Aargauer Profifussball
Heisses Gerücht um FCA-Trainer Marinko Jurendic und die Zukunftspläne einer Wohlen-Ikone

Der Aargauer Profifussball nahm an der Award Night der Swiss Football League nur eine Statistenrolle ein: Aufgefallen ist mit Blick auf den FC Aarau und den FC Wohlen trotzdem einiges

Sebastian Wendel
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Wohlens Ranko Jakovljevic und Aaraus Marinko Jurendic an der Award Night der Swiss Football League

Wohlens Ranko Jakovljevic und Aaraus Marinko Jurendic an der Award Night der Swiss Football League

Freshfocus

Es war wieder so weit: Die Swiss Football League bat zur Award Night – dem Stelldichein der Schweizer Fussballprominenz inklusive Ehrungen der besten Trainer und Spieler aus den zwei Profiligen. Zu diesen gehören bekanntlich auch der FC Aarau und der FC Wohlen, auch wenn der Aargau in diesem Zirkel derzeit nur eine Statistenrolle einnimmt. Auf der Liste der 23 Nominierten für das «Challenge Team des Jahres 2017» war weder ein Spieler von Aarau noch von Wohlen.

Die «Aargauer Zeitung» sorgte dafür, dass an diesem Abend die beiden Delegationen aus dem viertgrössten Kanton der Schweiz, der einstigen Fussball-Hochburg, doch noch im Rampenlicht standen. Als sich der Saal im Luzerner KKL nach der Live-Show leerte, baten wir den FC Aarau und den FC Wohlen auf die Bühne, auf der zuvor die Preise vergeben wurden. Zum Gruppenbild vor der letzten gemeinsamen Rückrunde im Profifussball.

Nach dem Fototermin unterhielten sich die beiden Trainer Marinko Jurendic (FC Aarau) und Ranko Jakovljevic (FC Wohlen) minutenlang angeregt auf der Bühne. Was die beiden wohl zu besprechen hatten? Dies und weiterer Klatsch und Tratsch zu den beiden Aargauer Profiklubs, aufgeschnappt beim abschliessenden Gala-Dinner.

  • Das heisseste Gerücht des Abends betrifft FCA-Coach Jurendic: Er sei der Wunschkandidat von Verbands-Sportdirektor Laurent Prince für das vakante Amt des U21-Nationalmannschaftstrainers. Das Gerücht macht zumindest Sinn: Prince und Jurendic sind beide Innerschweizer, die sich seit Jahren kennen und schätzen und bis vergangenen Sommer gemeinsam beim Schweizerischen Fussballverband waren. Jurendic wagte damals den Sprung ins Haifischbecken «professioneller Klubfussball». Fakt ist: Die Jobsicherheit beim Verband ist höher. Jurendic aber hat zuletzt trotz der Beinahe-Entlassung im Dezember nie Anzeichen gemacht, als würde er zurück in den sicheren Hafen wollen. Aber bekanntlich ändern sich die Dinge nirgendwo schneller als im Fussball...
Aarau-Trainer Marinko Jurendic

Aarau-Trainer Marinko Jurendic

Sandra Ardizzone
  • Eine klare Ansage zu seiner Zukunft macht Ranko Jakovljevic: «In welcher Liga auch immer der FC Wohlen in der nächsten Saison spielen wird, ich werde den Verein definitiv Ende Saison verlassen.» Jakovljevic dürfte wieder Unterschlupf finden im Nachwuchs-Fussball – etwa beim Team Aargau?
  • Bleiben wir beim FC Wohlen: Nach dem Verzicht auf die Vertragsverlängerung mit Topskorer Kristian Kuzmanovic steht der Abgang einer weiteren Teamstütze bevor: Aleksandar Cvetkovic dürfte zu GC wechseln. Der Serbe bestritt das Trainingslager mit den Zürchern und gilt als grosses Versprechen für die Zukunft. Auch in Aarau soll er als möglicher neuer Abwehrchef auf dem Zettel gestanden haben.
  • Keiner kennt die beiden Aargauer Profiklubs so gut wie Alain Schultz: Der 34-Jährige prägte als Spielmacher den FC Aarau und tut nun das Gleiche im Freiamt. Gut möglich, dass er in naher Zukunft auch noch bei der Aargauer Nummer 3 anheuert: Sollte Wohlen nach dem Rückzug aus der Challenge League den Neustart tatsächlich im Regionalfussball machen, wird Schultz «seinen» FCW verlassen – und wahrscheinlich als Teamleader zum FC Baden wechseln. Dieser soll künftig die Rolle des Auffangbeckens für Spieler des Team Aargau, die den Sprung zu den FCA-Profis nicht schaffen, übernehmen.
Alain Schultz

Alain Schultz

Andy Mueller/freshfocus
  • Viel zu erzählen hatte wieder einmal Andy Egli. Der frühere Aarau-Trainer hielt die Laudatio auf Publikumsliebling Michael Lang vom FCB. Auf der Bühne schwelgte Egli in Erinnerungen an eigene Heldentaten bei GC und Borussia Dortmund. Mitunter Eglis Märchenstunde war es zu verdanken, dass viele Gäste nach der zweistündigen Show leicht angesäuert und unterzuckert das Essensbuffet enterten.
  • Alljährlich wird auch das «Team der Super League 2017» gewählt: Wenig überraschend stellten der FC Basel und YB zehn von elf Spielern. Der einzige, der nicht bei den Liga-Dominatoren unter Vertrag steht und es in die Jahresauswahl schaffte, ist Simone Rapp. Klingelts? Es ist jener Rapp, der von 2013 bis 2015 beim FC Wohlen einen zweiten Anlauf als Profi nahm und stellvertretend für die vielen ähnlichen Karrieren steht, die im Freiamt die Kurve kriegten. 2015 bezahlte der FC Thun 80 000 Franken Ablöse für Rapp und bewies einen guten Riecher: Denn vor wenigen Wochen kassierten die Berner Oberländer sage und schreibe 1,2 Millionen Franken von Lausanne für den gross gewachsenen Stürmer, der mit 9 Treffern die Torschützenliste der Super League anführt. Von Moderatorin Melanie Winiger nach den Gründen für seinen Höhenflug gefragt, entgegnete Rapp trocken: «Keine Ahnung.»
Simone Rapp im FC-Thun-Trikot

Simone Rapp im FC-Thun-Trikot

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
  • Die anfängliche Behauptung, der Aargauer Fussball habe im KKL keine Rolle gespielt, muss relativiert werden: Der frühere FCB-Vizepräsident und heutige «Chief Sports Officer» der Swiss Football League, Adrian Knup, sorgte dafür, dass der Aargau in der Live-Show doch noch Erwähnung fand: Sein erstes Profispiel mit dem FC Basel bestritt der Stürmer in der Saison 1985/86 gegen den FC Baden. «Das werde ich nie vergessen», so der nostalgische Knup. Das gilt wohl auch für die Badener: Sie stiegen am Ende der einzigen Saison in der höchsten Spielklasse mit rekordverdächtigen acht Pünktchen ab.