Ringen

Happy End im Ringerkrimi – Freiämter setzen sich gegen Kriessern durch

Andrej Malzew leitete für die Freiämter die Wende ein.

Andrej Malzew leitete für die Freiämter die Wende ein.

Als die Freiämter Ringer dem Halbfinaltod geweiht waren, fand Andrej Malzew einen Weg zur wunderbaren Wende. Am Ende feierten die Aargauer einen 21:18-Sieg gegen Kriessern und treffen nun im Final auf Willisau.

Die Freiämter Ringer erlebten in Kriessern mitten im Untergang eine wundersame Auferstehung und siegten als Mannschaft mit 21:18. Dies, nachdem sich zuvor die Geschichte zu wiederholen schien.


13:6 hatte Freiamt zur Pause geführt. Prompt spielte sich in der überfüllten Halle dieselbe Tragödie wie schon in Muri ab. Meister Kriessern gewann in der zweiten Hälfte Kampf um Kampf. Als Andrej Malzew, der 46-jährige Ukrainer in Aargauer Diensten, zur Revanche gegen «Wundertüte» David Hungerbühler antrat, lag Kriessern nur noch 14:16 hinten.


Zu Beginn führte Malzew, dann lancierte das Kampf­richtertrio mit einem Passivitäts­entscheid gegen den Oldie die Wende. Hungerbühler nützte die Oberlage zu einem Ausheber und einer umstrittenen Viererwertung. Der 26-jährige Student wollte die Gunst des Augenblicks nützen und setzte nochmals zu einem Überwurf an. Aber Malzew fasste satt Griff und konterte beim Wurfansatz. Hungerbühler kippte rückwärts um und lag sofort platt auf 
dem Rücken.

Dem verdutzten Kampf­richter blieb gar nichts ­anderes übrig, als den Kampf  zu ­Gunsten der tobenden Frei­ämter Ecke abzubrechen. Was für ein Exploit! Cheftrainer Marcel Leutert verdrehte auch eine halbe Stunde später noch ungläubig aber überglücklich die Augen: «Wenn Andrej knapp verloren hätte, wäre ich aus der Halle ge­gangen. Die Spannung war nicht zum Aushalten.» Malzew schonte die Nerven seines Trainers. Nach seinem Sieg kämpfte Nico Küng gegen Kriesserns Trainersohn Marc Dietsche zuletzt nur noch für die Statistik. 

Schon in der ersten Minute eroberte Küng gegen den Internationalen eine Wertung, die ohne das Malzew-Wunder entscheidend hätte sein können. Am Ende siegte aber Dietsche 19:4. Doch Freiamt gewann den Halbfinal 21:18 und steht mit einem Total von 40:35 gegen Willisau im Schweizer Mannschaftsfinal.


Der Mann, der schon so viel erlebt hat, lancierte den Tag


Das erste Sportmärchen des Abends schrieb Jeremy Vollenweider. Der 21-jährige Zürcher, der in seinem Leben schon dreimal dem Tod in die Augen geblickt hatte, kämpft seit zwei Jahren für Freiamt in den oberen Freistilklassen. Der Schwinger und Nationalturner hatte den Hinkampf gegen Jürg Hutter 1:4 verloren. Doch in Kriessern, nach einem Überlegenheitssieg von Freiamts Leichtgewichtler Nils Leutert zum Auftakt, ­doppelte der Schwergewichtler nach. Er schulterte Hutter mit einem «Päckli». 


Zusammen mit soliden Punktsiegen von Nino Leutert und Michael Bucher ergab dies zur Pause die deutliche Reserve. Einzig Roman Zurfluh war nicht richtig auf Touren gekommen. Der Ringerschwinger fand kein Verteidigungsrezept gegen den Junioren-Vizeweltmeister Ramon Betschart.


Nach Wiederbeginn schlug das Pendel zurück. Der kurz­fristige Ausfall von EM-Bronzegewinner Randy Vock, der sich in einem Trainingslager in Magglingen eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte, zwang Freiamt zum Wechsel von Pascal Strebel in die Klasse 70 kg Freistil. Zwar überraschte der Greco-Olympionike das ­Talent Dominik Laritz mit einem frühen Beinangriff. Doch mit dem Heimpublikum und dem Kampfgericht im Rücken wendete Laritz das Blatt von 0:4 auf 10:4.


Doch dann kam Andrej Malzew. Er hatte dem Trainer selbst vorgeschlagen, Strebels Lücke als neuerlicher Notnagel zu füllen. «Ich musste etwas riskieren, und es ging auf», sagte Marcel Leutert erleichtert. «Der Übermut von Hungerbühler hat uns gerettet. Da spielt es keine Rolle mehr, dass die Kampfrichter­leistung nach der Pause eine ­Katastrophe war.»

Aischkanow kommt und ist im Final dabei


Freiamt wird im Final gegen Willisau krasser Aussenseiter sein, nach dem Ausfall von ­Randy Vock erst recht. Aber die bevorstehende Heimkehr von Magomed Aischkanow schürt trotzdem Hoffnungen. Der tschetschenische Spitzenringer soll zu Wochenbeginn auf der Schweizer Botschaft in Moskau endlich ein Visum erhalten. Vielleicht mutiert dadurch auch der Klassiker Willisau – Freiamt zu einem Ringerkrimi.

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