Fussball-Zirkus gab, in denen ausländische Investoren am Ursprung von Kollapsen standen.

Eine Schweizer Mehrheit

«Wären aus den Worten von al-Yousef ambitionierte Ziele abzuleiten gewesen, wären die Ampeln sofort auf Rot», versichert Tschachtli. Man würde nun nicht anfangen zu fantasieren, sondern der FC Wohlen bleiben, der mit seinen Werten nun schon seit über 112 Jahren in der Freiämter Gesellschaft verankert ist.

Aufbruch in eine neue Zukunft: Der saudische Untenehmer Monquez Alyousef übernimmt beim FC Wohlen das Zepter.

Aufbruch in eine neue Zukunft: Der saudische Untenehmer Monquez Alyousef übernimmt beim FC Wohlen das Zepter.

Mit Lucien Tschachtli hat ein Pragmatiker die operative Leitung inne. Dass neben al-Yousef und seiner Frau Denise mit Hanspeter Weisshaupt und Philipp Zumstein heute zusätzlich zwei Schweizer in den Verwaltungsrat der FC Wohlen AG gewählt werden, ist der Atmosphäre förderlich. Eine Schweizer Mehrheit im Verwaltungsrat beruhigt.

Letztlich ist es aber die Generalversammlung, die entscheidet – und den Verwaltungsrat bestimmt. Diese setzt sich bekanntlich aus den Aktionären zusammen. Al-Yousef ist nun einer von ihnen. Aber mit Aktienmehrheit. Sprich: schlummernder Macht.