Challenge League

Hausaufgaben unter dem Weihnachtsbaum: Fünf Fragen, die der FC Aarau in der Winterpause beantworten muss

Das letzte Bild einer enttäuschenden Vorrunde des FC Aarau: Konsternierte Spieler des Heimteams, Jubel beim FC Chiasso.

Das letzte Bild einer enttäuschenden Vorrunde des FC Aarau: Konsternierte Spieler des Heimteams, Jubel beim FC Chiasso.

Nach dem enttäuschenden 3:3-Unentschieden gegen Chiasso verabschiedet sich der FC Aarau als Tabellensiebter in die Winterpause. Doch besinnlich wirds kaum: Vor dem Trainingsstart am 2. Januar gilt es, Antworten auf drängende Fragen zu finden.

Selber schuld: Wer wie der FC Aarau 196 Tage nach dem Barrage-Debakel gegen Xamax erneut einen sicher geglaubten Sieg aus den Händen gibt, dieses Mal gegen Tabellenschlusslicht Chiasso einen Zweitore-Vorsprung in den letzten 60 Spielsekunden, muss damit leben, bis zum Trainingsstart am 2. Januar laufend mit den Geschehnissen konfrontiert zu werden.

Der fassungslose FCA-Vizepräsident Roger Geissberger redete nach dem Schlusspfiff den Spielern ins Gewissen, es wurde laut in der Kabine, der Inhalt der Brandrede war zusammengefasst: Jeder einzelne solle während der Festtage für sich die Frage beantworten, ob er an diesem Sonntag und insgesamt in der Vorrunde alles getan habe für das Wohl von Team und Verein.

«Wir müssen uns alle hinterfragen, auch ich», sagte Trainer Patrick Rahmen, ehe er sich ans Weihnachtsessen mit der Klubführung begab, an dem statt versöhnliches Anstossen auf eine solide Vorrunde Krisensitzung angesagt war. Es stellen sich Fragen, die bis zum Rückrundenstart am letzten Januarwochenende 2020 (genaues Datum noch nicht bestimmt) gegen Aufsteiger und Tabellennachbar Stade Lausanne-Ouchy beantwortet sein müssen.

Unter welchem Motto steht die Rückrunde?

Als Reaktion auf die gewonnene Stadion-Abstimmung gab die Klubführung in Person von Vizepräsident Geissberger Ende November die Devise vor: «Wir schätzen uns als gut genug ein, um in der Spitzengruppe mitzumischen. Für Rang 2, der zur Teilnahme an der Barrage berechtigt, braucht es jedoch eine grosse Steigerung.»

Steigerung? Die blieb seither trotz Ungeschlagenheit aus. Der Rückstand auf den Barrage-Platz ist auf 11 Punkte angewachsen und somit drei Zähler grösser als bei Halbzeit in der vergangenen Saison. Und dass die Mannschaft in der Rückrunde wie damals explodieren wird, darauf deutet heuer beim besten Willen nichts hin.

Wird Marco Schneuwly auch in der nächsten Saison für den FC Aarau auflaufen?

Wird Marco Schneuwly auch in der nächsten Saison für den FC Aarau auflaufen?

Gegen aussen wird es der FCA tunlichst vermeiden, die Saison herzuschenken. Doch intern kommt man kaum mehr darum herum, die verbleibenden 18 Spiele unter folgendes Motto zu stellen: Vorbereitung auf die Saison 2020/21. Also den Profis mit weiterlaufenden Verträgen viel Spielpraxis zu geben und
im Hintergrund mögliche Neuzugänge für den Sommer rekrutieren, bevor diese von der Konkurrenz weggeschnappt werden.

Dazu müssen schnell Grundsatzfragen beantwortet werden: Um wie viel wird das Budget erhöht, um in der kommenden Spielzeit ein aufstiegsfähiges Kader zu bauen? Hält man an einem oder mehreren der Grossverdiener Markus Neumayr, Marco Schneuwly und Patrick Rossini, deren Verträge auslaufen, fest? Oder trennt man sich von allen und investiert die frei werdenden Mittel in frisches Blut? Kann man mit einem Goalietrio, dessen Durchschnittsalter unter 19 Jahren liegt, den Aufstieg zum Ziel ausrufen?

Welche Reizpunkte setzt Trainer Patrick Rahmen?

Im Jahr 2019 hat der FC Aarau 40 Meisterschaftsspiele bestritten, 33 davon begann er mit einem 4-2-3-1-System. Nachdem diese taktische Formation im Frühling ein wichtiger Faktor für den Höhenflug war, stellt sich nach dem schwachen Abschneiden in der ersten Hälfte der neuen Saison die Frage: Ist der FC Aarau mittlerweile zu berechenbar?

Die Gegner machten in der Vorrunde jedenfalls nicht den Eindruck, vom FC Aarau taktisch überrumpelt zu werden. Wie förderlich ist es für den Scharfsinn der Spieler, wenn sie am Montag schon wissen, dass sie am Wochenende erneut im 4-2-3-1-System auflaufen?

Trainer Patrick Rahmen ist gefordert. Er muss die Spieler aus der Komfortzone hieven.

Trainer Patrick Rahmen ist gefordert. Er muss die Spieler aus der Komfortzone hieven.

Klar ist, dass Trainer Patrick Rahmen angesichts des grossen Abstands auf den Barrage-Platz vor der Rückrunde andere Reizpunkte setzen und Dinge verändern muss – warum nicht in Form eines Systemwechsels, der die Spieler aus der Komfortzone hievt?

Bleiben Hammerich und Serey Dié beim FC Aarau?

Am Montag traf sich der Verwaltungsrat, um unter anderem final über die Akte Geoffroy Serey Dié zu entscheiden. Der Fakt, das der Barrage-Platz in (zu) weite Ferne gerückt ist, spricht gegen eine Weiterbeschäftigung. Trainer Rahmen und Sportchef Sandro Burki würden den 35-Jährigen jedoch gerne bis Sommer 2021 binden, als Aggressivleader und Vorbild für die jungen Spieler.

Doch will Serey Dié überhaupt bleiben? Die drei Monate seit seiner Verpflichtung sind sportlich nicht wunschgemäss verlaufen, der Bundesliga- und Champions-League-erprobte Mittelfeldspieler soll sich zudem an der mangelnden Arbeitseinstellung einiger FCA-Profis stören. Gemäss Klubexponenten wird am Dienstag verkündet, ob Serey Dié und der FCA gemeinsam in die Zukunft gehen.

Die Entscheidung über die Zukunft von Serey Dié wird auch einen Einfluss auf diejenige von Mats Hammerich haben.

Die Entscheidung über die Zukunft von Serey Dié wird auch einen Einfluss auf diejenige von Mats Hammerich haben.

Der Entscheid dürfte auch Mats Hammerich beeinflussen. Vor einem Monat war klar: Das 21-jährige Eigengewächs soll im Winter zwecks Spielpraxis ausgeliehen werden. Doch sollte Serey Dié gehen, entstünde im Mittelfeldzentrum eine Vakanz, ein Hammerich-Verbleib zur Kaderkomplettierung wäre wieder wahrscheinlicher.

Gibt es eine saubere Lösung mit Stefan Maierhofer?

Die Verdienste des Österreichers sind unbestritten: Ohne die Tore und die Chuzpe des 2,02-Meter-Stürmers hätte der FC Aarau in der vergangenen Saison die Barrage nicht erreicht. Doch in dieser Spielzeit kommt der 37-Jährige nicht auf Touren, zuletzt war er wegen seiner Theatralik und dem ständigen Lamento gegen die Schiedsrichter nur noch ein Ärgernis für Gegner, Publikum und Teamkollegen.

Da Maierhofers Vertrag im Sommer nicht verlängert wird und der Frühling im Zeichen der Vorbereitung auf die Saison 2020/21 steht, wäre die Lösung naheliegend, Maierhofer mitzuteilen, dass seine Dienste ab sofort nicht mehr gefragt seien, er aber, falls er möchte, bis zum Saisonende mittrainieren könne – vorausgesetzt er verhält sich loyal.

Kam in dieser Saison nicht wirklich auf Touren und viel vermehrt negativ auf: Stefan Maierhofer.

Kam in dieser Saison nicht wirklich auf Touren und viel vermehrt negativ auf: Stefan Maierhofer.

Oder aber Maierhofer bekommt nochmals eine zentrale Rolle, was jedoch jeglicher Vernunft und Zukunftsvorbereitung widersprechen würde. Fakt ist: Die Rolle Maierhofers in der Rückrunde muss besprochen werden – der FCA-Schillerfalter sondert zu viel Energie ab, um einfach so weiterzumachen.

Wie wird Shkelzen Gashi in Form gebracht?

Am Rande des Chiasso-Spiels bestätigte ein Mitglied der Klubführung der «Aargauer Zeitung», dass Shkelzen Gashi ab Januar ein Spieler des FC Aarau sein werde. Einmal in Form, ist der 31-jährige Stürmer zweifellos eine Verstärkung, die auch manchem Super-League-Klub guttun würde. Doch wie lange dauert es, bis Gashi dem FCA helfen kann? Und wie bringt man ihn so schnell wie möglich in Topform?

Am 28. Oktober 2018, vor fast 14 Monaten, hat Gashi sein bislang letztes Spiel bestritten. Vor Beginn der Saison 2019 sortierte ihn US-Klub Colorado Rapids aus dem Kader, so dass sich der albanisch-schweizerische Doppelbürger in diesem Jahr zwar mit einem Personaltrainer fit hielt, aber kein professionelles Mannschaftstraining bestritt.

Shkelzen Gashi soll den FC Aarau in die Super League führen.

Shkelzen Gashi soll den FC Aarau in die Super League führen.

Soll Gashi ab dem Rückrundenstart möglichst immer auf dem Platz stehen, um mit Spielpraxis in Form zu kommen? Mit dem Risiko, dass er zumindest zu Beginn ein Fremdkörper sein wird. Oder soll er behutsam, in Form von Teileinsätzen herangeführt werden?

Wie auch immer: Im Sommer muss Gashi in Form sein, er ist als zentrale Figur für jene Mannschaft eingeplant, die den FCA in der nächsten Saison zum Aufstieg führen soll.

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