Wer Milenko Tomic bei seiner Arbeit beobachtet, stellt schnell fest: Der 48-Jährige lebt für Basketball. Er leidet an der Seitenlinie mit, verwirft die Hände und zeigt Emotionen. Er treibt seine Schützlinge unermüdlich an und kann sich über misslungene Spielzüge ebenso enervieren, wie über umstrittene Schiedsrichterentscheidungen.

Dabei wird er ab und zu laut, selbst dann, wenn sein Team deutlich führt. Es geht ihm dabei ums Prinzip: «Nur weil wir 20 Punkte vorne liegen, heisst das nicht, dass wir aufhören zu spielen. Ich will, dass meine Spieler trotzdem alles geben.» Eine typische Aussage für den erfolgsorientierten Tomic.

Zwei Welten

Doch er kann auch anders. So impulsiv und emotional er am Spielfeldrand auftritt, so ruhig und freundlich ist er neben dem Platz. Das wissen auch seine Spieler. Entsprechend haben sie keine Probleme mit seiner direkten Art – im Gegenteil.

«Milenko ist ein sehr guter Trainer mit viel Erfahrung. Ich mag ihn, weil er uns Spieler nicht nur im Basketball weiterbringt, sondern auch menschlich», sagt Starspieler Dejan Hohler. Ein grosses Lob von einem Mann, der bereits unter verschiedenen Trainern in den besten Ligen Europas gespielt hat.

Erfolg braucht Zeit

Tomic verfolgt seine Philosophie, Charakterstärke mit Einsatzwille zu kombinieren, mit aller Konsequenz. Er sucht seine Spieler gezielt aus. Individualisten will er keine in seinem Team. Er bevorzugt Akteure, die bereit sind, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und hart für den Erfolg zu arbeiten.

Wer so klare Vorstellungen in die Tat umsetzen will, braucht vor allem eines: Zeit. Es überrascht daher nicht, dass Tomic immer dann erfolgreich ist, wenn er ein Team formen kann.

Akribischer Arbeiter

Dies gelang dem akribischen Arbeiter, der stets bemüht ist, sich basketballtechnisch weiterzubilden, in Aarau hervorragend. Unter seiner Regie spielte sich die Alte Kanti innerhalb von nur drei Jahren aus den Niederungen der 2. Liga an die Spitze der NLB.

Ein Kunststück, das Tomic zuvor bereits mit den Frauen von Sursee und Brunnen gelungen war. Diese beiden Klubs brachte der amtierende Frauen-Nationalcoach gar bis in die oberste Schweizer Spielklasse.

Trotzdem bleibt Tomic bescheiden. Das Rampenlicht sucht er nicht. «Diese Erfolge sind nicht mein Verdienst. Was die anderen im Verein leisten, verdient höchsten Respekt», sagt er.

Villars als erste Hürde

Die nächste Mission des bosnisch-schweizerischen Doppelbürgers ist die erfolgreiche Titelverteidigung mit Aarau. Am Sonntag (16 Uhr) beginnen die Playoffs mit dem Heimspiel gegen Villars Basket. «Für uns wird es schwieriger als letztes Jahr.

Alle erwarten, dass wir Platz eins bestätigen. Die anderen Teams können daher ohne Druck gegen uns antreten», beschreibt Tomic die Ausgangslage. Trotzdem, alles andere als ein Sieg gegen Villars wäre eine riesige Enttäuschung, nachdem die Aarauer die Vorrunde nach Belieben dominiert haben.

Sie warfen die meisten Körbe, trumpften mit der besten Defensivleistung der Liga auf und wurden erst noch mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnet. Zudem verfügen sie mit Spielmacher Dejan Hohler und Center Mladen Radic über zwei Spieler, die selbst für die NLA eine Bereicherung wären.

Kein Selbstläufer

Deswegen aber schon vom Meistertitel zu sprechen, wäre verfrüht. Bereits im Halbfinal wartet mit Pully oder Bern ein unangenehmer Gegner. «Beide Teams sind sehr stark. Wir müssen daher technisch, taktisch und auch emotional einen Gang höher schalten», ist sich der Trainer bewusst.

Man darf gespannt sein, mit welchem Griff in die Trickkiste Milenko Tomic seine Spieler diesmal zu Höchstleistungen antreibt.