Aufstiegsdrama
Handballverband lehnt Protest des TV Endingen ab: «Wir wissen, dass wir in der Sache Recht haben»

Die Disziplinarkommission des Handballverbandes geht nicht auf den Protest des TV Endingen ein. Damit wird Suhr Aarau in die NLA aufsteigen, sofern der TV Endingen gegen den Entscheid nicht rekurriert.

Andreas Fretz und Silvan Hartmann
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Die Enttäuschung ist gross: Der TV Endingen verpasst den Aufstieg in die NLA

Die Enttäuschung ist gross: Der TV Endingen verpasst den Aufstieg in die NLA

Alexander Wagner

Die Nationale Disziplinarkommission (NDK) des Schweizerischen Handball-Verbands (SHV) tritt nicht auf den Protest des TV Endingen gegen die Wertung des NLB-Spiels gegen den HSC Suhr Aarau vom vergangenen Samstag ein.

Der Grund: Der Protest wurde zu spät angemeldet. Ob dieser auch inhaltlich abgelehnt worden wäre, geht aus der Begründung des Verbandes nicht hervor.

Die NDK führte in ihrer Begründung aus, dass der TV Endingen mit der Anmeldung nicht bis nach dem Spiel hätte warten dürfen, sondern diesen noch während des Spiels und vor der Fortsetzung bei gespielten 59 Minuten und 58 Sekunden hätte anmelden müssen. Das ist gemäss dem Entscheid der NDK nicht erfolgt.

Weiterzug an das Verbandssportgericht möglich

Damit bleibt es beim gespielten Resultat von 29:29. Der Entscheid der NDK ist jedoch noch nicht rechtskräftig und kann mit Rekurs beim Verbandssportgericht (VSG) angefochten werden.

Die Frist läuft für den Weiterzug an das Verbandssportgericht bis Sonntag, 8. Mai 2016.

TV Endingen enttäuscht

Marco Eggenschwiler, Sportchef des TV Endingen, nimmt den abgewiesenen Protest enttäuscht zur Kenntnis. «Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge», sagt er.

Ob die Endinger gegen den Entscheid Rekurs einlegen werden, ist noch nicht entschieden. «Wir haben ja bis Sonntag Zeit», sagt Eggenschwiler. Bis es soweit ist, werde man sich Gedanken machen und Fakten sammeln.

Dass der Endinger Protest aus formal-juristischen Gründen abgeschmettert wurde, ist für die Surbtaler besonders bitter. Denn Eggenschwiler ist überzeugt, dass «wir in der Sache Recht haben». Das sollen auch Videos beweisen.

Impressionen vom ersten Aufstiegsdrama zwischen Endingen und Suhr (29:29) Der Endinger Simon Huwyler lässt den Kopf hängen. Im Hintergrund feiern die Suhrer.
17 Bilder
Die Enttäuschung bei Endingen ist kurz nach dem Abpfiff gross. Suhr Aarau steigt dank dem 29:29 auf, Endingen fehlte nur ein Tor.
Endinger Anhänger in der mit 2136 Zuschauern gefüllten Halle
Ljubormir Josic (Suhr) vor toller Kulisse in der GoEasy-Arena.
Karlo Ladan (links, Endingen) gegen Stevan Kurbalija (rechts, Suhr).
Beau Kägi (links, Suhr) gegen Goalie Andre Willimann (rechts, Endingen).
Christian Riechsteiner (links, Endingen) gewinnt ein Penaltyduell gegen Martin Pramuk (rechts, Suhr): Riechsteiner trifft 10 Mal in diesem Match, 5 Mal von der Siebenmeterlinie.
Tim Aufdenblatten (Mitte, Suhr) gegen Lukas Riechsteiner (links) und Karlo Ladan (rechts, beide Endingen).
Die Fans des TV Endingen gaben alles.
Endingens Captain Christian Riechsteiner (links, Endingen) gegen Patrick Romann (rechts, Suhr).
Der Endinger Lukas Riechsteiner beim Abschluss - er erzielte drei Tore in der Nervenschlacht.
Der Zurzibieter Patrick Romann von Suhr Aarau (Mitte) erzielt den letzten und entscheidenden Treffer für sein Team. Im Bild ist gegen Karlo Ladan (links) und Christian Riechsteiner (rechts) vom TV Endingen.
Letztes Time-Out. Und alle stehen in der Halle - Endingen gelingt kein Tor mehr, es bleibt beim 29:29.
Suhr Aarau steigt nicht nur auf, sondern holt sich auch den NLB-Meister-Pokal.
Der Jubel bei Suhr Aarau ist gross.
So jubelt Suhr Aarau mit den Fans nach der Nervenschlacht gegen Endingen.
Der in Bad Zurzach aufgewachsene Patrick Romann (links) feiert mit Lukas Strebel (rechts, beide Suhr) den Aufstieg.

Impressionen vom ersten Aufstiegsdrama zwischen Endingen und Suhr (29:29) Der Endinger Simon Huwyler lässt den Kopf hängen. Im Hintergrund feiern die Suhrer.

Alexander Wagner

Dass der Spielfeldprotest zwei Sekunden vor Schluss und nicht erst am Ende der Partie hätte angemeldet werden sollen, ist den Endingern bewusst. «Wir haben den Protest vor Ablauf der Partie angemeldet», sagt Eggenschwiler, «aber der Delegierte muss auch darauf eingehen. Das ist irgendwie in der Grauzone abgelaufen.»

Es scheint, als ob der Protest in der turbulenten und lauten Schlussphase des Spiel untergegangen ist.

Aus dem Wettspielreglement

So legt man regelkonform Protest ein

Der Protest ist vom Mannschaftsverantwortlichen unmittelbar nach dem Ereignis mit kurzer Begründung bei den Schiedsrichtern, sofern das Spiel nicht unterbrochen ist beim Delegierten bzw. dem Zeitnehmer/Sekretär, anzumelden. Damit ist der Protest definitiv angemeldet und die Protestgebühr ist geschuldet. Die Schiedsrichter informieren den anderen Mannschaftsverantwortlichen.
Vor Spielbeginn, in der Pause bzw. nach Spielschluss ist der Protest auf dem Spielbericht vom Mannschaftsverantwortliche kurz zu begründen und von ihm sowie von den Schiedsrichtern zu unterzeichnen. (az)

Verband bestätigt die hektischen Schlusssekunden

Marco Ellenberger, Sprecher des Handballverbands, bestätigt, dass es in den Schlusssekunden um den Zeitnehmertisch tatsächlich sehr hektisch zu und her gegangen sei.

Möglich, dass im allgemeinen Trubel die eine oder andere Wortmeldung untergegangen ist. Allerdings betont Ellenberger auch, dass die NDK den Fall sehr seriös bearbeitet hat.

Die NDK holte Stellungnahmen von den Vereinen, den Schiedsrichtern und vom Delegierten ein. Von der 7-köpfigen NDK sei ein rund sechsseitiger Bericht verfasst worden.

„Offenbar kam man zum Schluss, dass unmittelbar nach dem Ereignis kein regelkonformer Protest beim Delegierten eingegangen ist“, sagt Ellenberger.

Handball-Schiedsrichter-Chef tödlich verunglückt

Den Schweizerischen Handball-Verband (SHV) hat am Donnerstag die bestürzende Nachricht erreicht, dass Urs Maibach, Leiter der Schiedsrichter-Organisation (SRO), bei einem Unfall mit einem Gleitschirm tödlich verunglückt ist. Der Handballverband zeigt sich in einer Stellungnahme fassungslos und sehr betroffen. Man spreche den Angehörigen in dieser schwierigen Zeit ein tief empfundenes Mitgefühl aus.