Handball
«Das tut jetzt ein, zwei Tage weh»: Der HSC Suhr Aarau verpasst den Supercup wegen zu vieler Eigenfehler

Der HSC Suhr Aarau hätte gerne im zweiten Jahr in Folge die Supercup-Trophäe gewonnen, doch am Ende bestraft sich die Mannschaft mit fahrigem Angriffsspiel selbst. Trotz allem wird die 19:26-Niederlage verschmerzbar sein.

Frederic Härri
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Patrick Strebel (rechts) und der HSC fanden besonders in der zweiten Halbzeit kein Durchkommen gegen Stefan Freivogels Pfader.

Patrick Strebel (rechts) und der HSC fanden besonders in der zweiten Halbzeit kein Durchkommen gegen Stefan Freivogels Pfader.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Die erste Panne erfolgte schon vor Anpfiff. Da machte der Hallenspeaker aus dem HSC Suhr Aarau den «HC» Suhr Aarau, und später verwechselte er den Aargauer Rechtsaussen Lars Hofer mit dessen Teamkollegen Gian («Lars Attenhofer»). Der Auftritt in den folgenden 60 Minuten half den Gästen nicht, um sich mit Nachdruck ins Gedächtnis des Winterthurer Publikums einzubrennen. Zu unbeständig war die Leistung. Zu pannenlastig eben.

Gut ein Jahr nach dem mitreissenden Supercup-Triumph herrschte dieses Mal Ebbe in den Köpfen der HSC-Spieler. 19:26 hatten sie gerade verloren gegen Pfadi Winterthur, als sie nach Spielschluss Löcher in die Luft starrten, und die Gewissheit einsetzte: Die Titelverteidigung war misslungen. Und bei vielen dürfte sich der Gedanke eingeschlichen haben, dass sie für das deutliche Verdikt selbst die Hauptschuld trugen. 15 Eigenfehler klebten in der Statistik wie unliebsame Farbkleckse im Schönschreibheft, darin sind die Fehlwürfe – zwölf waren es – nicht einmal mit eingerechnet. Aus beinahe jedem dieser technischen Unachtsamkeiten und Fehlpässe resultierte ein gegnerischer Treffer. Oder wie sagte Manuel Zehnder, der trotz operierter Hüfte die Siebenmeter warf, in der Halbzeitpause: «Wir geben ihnen die einfachen Tore.»

Der HSC startete so, wie es sich gegen den Schweizer Meister gehört

Die eigene Unbeständigkeit war ein Makel, den die zu zahnlose HSC-Offensive an diesem Abend nicht aufzuwiegen vermochte. Dabei starteten die Gäste eigentlich so, wie es sich gehört, wenn man gegen den Schweizer Meister gewinnen möchte. Nach Toren von Zehnder, Reichmuth und Strebel lag der HSC nach acht Minuten mit 3:0 vorne. Dabei profitierte die Mannschaft auch von ihrem Torhüter Leo Grazioli, der die ersten Pfadi-Chancen mit ansehnlichen Klärungsaktionen allesamt zunichtemachte. Mit fortlaufender Spieldauer verschoben sich die Kräfteverhältnisse jedoch zunehmend. In der 27. Minute stand es noch 7:6 für den HSC. Es sollte dessen letzte Führung im gesamten Spiel bleiben.

Im zweiten Umgang stellte sich die von Zehnder ersehnte Besserung nicht ein. Im Gegenteil: Nun waren die defensiven Schleusen geöffnet, und die Flut an Gegentoren (18 allein in Hälfte zwei) war nahezu unaufhaltsam. Als fatal erwies sich angesichts der hohen Fehlerdichte die Taktik, den eigenen Torhüter im Angriff zugunsten eines siebten Feldspielers von der Platte zu nehmen. So trudelten viele der Pfadi-Tore einfach ein, man kann es nicht anders sagen.

João Ferraz hatte nicht seinen besten Abend: Aus acht Wurfversuchen gelangen ihm nur deren zwei Tore.

João Ferraz hatte nicht seinen besten Abend: Aus acht Wurfversuchen gelangen ihm nur deren zwei Tore.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Was die vielen Eigenfehler sicherlich begünstigte, war das durch zahlreiche Absenzen ausgedünnte HSC-Kader. Besonders im Rückraum fehlten die Wechseloptionen, Patrick Strebel, Tim Aufdenblatten oder João Ferraz mussten nahezu durchspielen. Dabei hätte eine Verschnaufpause gut getan, zumal die Leistungsträger nicht ihren besten Tag einzogen. Ferraz etwa war erst mit seinem sechsten Wurf ein erstes Mal erfolgreich, Aufdenblatten warf gar nicht aufs Tor.

Der erste Titel wurde also verpasst. Alles in allem dürfte die Niederlage für den HSC Suhr Aarau aber zu verschmerzen sein. Pfadi ist und bleibt ein abgeklärter Gegner, der schwer zu schlagen ist. Und ohnehin war man ja erst über Umwege zu diesem Spiel im Supercup gekommen. HSC-Trainer Misha Kaufmann wollte die Bedeutung der Affiche zwar nicht marginalisiert wissen. «Das tut jetzt ein, zwei Tage weh», sagte er nach Abpfiff. «Es wäre uns wichtig gewesen, diesen Match zu gewinnen», wandte er ein, bevor er pragmatisch schloss: «Die Saison hat jetzt begonnen, dieses Jahr eben mit einem Negativerlebnis.» Am Donnerstag startet der HSC gegen Aufsteiger Chênois in die Meisterschaft.

Seine Silbermedaille hängte Kaufmann in Winterthur übrigens seiner Tochter um. «Sie hat mehr Freude daran als ich», sagte er.

Telegramm

Pfadi Winterthur – HSC Suhr Aarau 26:19 (8:7)

Axa Arena Winterthur. – 1040 Zuschauer. - SR: Hennig/Meier.

Pfadi: Shamir (10 Paraden, 1 Tor), Wipf; Ott (3 Tore), Schönfeldt, Tynowski (4), Sjöbrink, Pecoraro (1), Ruh (1), Störchli (5), Radovanovic, Jud (7), Bräm, Freivogel, Lagerquist, Hadj Sadok (4), Leopold.

Suhr Aarau: Grazioli (7 Paraden), Scheidiger; Willecke, Reichmuth (5 Tore), Hofer (2), Zehnder (3), Ferraz (2), Aufdenblatten, Parkhomenko (2), Pejkovic (3), Strebel (1), Slaninka, Attenhofer (1).

Suhr Aarau ohne Gomboso und Sarlos (ohne Einsatz), Muggli, Brandt, Laube (verletzt), Kalt und Bieri (nicht im Aufgebot).

Am Ende jubelten die anderen: Die Pfadi-Spieler mit der Supercup-Trophäe.

Am Ende jubelten die anderen: Die Pfadi-Spieler mit der Supercup-Trophäe.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Das Spiel in der Zusammenfassung:

Dem HSC Suhr Aarau ist die erfolgreiche Titelverteidigung im Supercup missglückt. Auch wegen zu vieler Eigenfehler verliert die Mannschaft von Misha Kaufmann letztlich deutlich.

Dabei startete der HSC eigentlich mit leichten Vorteilen in diesen Supercup. Die Defensive setzte die Winterthurer früh unter Druck und zwang sie zu Abschlüssen aus ungünstigen Positionen. Zwei Mal warfen die Pfadi-Spieler neben das Tor, und gleich drei Mal hielt HSC-Goalie Grazioli glänzend. Der 20-jährige Torhüter stellte sich in der Anfangsphase als unüberwindbares Hindernis heraus. Und noch besser für den HSC: In der Offensive fand die Mannschaft ihren Rhythmus früh. Zehnder, Strebel und Reichmuth sorgten für einen Drei-Tore-Vorsprung nach acht Minuten.

Pfadi-Trainer Cvetkovic reagierte und brachte Moustafa Hadj Sadok in die Partie. Der Neuzuzug brachte Struktur in die Pfadi-Offensive, die nun immer besser in Schwung kam. In der 15. Spielminute glichen die Winterthurer zum 3:3 aus – zwei der Tore warf Hadj Sadok. Der HSC liess sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen, provozierte Zeitstrafen und nutzte den numerischen Vorteil, um erneut zwei Tore vorzulegen.

In derselben Taktung setzte sich der Match fort. Kam Pfadi auf ein Tor heran, legte der HSC wieder nach. Und fast hätte sich dies auch drei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit fortgesetzt, doch nach einem Fehlpass von Lars Hofer besorgte Cédrie Tynowski im Gegenstoss den Ausgleich zum 7:7. Nun war es der HSC, der Mühe bekundete, die offensiven Lösungen zu finden. Oft verhaspelten sich die Spieler im Kleinklein und musste unter Druck im Zeitspiel abschliessen. Das rächte sich, als Pfadi-Topscorer Kevin Jud zum 8:7 vollendete. Dies war auch das Halbzeitresultat.

Einfache Pfadi-Tore im Gegenstoss

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Mit einigen Fehlversuchen und einem Pfadi, das hauchzart vorne lag. Mit fortwährender Spieldauer spielten sich die Winterthurer einen grösseren Vorteil heraus und erhöhten zwischenzeitlich auf drei Tore Vorsprung. Suhr Aarau lief nun Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Viele Fehlanspiele verhinderten die erfolgreiche Aufholjagd. Die HSC-Taktik, den Torhüter im Angriff zugunsten eines siebten Feldspielers von der Platte zu nehmen, münzte Pfadi eiskalt in einfache Tore um. Eine Viertelstunde vor Schluss lagen die Winterthurer nun 17:11 in Front.

In den letzten Minuten machten es die HSC-Spieler ihrem Gegner schlicht zu einfach, indem sie die Bälle im eigenen Angriff leichtfertig hergaben und so durch Gegenstösse verwundbar blieben. Pfadi hatte nun leichtes Spiel und begnügte sich mit solidem Handball, um den Sieg in eigener Halle einzufahren. 26:19 lautete das Skore am Ende. Nach der Schweizer Meisterschaft fährt Pfadi Winterthur also den nächsten Titel ein.

Partie verpasst? Hier gibt es den ganzen Match zum Nachlesen:

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