Handball-Playoffs
Vor dem Halbfinal-Kracher gegen Pfadi Winterthur: Diese Spiele machen dem HSC Suhr Aarau Mut

Der HSC Suhr Aarau geht am Mittwochabend (ab 18 Uhr im AZ-Liveticker) als leichter Aussenseiter ins erste Spiel des Playoff-Halbfinals gegen Pfadi Winterthur. Ein Blick in die Statistik der letzten Jahre zeigt: Der HSC braucht sich gegen die Zürcher nicht zu verstecken.

Frederic Härri
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Der HSC Suhr Aarau feiert heute Abend eine Premiere. Noch nie zuvor stand eine Mannschaft mit dem HSC-Wappen auf der Brust in einem Playoff-Halbfinal. Für Gegner Pfadi Winterthur indes ist die Qualifikation für die Vorschlussrunde nichts Neues: Seit 2017 standen die Pfader gar stets im Final, nur zum grossen Triumph reichte es dem mit neun Meistertrophäen hochdekorierten Verein in der jüngeren Vergangenheit nie.

So sehr sich die Erfahrungen in den Playoffs unterscheiden mögen, so ausgeglichen gestalteten sich in den vergangenen Jahren die direkten Duelle in Meisterschaft und Pokal. «Pfadi liegt uns», sagt Misha Kaufmann – und ein Blick in die Statistik gibt ihm recht. Nach dem Wiederaufstieg und dem ersten Jahr in der NLA unter dem neuen HSC-Coach wechselten sich Sieg und Niederlage zwischen den beiden Teams regelmässig ab, so dass in der Bilanz seit 2017 fast Gleichstand herrscht: Fünf Mal gewann der HSC, sechs Mal siegte Pfadi, zwei Mal trennte man sich unentschieden. Spiele gegen Winterthur, das sind oft enge und umkämpfte Angelegenheiten – die zuweilen wegweisenden Charakter hatten. Ein Überblick über die denkwürdigsten Partien.

2017/18: Reichmuth trumpft gleich gross auf

Linksaussen Timothy Reichmuth lancierte gegen Pfadi Winterthur einst seine Karriere in der Nationalliga A.

Linksaussen Timothy Reichmuth lancierte gegen Pfadi Winterthur einst seine Karriere in der Nationalliga A.

Alexander Wagner

Im ersten Spiel der 2017er-Kampagne hatte der HSC gleich den amtierenden Vizemeister zu Gast – und eigentlich auch ganz gut im Griff. Überaus eng gestaltete sich die erste Halbzeit, beide Teams schenkten sich nichts. Im zweiten Umgang setzte sich Pfadi dann ab: Fünf Minuten vor Ende lagen die Winterthurer scheinbar vorentscheidend mit 20:16 in Front. Bis Timothy Reichmuth seinen grossen Auftritt hatte. Nachdem erst Torhüter Dario Ferrante zum 17:20 verkürzte, legte Reichmuth mit drei Toren innert drei Minuten nach und sorgte so für den verdienten Punktgewinn. Der Flügelspieler aus dem eigenen Nachwuchs machte an jenem 30. August 2017 sein erstes Profispiel im HSC-Trikot. Rückblickend war es der Startschuss einer erfolgreichen Laufbahn für Reichmuth, der inzwischen 22 Jahre alt ist und über 100 Partien in der NLA bestritten hat. Unter Kaufmann zählt er zu den unbestrittenen Leistungsträgern. Im Laufe der Saison 2017/18 trafen Suhr Aarau und Pfadi ein weiteres Mal in der Schachenhalle aufeinander. Der HSC gewann 29:25. Reichmuth warf neun Tore – aus neun Versuchen.

2018/19: Achterbahn der Gefühle beim Topskorer

Der einstige HSC-Topskorer Milan Skvaril (rechts, gegen Cédrie Tynowski) erlebte gegen Pfadi alle Gefühlswelten.

Der einstige HSC-Topskorer Milan Skvaril (rechts, gegen Cédrie Tynowski) erlebte gegen Pfadi alle Gefühlswelten.

Alexander Wagner

Auch in der darauffolgenden Saison war Pfadi für die Aargauer kein Schreckgespenst. Im ersten Vergleich gelang dem HSC ein begeisternder 28:23-Erfolg. Überragender Mann auf der Platte war Milan Skvaril mit neun Toren. In der Finalrunde – die es damals noch gab – sahen sich die Teams im nächsten Februar wieder. Und dieses Mal schlich Topskorer Skvaril mit hängendem Kopf davon. Sein Wurf war es, der beim Stand von 24:25 in der Schlusssekunde nur ans Aussennetz strich. Einen Monat später revanchierte sich der HSC Suhr Aarau: In der AXA Arena schnappte er sich einen 31:27-Sieg. Kaum zu stoppen: Tim Aufdenblatten mit elf Toren.

2019/20: Die magische Cupnacht in Winterthur

Der Viertelfinalsieg über Pfadi war ein wichtiger Etappenerfolg auf dem Weg zum Supercup-Triumph des HSC.

Der Viertelfinalsieg über Pfadi war ein wichtiger Etappenerfolg auf dem Weg zum Supercup-Triumph des HSC.

Alexander Wagner

Die AXA Arena, sie wurde in der Saison 2019/2020 zum Ort der Glückseligkeit für Suhr Aarau. Nicht wegen der Liga, nein, da verlor man die Auswärtsauftritte deutlich mit 17:25 und 21:30. Doch zwischen diesen beiden Spielen schob sich im November 2019 eine magische Pokalnacht. Angeführt von seinen beiden Portugiesen Diogo Oliveira und João Ferraz setzte sich der HSC in Winterthur im Viertelfinal des Schweizer Cups mit 25:21 durch. Es war ein wichtiger Etappensieg auf der Cup-Tour, die rund zehn Monate später mit dem ersten Titel in der Ära Kaufmann enden sollte.

2020/21: Supercup-Jubel und warten auf den 1. Sieg

Die beiden Co-Captains Dario Ferrante (links, jetzt in Endingen) und Tim Aufdenblatten stemmten 2020 in Winterthur die Supercup-Trophäe in die Höhe.

Die beiden Co-Captains Dario Ferrante (links, jetzt in Endingen) und Tim Aufdenblatten stemmten 2020 in Winterthur die Supercup-Trophäe in die Höhe.

Marc Schumacher / freshfocus

Nachdem wegen der Coronapandemie neben der Meisterschaft auch der Pokal abgebrochen wurde, trafen die designierten Cupfinalisten erst Ende August 2020 im Supercup aufeinander. Schauplatz war die AXA Arena in Winterthur, doch statt Rot trug der Gegner Orange. Der Ausgang ist bekannt: Der HSC Suhr Aarau schlug die Kadetten und brachte nach 20 Jahren wieder eine Handballtrophäe in den Aargau.

In dieser Saison lässt ein HSC-Sieg gegen Pfadi noch auf sich warten. Zwei Niederlagen steht ein Remis gegenüber. Doch zieht man die Bilanz der letzten Jahre heran, dürfte der nächste Erfolg nicht mehr lange auf sich warten lassen.