Handball Cup
Abbruch! Endingens Cupspiel in Stäfa wegen schwerer Verletzung nicht beendet – es wird auch nicht nachgeholt

Das Cup-Achtelfinalspiel zwischen Handball Stäfa und dem TV Endingen wurde in der 46. Minute beim Stand von 26:24 für den B-Ligisten abgebrochen, weil Stäfas Lukas Maag nach seinem (erfolgreichen) Torschuss und dem folgenden Sturz einen offenen Bruch des Sprunggelenks erlitt.

Marcel Kuchta
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Der Beginn des Unglücks: Endingens Joel Hüsmann (l.) versucht, Stäfas Lukas Maag am Abschluss zu hindern. Danach stürzt der Zürcher und zieht sich einen offenen Bruch des Sprunggelenks zu.

Der Beginn des Unglücks: Endingens Joel Hüsmann (l.) versucht, Stäfas Lukas Maag am Abschluss zu hindern. Danach stürzt der Zürcher und zieht sich einen offenen Bruch des Sprunggelenks zu.

Alexander Wagner

Es passierte in der 46. Minute. Nach einem Technischen Fehler von Endingens Leo Pejkovic lancierte Stäfa einen blitzschnellen Gegenstoss. Lukas Maag sah die grosse Lücke in Endingens Defensive, setzte zum Wurf an und traf. Während des Abschlusses wurde er aber vom verzweifelten Verteidigungsversuch von Endingens Joel Hüsmann derart unglücklich getroffen, dass er stürzte, schwer verletzt und vor Schmerzen schreiend liegen blieb. Die Betreuer eilten aufs Feld, Stäfas Spieler verliessen angesichts des sich abspielenden Dramas die Halle, kurz darauf auch die Endinger.

Der Moment der Torwurfs: Lukas Maag holt aus, gleich kommt es zum Rencontre mit Joel Hüsmann.

Der Moment der Torwurfs: Lukas Maag holt aus, gleich kommt es zum Rencontre mit Joel Hüsmann.

Alexander Wagner

Nach einigen Minuten Unterbruch war klar: dieses Spiel geht nicht mehr weiter. Die Stäfner sahen sich nicht mehr in der Lage, die Partie fortzusetzen. Zumal Maag noch lange Zeit auf dem Feld behandelt werden musste, eher er mit der Ambulanz ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte.

Maag erleidet einen offenen Bruch des Sprunggelenks

Am Tag danach wurde die Diagnose bekanntgegeben: Lukas Maag zog sich einen schwerwiegenden offenen Bruch des Sprunggelenks zu. Dem Stäfner geht es den Umständen entsprechend gut. Er wurde bereits ein erstes Mal operiert und die komplizierte Fraktur konnte stabilisiert werden.

Endingens Captain Christian Riechsteiner ist schon lange dabei und hat schon sehr viel erlebt und sagt am Tag danach: «Ich habe mir die Szene natürlich nochmals auf dem Video angeschaut», meinte er sehr nachdenklich. «Hüsmann kommt zu spät», ist für ihn klar. «Doch was nachher passiert ist, habe ich nicht mitbekommen. Dafür war die Kameraperspektive zu schlecht». Der TV Endingen übermittelt dem schwer Verletzten auf jeden Fall auf seiner Website die besten Genesungswünsche:

Auch Christian Villiger, der Geschäftsführer der Endinger Handball GmbH, gab seinem Bedauern Ausdruck: «Es tut mir unglaublich leid. Es ist ein grosses Unglück und wir sind alle sehr traurig»

Hüsmanns Aktion wird unter die Lupe genommen

Joel Hüsmann erhielt von den Schiedsrichtern nachträglich die rot-blaue Karte. Das heisst: Sein Foul wird von einer Disziplinar-Kommission untersucht und eventuell nachträglich sanktioniert.

Zum Zeitpunkt des Unglücks war die Partie aus Sicht der Endinger sowieso schon ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Dabei hatte es für die Surbtaler lange Zeit bestens ausgesehen. Nach etwas mehr als 20 Spielminuten führten sie mit 15:8 und dominierten den unterklassigen Gegner nach Belieben. Auch zur Halbzeit lag man noch mit fünf Toren in Führung (20:15). Doch nach der Pause baute Endingen im selben Mass ab wie Stäfa stärker wurde. Die Partie kippte. Beim 26:24 lagen die Zürcher erstmals mit zwei Toren in Führung. Das alles spielte am Ende aber keine Rolle mehr. Lukas Maags schwere Verletzung überschattete alles.

Endingens Trainer ringt nach Worten

Auch Endingens Trainer Zoltan Majeri ist schon sehr lange dabei, hat als Goalie in ganz Europa gespielt und spricht acht Sprachen. Trotzdem ringt er nach Worten: «Ich wünsche einfach nur das Allerbeste für den junge Mann», betont er. «Nur schon das zuschauen macht sehr traurig». Er hat die Szene oft im Video angeschaut.

«Es war ein normales Foul. Er landete alleine und wurde nicht von hinten gestossen. Aber das spielt alles keine Rolle. Es ist ein grosses Unglück, ein Unfall»

, erklärt Majeri und fügt an: «Ich bin nur traurig für Lukas Maag. Was wollen wir da noch sagen? Ich mag im Moment gar nicht über Sport reden. Nur über Lukas. Handball ist eine ganz andere Sache. Mich interessiert nur seine Gesundheit und unsere Gedanken sind bei Lukas Maag.»

Die Disziplinarkommission des Handballverbands verfügte am Freitag eine Neuansetzung des Achtelfinals zwischen Stäfa und Endingen und setzte diesen aufgrund des eng getakteten Zeitplans – der Cupfinal findet bereits am 8. Mai statt – auf den kommenden Mittwoch, 7. April, an. Eine Ansetzung zu einem späteren Zeitpunkt war aus terminlichen Gründen nicht möglich. Die beiden Vereine und der SHV haben daraufhin gemeinsam sämtliche Möglichkeiten durchgesprochen und sind zum Schluss gekommen, dass ein so kurzfristiges Wiederholungsspiel zwischen den beiden Mannschaften nicht im Sinne aller beteiligten Parteien ist.

Diese Entscheidung trägt auch Zoltan Majeri voll mit: «Ich bin voll einverstanden mit den Vereinen und dem Verband. Das ist die richtige Entscheidung», betont er. «Dies auch aus Respekt für den Spieler und die Mannschaften. Hauptsache er wird gesund, alles andere ist Nebensache. Das war die beste Entscheidung.»

Chenois kampflos im Halbfinal

Der abgebrochene Achtelfinal wird entsprechend im gemeinsamen Einvernehmen nicht gewertet. CS Chênois Genève, das der Viertelfinalgegner von Stäfa oder Endingen gewesen wäre, zieht somit direkt in den Halbfinal ein. (Mitarbeit: awa)