Aargauer Fussball

Hans Aemisegger vor dem Rücktritt: Warum der AFV-Präsident gar nicht anders kann

Hans Aemisegger

Hans Aemisegger

Die Aargauer Fussballvereine fordern vom Verbandspräsidenten, dass er spätestens am 1. April sein Amt abgibt. Hat Aemisegger sich bereits entschieden?

Der Aargauische Fussballverband (AFV) rast mit Vollgas auf eine Schlammschlacht zu. Es gibt nur noch eine Möglichkeit, das totale Chaos zu verhindern: Der schwer beschuldigte Präsident Hans Aemisegger muss zurücktreten. Und zwar in diesen Tagen.

In einem eingeschriebenen Brief, welcher am Mittwoch beim AFV-Vorstand eintraf und der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, setzen 25 Aargauer Fussballvereine Präsident Aemisegger das Messer an den Hals: Entweder er legt spätestens am 1. April sein Amt nieder. Oder es kommt innerhalb der nächsten acht Wochen zu einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung, an der unter anderem die Abwahl von Aemisegger auf der Traktandenliste steht. Mittlerweile stehen weit mehr als die 25 im Brief aufgelisteten Klubs hinter dem Schreiben, die Rede ist von rund 40 von insgesamt 85 Mitgliedervereinen.
Noch am Mittwochabend traf sich der fünfköpfige AFV-Vorstand zu einer Krisensitzung. Wie weiter? Kündigungswelle auf der Geschäftsstelle – Vetterliwirtschaft – diktatorischer Führungsstil – Absetzung von Jürg Widmer – Loris Benito und Diego Benaglio, die sich als Botschafter abwenden: Die Ereignisse haben sich in den vergangenen Monaten überschlagen und alle gründen im zweifelhaften Verhalten von Aemisegger. Dieser reagierte in den vergangenen Wochen nicht auf die Anschuldigungen und gaukelte stattdessen den Vereinen und der Öffentlichkeit vor, im Verband sei alles gut.

Doch als er am Mittwochabend auf dem erwähnten Brief seinen Heimatverein SC Schöftland unter den Vereinen entdeckt, die ihn zum Abgang auffordern, bekam seine Sicht der Dinge gemäss ihm nahestehenden Personen erste Risse. Zudem haben sich einflussreiche Personen aus dem Verband und dessen Umfeld an Aemisegger gewandt und ihm deutlich gemacht, dass der Zeitpunkt gekommen sei, an dem er gehen müsse. Es gebe keine andere Option mehr.
Einerseits zu Aemiseggers Wohl, denn in den Wochen bis zur ausserordentlichen Delegiertenversammlung würden weitere Vorwürfe ans Licht kommen und diese dürften langsam aber sicher auch auf Aemiseggers berufliche Tätigkeit als Architekt abfärben. Andererseits würde das Image des einstigen Vorzeigeverbandes AFV weiter besudelt. Mittlerweile berichten nationale Medien über die Krise. Und im Haus des Fussballs in Bern zeigt man sich besorgt über die Zustände im Aargau.

In ihrem Schreiben an den AFV haben die Vereine drei Hauptanliegen.

  • Punkt 1 auf der Traktandenliste einer allfälligen ausserordentlichen Delegiertenversammlung wäre die «lückenlose Aufklärung der in der Presse geäusserten Vorwürfe». Hauptsächlich jene, dass Geschäftsführer Hannes Hurter sowie dessen Mitarbeiter Jonas Manouk wegen Aemisegger die Kündigung einreichten und dass der Präsident einen 50 000 Franken teuren Filmauftrag in Eigenregie seinem Sohn zuschanzte. Kurz nachdem die «Aargauer Zeitung» die Vorfälle aufgedeckt hatte, erhielten Vertreter des FC Döttingen und des SC Zurzach an einer Besprechung mit Aemisegger nicht die gewünschten Erklärungen, zudem habe sich der Präsident in Widersprüche verwickelt.
  • Punkt 2 auf der Traktandenliste wäre die Darlegung der Gründe, warum Hurter und Manouk gekündigt haben. Das Duo soll sich vor den Delegierten der 85 Vereine erklären, damit sich diese ein Bild machen könnten.
  • Punkt 3 auf der Traktandenliste wäre die Abstimmung über die Abwahl Aemiseggers.

Wenn Aemisegger etwas am Wohl des Aargauer Fussballs liegt, dann kann er nicht anders, als spätestens am Montag 1. April sein Rücktrittsschreiben einzureichen. Sich selber würde er damit den Gang auf die Schlachtbank ersparen. Denn nichts anderes als das wäre eine ausserordentliche Delegiertenversammlung für Aemisegger.

Am Freitagnachmittag verschickte der AFV die Einladung zu einer Medienkonferenz am Dienstag 2. April. Ein starkes Indiz dafür, dass Aemiseggers Rücktritt bereits beschlossene Sache ist.

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