FC Aarau
Hausbesuch beim FCA-Trainer: Raimondo Ponte lebt den Fussball

Der bald 60-jährige Raimondo Ponte lädt in seine Villa ein und blickt auf seine lange Karriere als Spieler und Trainer zurück. Den FC Aarau will er vom drohenden Abstieg retten.

Ruedi Kuhn
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Zu Gast bei Raimondo Ponte
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Raimondo Ponte zeigt in seiner Wohnung Bilder aus vergangenen Tagen.
Raimondo Ponte erinnert sich gerne an seine Aktivzeit als Spieler zurück Im Bild: Raimondo Ponte jubelnd im GC-Dress
Trainer Raimondo Ponte mit Sportkoordinator Urs Bachmann
Raimondo Ponte am Spielfeldrand
Auf dem Weg ins Training
Raimondo Ponte fordert im Training die Spieler
Ein Spässchen im Training

Zu Gast bei Raimondo Ponte

Alex Spichale

Raimondo Ponte öffnet die Türe zu seiner 7-Zimmer-Villa in einem Nobelquartier oberhalb von Oberrohrdorf. Es ist Zeit für einen Espresso.

Er geht in die Stube, legt im Cheminée etwas Holz nach und zündet es an. Die Flammen des Feuers durchbrechen die Dunkelheit, haben dennoch eine beruhigende Wirkung.

Ponte atmet tief durch, schaltet seinen riesigen Fernseher ein, setzt sich in die weisse Couch, lagert die Beine hoch und schaut sich die News aus der grossen Welt des Sports an.

Endlich zu Hause! Endlich abschalten! Aber der Fussball lässt ihn nicht los. «Komm mit, ich zeig dir was», sagt er. Wir gehen in den Keller.

Erst zieht mich ein Flipperkasten in den Bann, dann dreht sich wieder alles um die Sportart Nummer eins. Da ist er also: Pontes kleiner Fussballtempel!

In einem Raum hat es Fotos aus der Aktivkarriere, in einem andern sind Bilder aus der Zeit als Trainer zu sehen.

In einer Abstellkammer lagern Dutzende von Trikots und Wimpeln. In einem Regal sind Hunderte von Kassetten mit Spielszenen. Alles ist fein säuberlich beschriftet und abgelegt.

Ponte war eine Nummer 10

Schliesslich kramt Ponte aus einer Ecke einen Bilderbogen mit Aufnahmen aus der Zeit beim FC Aarau hervor. Ponte spielte von 1970 bis 1974 im Brügglifeld und bildete mit Roger Hegi und Rolf Osterwalder ein Dreier-Mittelfeld von hoher Qualität.

Ponte war schon in jungen Jahren der Chef auf dem Platz. Damals hatte die klassische Nummer 10 eine Vormachtstellung.

Ponte zelebrierte den Fussball und war der Herr der ruhenden Bälle. Sein Vorbild? Der frühere Regisseur Gianni Rivera. Er spielte in der Nationalmannschaft Italiens während der Siebzigerjahre eine ähnliche Rolle wie Ponte.

Vom FC Aarau gings zu GC. Bei den Zürchern legte Ponte den Grundstein zum Durchbruch. Ein Highlight jagte das andere. Drei Meistertitel (1978, 83 und 84) und zwei Cupsiege (1983 und 88) stehen zu Buche.

Die grossen Erfolge ermöglichten ihm den Transfer in die englische Liga zu Nottingham Forest. «Die Zeit in England war fantastisch und ist unvergesslich», blickt er zurück.

«Da habe ich auch am meisten Geld verdient. Es war ein Fehler, dass ich nicht länger als ein Jahr geblieben bin.» Nach einem weiteren Auslandjahr in Bastia kehrte Ponte zu GC zurück.

Beim FC Baden die Trainerkarriere lanciert

Ponte erzählt und erzählt. Obwohl die Karriere als Spieler längst vorbei ist, erinnert er sich heute noch an viele Details. Die letzte Station war der FC Baden.

Bei diesem Klub startete er vor 27 Jahren auch seine Trainerlaufbahn. Diese war geprägt von einem Wechselbad der Gefühle.

Ponte trainierte der Reihe nach den FC Zürich, Luzern, den italienischen Provinzverein Carrarese, Wohlen, YF Juventus, Chiasso, Lugano und Bellinzona.

Ende letzter Saison rettete er den FC Sion dank eines fulminanten Schlussspurts vor dem Abstieg.

Das gleiche Ziel hat er ein Jahr später in Aarau. Nothelfer hin, Nothelfer her; seine Freude am neuen Job ist riesig. Im Gespräch unter vier Augen ist die Lust auf Fussball beinahe greifbar. Ponte ist vom Fussball besessen.

Wichtigkeit der Familie

Und was interessiert Ponte ausser der schönsten Nebensache der Welt? «Ich bin ein Familienmensch», sagt er. «Ohne meine Frau hätte ich all das nicht erreicht. Sie bedeutet mir sehr viel.»

Raimondo und Maria sind seit 33 Jahren verheiratet. Im Traumhaus in Oberrohrdorf mit Wintergarten und Swimming Pool wohnen sie seit 1987. Sie zwei haben drei Kinder: Angelo ist 31 Jahre alt, die Zwillinge Anna und Paulo sind 30.

Pontes grösster Schicksalsschlag war der Tod seines Vaters Angelo. Dieses Erlebnis hat ihn tief bewegt. Angelo starb als 61-Jähriger nach einer schweren Krankheit.

«Viel zu früh», sagt Ponte. «Das tat weh. Mein Vater hatte es in seinem Leben nie einfach. Er arbeitete als Arbeiter in der Schuhfabrik Künzli und verdiente monatlich gerade mal 1800 Franken.»

Da geht es Raimondo Ponte etwas besser. Zwar haben ihn die erfolgreichen Zeiten als Spieler und als Trainer finanziell nicht unabhängig gemacht, aber am Hungertuch nagen muss er natürlich nicht.

«Um in meinem Alter stressfrei über die Runden zu kommen, hätte ich etwas später auf die Welt kommen müssen», erklärt Ponte mit einem schelmischen Lächeln.

«Zu meiner Zeit waren die Spielerlöhne bei Weitem nicht so hoch wie heute. Ich kann mich also noch nicht zur Ruhe setzen und muss schon noch etwas arbeiten.»

Als Beweis für seine Aussagen folgendes Beispiel: Ponte kassierte bei GC als 19-jähriger Emporkömmling ein monatliches Fixum von 400 Franken. Für diesen Betrag würde ein Talent eines Super-League-Klubs heute nicht einmal Bälle pumpen.

Raimondo Ponte
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Zwei Männer mit Hemd und Pulli – stiltechnisch passt Ponte perfekt zu Aarau-Sportchef Urs Bachmann (l.).
Das Abend-Outfit: Nach dem Auftritt auf dem Rasen zeigt sich Ponte später am Montag mit einem neuen Muster-Pulli im TV-Studio.
Diesen trug er übrigens auch am 6. April 2014. Hier jubelte er als Sion-Trainer über das erste Tor gegen FC Lausanne-Sport.
Es muss aber nicht immer das Argyle-Muster sein: Sion-Coach Raimondo Ponte im gestreiften Pullover im März 2014 im Zürcher Letzigrund.
Raimondo Ponte im blauen Pullover in der Rolle des AC-Bellinzona-Trainers im Juli 2012.
Im gelben Pullover mit Sion-Präsident Christian Constantin im Februar 2014.
Unter dem Pullover stets ein Hemd: Hier mit FCZ-Trainer Urs Meier im Mai 2014.
Oder Ton in Ton als Tessiner-Trainer am Spiel Yverdon – Chiasso 2008.
Es gab aber auch glamouröse Auftritte im Anzug. Zum Beispiel an der Sion-Gala im März 2014.
Und die weniger glamourösen im Regen und mit Zipfelmütze: Am Spiel FC Thun – FC Sion im Januar 2014.
Cool: Raimondo Ponte 2001 als Luzern-Trainer.
Oder mit Schirm und Trainer-Charme 2006 als Juve-Trainer im Zürcher Utogrund.
Raimondo Ponte bereits 1991 mit Pulli und Hemd – zusätzlich mit obligatem Trainer-Schal. Links: FCZ-Präsident Sven Hotz.
Auch die Frisur hat sich offenbar bewährt, wie dieses Bild aus dem Jahr 1991 zeigt. Rechts: Der damals gerade frischgebackene FCZ-Trainer Kurt Jara.
Für solche Stilbrüche haften einzig und allein die 90er: Ponte 1997 als FCZ-Trainer in Wil.
Als Fussballer machte Raimondo Ponte vor allem für GC eine gute Figur: Hier kämpft er 1987 gegen zwei Basler.

Raimondo Ponte

Keystone