Ein Blick ins Gesicht von Varol Tasar spricht Bände. Seine Laune ist gut. Seine Augen leuchten. Sein Lachen ist ansteckend. Er ist mit sich und der Welt zufrieden. Kann, darf er auch sein. Tasar hat im Verlauf dieser Saison schon 13 Tore für den FC Aarau erzielt.

Das ist der Bestwert! Beim sensationellen 4:0-Sieg im Hinspiel der Barrage in Neuenburg gegen Xamax traf der 22-jährige Flügelstürmer gleich zweimal und machte wie so oft im Verlauf dieser Saison Werbung in eigener Sache.

Tasar ist der kleine Star des FC Aarau. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass im vergangenen Jahr einige Angebote von Schweizer Spitzenklubs auf seinen Tisch flatterten. Interessiert war Lugano. Interessiert war St. Gallen. Interessiert war vor allem Servette. Und weil die Genfer bereit waren, für Tasar tief ins Portemonnaie zu greifen, ging der Transfer Mitte Februar über die Bühne. Servette bot dem antrittsschnellen Techniker einen lukrativen Zweijahresvertrag und zahlte den Aarauern eine Ablösesumme von mehr als einer halben Million Franken. Der Deal hatte allerdings nur dann Gültigkeit, wenn Servette den Aufstieg in die Super League schafft!

Aarau ist nicht abgeneigt

Jetzt ist Servette in der Super League. Alles klar mit Tasar? Nein! Weil auch der FC Aarau vor dem Aufstieg in die höchste Spielklasse steht und sich Tasar im Brügglifeld von Tag zu Tag wohler fühlt, fällt die Trennung je länger, je schwerer. Wer mit Trainern, Spielern und Funktonären spricht, der spürt eines in aller Deutlichkeit: Der FC Aarau ist nicht abgeneigt, Tasar zu halten.

Mehr noch. Der FC Aarau würde Tasar am liebsten halten. Tasar selbst macht auch kein Geheimnis daraus, dass er gerne bleiben würde. «Momentan gehe ich immer noch davon aus, dass ich in der nächsten Saison für Servette spielen werde», sagt er. «Aber die vielen Erfolge mit dem FC Aarau in den vergangenen Wochen und Monaten haben Spuren hinterlassen. Im Fussball geht es manchmal schnell. Mal schauen, was in den nächsten Tagen passieren wird.»

Tasar schrieb in den vergangenen zwei Jahren ein Fussball-Märchen. Am 1. Juli 2017 wechselte er vom Amateurverein FC Klingnau zum FC Aarau. Nach anfänglichen Schwierigkeiten startete er durch und spielte sich ins Rampenlicht. Servette wäre für ihn ein kleiner Schritt auf dem Weg nach oben. Beim FC Aarau hat der junge Mann aber exakt die Nestwärme, die er für Topleistungen braucht.

Was bringt die Zukunft? Wird das Barrage-Rückspiel zwischen Aarau und Xamax zur Abschiedsvorstellung von Tasar? Schwierig zu sagen: Sandro Burki spürt, dass Tasar gerne im Brügglifeld bleiben würde. Der Sportchef des FC Aarau wird Anfang der nächsten Woche Kontakt mit der Führungscrew von Servette aufnehmen und sich erkundigen, ob die Genfer die nächste Saison nach wie vor mit Tasar planen oder nicht.

Frontino sagt «Tschüss»

Ob Tasar am Sonntag sein vorläufig letztes Spiel für den FC Aarau bestreiten wird, ist offen. Ein anderer Spieler wird sich zu hundert Prozent verabschieden. Gianluca Frontino hat seinen letzten Auftritt im Brügglifeld. Der Schaffhauser beendet seine aktive Karriere aller Voraussicht nach mit einem Highlight. «Der Aufstieg in die Super League wäre für mich ein wunderbarer Abschluss und eine grosse Genugtuung», sagt Frontino.

«Ich möchte an dieser Stelle eines in aller Klarheit festhalten. Wir haben zuletzt all jenen die Antwort gegeben, die uns nach sechs Niederlagen in Folge abgeschrieben, kritisiert und schlechtgemacht haben. Wir haben nach der Krise zum Auftakt die richtigen Schlüsse gezogen und den Karren aus dem Dreck gezogen.»

Klare Worte von Frontino! Und weil der Turnaround nach einer schlechten Startphase gelungen ist, wird der Sonntag für den 29-jährigen Techniker ein besonderer Tag. Das entscheidende Aufstiegsspiel gegen Xamax ist aller Voraussicht nach die Krönung einer verrückten Saison. Sollten die Aarauer den 4:0-Vorsprung gegen die Neuenburger verteidigen und den Sprung in die Super League schaffen, wird Frontino die Nacht auf den Montag wohl durchfeiern.

An Schlafen ist fürs Erste nicht zu denken. Aber schlafen kann er noch genug. Am Montag geht es für Frontino per Flugzeug von Kloten in die USA. Auf dem Programm steht unter anderem ein Besuch in Las Vegas. In der Stadt des Glücksspiels hätte er die Möglichkeit, seine Aufstiegsprämie zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen. Na dann, Gianluca Frontino: Viel Glück im Spiel und im Leben ohne Profifussball!