Es ist eine Chance, die man packen muss. Denn Schweizer Profiboxer fristen in der Regel ein Mauerblümchendasein. Profi mögen sie im Herzen sein, beim Einkommen gewiss nicht. Das gilt auch für Ando Hakob aus Baden. Der 29-Jährige mit bürgerlichem Namen Andranik Hakobyan und Wurzeln in Armenien bezeichnet sich zwar gerne als «bester Boxer der Schweiz».

Der Ruf als schnellster Kämpfer der Welt schaffte es dank Youtube-Videos seiner beeindruckenden Schlagkadenz gar bis ins amerikanische Fernsehen. Doch um als Sportler finanziell über die Runden zu kommen, putzt er in der Badener Kinderkrippe seines Freundes und Förderers Olivier Chevalier. «Ich habe nicht mehr als 400 bis 500 Franken pro Monat zum Leben», sagt er.

Ein Kämpfer war Hakob, der als Athlet laut, provozierend und extrovertiert ist, neben dem Boxring aber umso bescheidener daherkommt, schon immer. In Armenien in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, als Kind stundenlang auf den Äckern des grosselterlichen Bauernhofs schuftend, wagten seine Eltern und der damals siebenjährige Andranik die Flucht in den Westen. Der Traum eines besseren Lebens wurde zur dreijährigen Odyssee durch halb Europa.

Niemand wollte den Hakobyans Asyl gewähren – Deutschland nicht, Frankreich nicht, Spanien nicht. In der Schweiz landete die Familie zuerst in einer Zivilschutzanlage in Muri, ebenfalls mit geringen Chancen auf ein Bleiberecht. Der frustrierte Vater reagierte mit Gewalt gegen die eigene Familie. Er wurde ausgewiesen, Mutter und Kind erhielten den Schutzstatus.

Lob von Boxer Gjergjaj

Bis heute hat Ando Hakob seine Herkunft nicht vergessen. Er weiss, dass man sich Erfolg erkämpfen muss. «Ich kenne kaum jemanden, der so hart für seinen Traum als Boxer arbeitet», sagt der Basler Schwergewichts-Profi Arnold Gjergjaj. «Wenn es sein muss, reist er noch am Tag vor dem Kampf von Baden nach Basel, um dort zwei Tickets zu verkaufen. Er macht alles selber für seine Karriere. Dafür verdient er grossen Respekt.»

Elfmal stand der Athlet, Trainer, Promoter und Manager Hakob als Profi bisher im Ring. Die ersten zehn Kämpfe hat er gewonnen, sich bis Position 243 (von weltweit rund 2000 registrierten Profis) nach vorne geboxt. Vor kurzem stieg der Badener vom Superleichtgewicht (bis 63,5 kg) ins Weltergewicht (bis 66,6 kg) auf. Eine Gewichtsklasse mit der dichtesten internationalen Konkurrenz. Auch ein gewisser Floyd Mayweather Jr boxte in dieser Klasse.

«Ich wiege normalerweise rund 74 kg. Da wurde das Abnehmen für den Kampf zunehmend zur Qual», begründet Hakob den Wechsel. «Ich glaube, ich habe dem Körper damit zuviel Energie entzogen».

Umstrittenes Urteil

Sein letzter Kampf am 14. April in Basel bot Stoff für Polemik. Gegen den starken Franzosen Morgan Ndong Zue, der in der Weltrangliste noch einige Ränge weiter vorne platziert ist, gab es ein umstrittenes Unentschieden. Zwei Kampfrichter werteten das Geschehen ziemlich diametral. Hakob erklärt dies so: «Ich versuche, im Ring meinen Fans stets auch Show und Unterhaltung zu bieten. Doch nicht alle Kampfrichter haben die Treffer belohnt, sondern meine Provokationen bestraft. Das Unentschieden fühlt sich für mich wie eine Niederlage an.»

Schützenhilfe erhält der Aargauer von Kollege und Meeting-Organisator Gjergjaj: «In Deutschland hätte man Hakob wegen des Heimvorteils den Sieg gegeben», sagt Gjergjaj, «zwar nur knapp, aber er hat auch in meinen Augen gewonnen.»

Neben der Kritik an die Adresse der Schweizer Wertungsrichter, die seinen Stil einfach nicht schätzen würden, ist Hakob durchaus auch selbstkritisch. «Ich habe in Basel nicht meine beste Leistung gezeigt, die Linie verloren. Der Gegner hat mächtig Druck gemacht. Trotzdem: Es war zwar ein enger Kampf, aber ich habe ihn gewonnen.»

Die grosse Chance

Und nun morgen Samstag also die grosse Chance. Der Badener boxt in Offenburg im Vorprogramm des deutschen Boxstars Arthur Abraham. Auch er wie Hakob mit armenischen Wurzeln. Zwischen 3 und 5 Millionen Zuschauer verfolgen Abrahams Kämpfe im TV. Auch Hakobs Auftritt wird morgen auf dem deutschen Sportsender «Sport 1» live zu sehen sein.

Der Aargauer will im Duell gegen den in der Weltrangliste ähnlich positionierten Ungarn Zoltan Szabo (21 Siege/11 Niederlagen) mit seiner Schnelligkeit und den herausragenden Reflexen des Konterboxers nicht nur die deutschen Zuschauer überzeugen.

Erstmals wird er von Denner-Erbe Cédric Schweri unterstützt, hat dank ihm ein Onlinekasino als Sponsor an seiner Seite. Der erst vor einer Woche geknüpfte Kontakt zu Schweri könnte für die boxerische Zukunft von Hakob Gold wert sein. Aber nur, wenn er diesen von seinen Fähigkeiten überzeugen kann. «Es kommt ganz darauf, wie ich mich morgen verkaufe», sagt der Badener. «Es ist auf jeden Fall für mich eine Weichenstellung». Mit dem gemeinsamen Auftritt zusammen mit dem armenischen Volkshelden Arthur Abraham geht für Ando Hakob aber so oder so «ein kleiner Traum in Erfüllung».