Handball
Wie Musik in den Ohren: Beim HSC Suhr Aarau brillieren die jungen Spieler

Der HSC Suhr Aarau besiegt St. Otmar St. Gallen 28:25 und zwei junge Spieler sorgen für besondere Glücksgefühle. Und was das alles mit Trainer Misha Kaufmann zu tun hat.

Martin Probst
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Eine starke Defensive war die Basis für den Erfolg des HSC Suhr Aarau.

Eine starke Defensive war die Basis für den Erfolg des HSC Suhr Aarau.

Marc Schumacher / freshfocus

Leo Grazioli ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Erst wird bei der nominellen Nummer eins im Tor des HSC Suhr Aarau ein Infekt im Knie festgestellt, was zu einer Operation am Donnerstag führte. Dann sitzt er am Sonntag mit geschientem Bein in der Schachenhalle und sieht, wie sein Ersatz erneut brilliert.

Rund zwei bis vier Wochen wird Grazioli ausfallen. «So genau lässt sich das nicht voraussagen. Aber der Eingriff verlief sehr gut, bald kann ich mit der Reha beginnen.»

Die gute Nachricht für den HSC: Egal, wie lange Grazioli ausfallen wird, ein Problem im Tor hat das Team von Misha Kaufmann nicht. Dass dies so ist, liegt an Jannis Scheidiger.

Werte, die vieles vergessen machen

Der 19-Jährige zeigte beim 28:25-Sieg gegen St. Otmar St. Gallen wie schon am Donnerstag gegen Chênois eine Galavorstellung im Tor, wies über weite Strecken des Spiels eine Abwehrquote von fast 40 Prozent aus und hatte am Ende 12 von 36 Schüssen gehalten.

Brilliert im Tor: Jannis Scheidiger. Hinten versucht Patrick Strebel zu verteidigen.

Brilliert im Tor: Jannis Scheidiger. Hinten versucht Patrick Strebel zu verteidigen.

Marc Schumacher / freshfocus

Es sind beeindruckende Werte, die fast vergessen lassen, dass Scheidiger erst zum zweiten Mal in der NLA als Stammtor­hüter auflief. Dass er nicht wie schon am Donnerstag zum Mann des Spiels gewählt wurde, hat mit einem anderen jungen Spieler zu tun, der ebenfalls bereits eine wichtige Rolle übernehmen muss.

Obwohl: Ein Müssen ist es nicht. «In erster Linie ist es geil», sagt Lars Hofer. Der 21-Jährige war mit fünf Toren massgeblich am Erfolg gegen St. Otmar beteiligt, und vor allem gelangen ihm zwei Treffer in einer wegweisenden Phase.

Lange nämlich hatte der HSC das Spiel im Griff, hatte oft drei, manchmal vier Tore Vorsprung. Die Basis dafür schuf eine starke Leistung in der Defensive. Der HSC konnte immer wieder verhindern, dass St. Otmar in gute Abschlusspositionen kam.

Starke Arbeit von Daniel Parkhomenko und Martin Slaninka in der Defensive.

Starke Arbeit von Daniel Parkhomenko und Martin Slaninka in der Defensive.

Marc Schumacher / freshfocus

Bis etwa nach 45 Minuten plötzlich Fehler passierten, die zuvor nicht zu sehen waren. Prompt kamen die Gäste näher, und rund sechs Minuten nach Beginn der Schwächephase sogar bis auf ein Tor heran.

Doch genau in dieser Phase, in welcher der Druck maximal war, gelangen Hofer zwei Treffer, die den HSC nicht nur zurück ins Spiel und damit Richtung Sieg brachten, sondern auch zeigen, wozu diese junge Mannschaft ­fähig ist. Auch im Umgang mit Druck.

Worte, die für den Trainer wie Musik klingen dürften

Weil nach wie vor Teamstützen wie zum Beispiel Routinier ­Sergio Muggli verletzt fehlen, und ein erhoffter Transfer noch nicht zustande kam, ist Trainer Kaufmann fast gezwungen, auf «Jugend forscht», wie er es selbst nennt, zu setzen. Doch Hofer und Co. bedanken sich für das Vertrauen mit Leistung. Ohne dabei zu vergessen, wo in ihrer Entwicklung sie stehen.

Lars Hofer mit der Auszeichnung zum Spieler des Spiels, hinter ihm Goalie Jannis Scheidiger, der ebenfalls brillierte.

Lars Hofer mit der Auszeichnung zum Spieler des Spiels, hinter ihm Goalie Jannis Scheidiger, der ebenfalls brillierte.

Marc Schumacher / freshfocus

So sagt zum Beispiel Hofer, angesprochen auf seine Gefühle, nachdem er erstmals zum Spieler des Spiels gewählt wurde: «Natürlich ist es schön. Aber ich bin nicht ganz zu frieden mit meiner Leistung. Vor allem in der Defensive mache ich Fehler, die ich nicht machen sollte.»

Es sind Worte, die für einen wie Misha Kaufmann, der auch im Erfolg noch mehr erwartet, wie Musik klingen dürften. Und vor allem macht es Mut für die Zukunft.

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