Kommentar

Hände weg, FC Aarau!

Die Super League, in Fankreisen immer noch die "Nationalliga A", ist das langfristige Ziel des FC Aarau.

Die Super League, in Fankreisen immer noch die "Nationalliga A", ist das langfristige Ziel des FC Aarau.

Erneut stimmen die Schweizer Profiklubs am Freitag über die Super-League-Vergrösserung ab: Anders als beim ersten Anlauf sollte der FC Aarau dieses Mal nicht «JA» stimmen. Der Kommentar.

Was für ein verlockendes Angebot! Schnell ist das Portemonnaie gezückt, der Kauf eingetütet – doch zuhause die böse Überraschung: Beim Blick auf das Kleingedruckte offenbart sich: Alles viel teurer als gedacht!

Schon viele sind über das Kleingedruckte gestolpert, weil sie nicht genau hingesehen haben. Den Verantwortlichen des FC Aarau sei nun genau davor gewarnt: Monatelang haben sie an vorderster Front für die Aufstockung der Super League auf 12 Mannschaften geweibelt, sind den anderen 19 Profiklubs mit ihrem Wunsch im Ohr gelegen, ehe diese Mitte April das Vorhaben versenkten. Und jetzt liegt die Aufstockung erneut auf dem Tisch.

Diesen Freitag, wenn die Klubs über Fortsetzung oder Abbruch der laufenden Saison entscheiden, geht es auch um die Frage, ob die Super League schon ab der nächsten Saison aus zwölf Teams besteht. Zu Lasten der Challenge League, die nach einer Übergangssaison mit acht Teams ab der Spielzeit 2021/22 auf zwei regionale Gruppen mit je zwölf bis 16 Mannschaften aufgebläht werden soll. Der Vorschlag kommt von Lausanne-Sport, Tabellenführer mit grossem Vorsprung in der Challenge League – Begründung: Nur so kann in der Corona-Krise der Schweizer Profifussball gerettet werden.

Zu viele offene Fragen

Die Sache tönt aus FCA-Sicht vielversprechend. Wer weiss – vielleicht ist dies die letzte Chance auf die lang ersehnte 12er-Liga. Und nächste Saison aus einer 8er-Liga aufsteigen? Machbar! Also «JA» stimmen! Doch halt: So lukrativ die Aussicht auf den ersten Blick - dem FC Aarau sei geraten: Hände weg!

Warum? Würden Sie ein Haus kaufen, zu dem Sie nicht mehr Informationen haben als zwei geschönte Bilder? Lausanne skizziert die Ligengrössen – aber: In welchem Modus wird gespielt? Wie ist künftig die Durchlässigkeit zwischen den Ligen geregelt? Wie werden die TV-Gelder verteilt? Auf diese elementaren Fragen will, besser gesagt kann Lausanne nicht antworten – weil es keine Antworten hat. Nur schon deshalb kann jeder einigermassen seriöse Funktionär gar nicht anders, als die Vorlage abzuschmettern.

Die Challenge League darf nicht auf der Strecke bleiben

Es gibt berechtigte Argumente für die Vergrösserung der Super League und der FC Aarau soll weiterhin dafür kämpfen. Bedingung: Die Challenge League darf nicht auf der Strecke bleiben. Abgesehen von YB und Basel müssen vor jeder Saison alle Vereine in der Super League das Szenario «Abstieg» ins Auge fassen, auch der FC Aarau, sollte er dereinst wieder zur obersten Spielklasse gehören.

Es braucht ein Auffangbecken mit professionellen Strukturen, wirtschaftlich einigermassen attraktiven Rahmenbedingungen und mit fussballerischem Niveau nahe der Super League, damit nach einem Abstieg a) das Überleben gesichert ist und b) der Wiederaufstieg in Angriff genommen werden kann. Sowieso gilt: Eine wirtschaftliche und sportliche Schwächung der Challenge League, wie Lausanne sie vorschwebt, kann nicht im Interesse des FC Aarau sein, solange er selber Teil davon ist. Denn: Die Garantie für einen Aufstieg in den nächsten Jahren hat er nicht.

Die Ligareform mit seriösen Mitstreitern selber in die Hand nehmen und in den nächsten Monaten ein geeignetes Modell erarbeiten – das sollte die Devise des FC Aarau und aller Vereine sein, die eine grössere Super League anstreben. Wer sich von den Seifenblasen aus Lausanne verführen lässt, dem droht das böse Erwachen.

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