Handball-Frauen-Nationalmannschaft
Handball EM-Qualifikation: Aussenseiterinnen mit Mut

Die Schweizer Nationalmannschaft der Handballerinnen trifft in der EM-Qualifikation auf die starken Gegner Russland, Serbien und die Slowakei. Die Aargauer Nationalspielerin Lisa Frey sieht die Schweiz in der Aussenseiterrolle, will aber einen Coup landen.

Alessandro Crippa
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Hat sich im Ausland durchgesetzt: die Densbürerin Lisa Frey.

Hat sich im Ausland durchgesetzt: die Densbürerin Lisa Frey.

Sie gehört der jungen Generation an, die den Schritt ins Ausland wagt. Sie ist eine von mittlerweile acht Legionärinnen. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Lisa Frey (24) ihre Zelte im Aargau abgebrochen und ist nach Dänemark gezogen, um dort den nächsten Schritt in ihrer sportlichen Laufbahn zu machen. Mit ihrem Verein Vendsyssel ist sie erfolgreich in ihre zweite Saison gestartet. Zuvor war sie in der Schweiz bei den Spono Eagles Nottwil und dem TV Zofingen eine absolute Leistungsträgerin.

Nun weilt die in Densbüren aufgewachsene Rückraumspielerin im Kreise der Nationalmannschaft. Am Mittwoch hat die Schweiz zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Serbien eine 23:35-Niederlage kassiert. Am Sonntag folgt in Gümligen das Spiel gegen Russland. Die Osteuropäerinnen sind amtierender Olympiasieger. «Ein absoluter Hochkaräter, ein Weltklasseteam», sagt Lisa Frey. Für sie kein Grund, sich einzuigeln: «Gegen Dänemark haben wir im Frühling zu viel Respekt gehabt, wir haben uns zu sehr versteckt.» Die WM-Playoffs gegen Dänemark erreicht zu haben, war für die Schweiz ein schöner Erfolg. Erwartungsgemäss hatte man keine Chance und verpasst die WM-Endrunde im Dezember.

Trotz dieser beiden Niederlagen befindet sich die Frauen-Nationalmannschaft im Aufwind. Dies auch dank Martin Albertsen, dem neuen Trainer. Er ist seit März 2018 im Amt. Seit der Däne an der Seitenlinie steht, ist alles professioneller geworden. Die Schweizerinnen trauen sich mehr zu und schlagen auch besser eingestufte Gegner. So zum Beispiel die Ukraine im März 2018 – oder Litauen im letzten Dezember. Albersten hat das Sieger-Gen mitgebracht. Neben der Schweizer Nati betreut er auch die Frauen der SG Bietigheim, des amtierendenden Deutschen Meisters.

Acht Spielerinnen im Ausland engagiert

Nicht nur der Trainer, auch die Spielerinnen tragen zum aktuellen Aufwärtstrend bei. Vermehrt versuchen sie, sich im Ausland durchzusetzen. Sechs stehen bei einem Bundesligaverein unter Vertrag, eine in Frankreich. Lisa Frey ist in Dänemark engagiert. «Vor allem in der Abwehr sind wir dank den im Ausland aktiven Spielerinnen in den letzten Jahren stärker geworden», sagt Frey. Sie empfiehlt allen jungen Spielerinnen ebenfalls den Schritt ins Ausland, sofern sie sich dazu bereitfühlen: «Die Erfahrungen sind sehr viel wert, im Ausland geniesst Handball einen anderen Stellenwert.» Sie selbst hat ihren Wechsel keine Sekunde bereut.

Gegen Serbien und Russland sind die Schweizerinnen die klaren Aussenseiter, ein Punktgewinn käme einem Coup gleich. Hingegen wollen sie unbedingt die Slowakei bezwingen – die Duelle stehen im nächsten März an. «Wir dürfen aber jetzt noch nicht so weit denken», mahnt Frey. Siege gegen die Slowakei würden der Schweiz in kommenden Qualifikationen eine bessere Position in den Lostöpfen einbringen. In der derzeitigen Situation wäre das viel wert. Trotz Aufwind sind die Schweizer Frauen auf der handballerischen Landkarte höchstens eine Stecknadel.

An Selbstvertrauen fehlt es dem Team trotz Aussenseiterrolle nicht. Es will an die positiven Entwicklungen der letzten Monate anknüpfen und nach Möglichkeit einen Überraschungserfolg landen.