Mit dem Sprint von 68 Fahrern um den Tagessieg ging in Aarburg die 40. Austragung des GP Rüebliland zu Ende. Im einzigen Mehretappenrennen der Rad-Junioren in der Deutschschweiz holte sich der Italiener Stefano Oldani in einer hauchdünnen Ausmarchung den Sieg in der Schlussetappe. Auf das Gesamtklassement hatte die Schluss-Etappe keine Auswirkung.

Der Schweizer Reto Müller verteidigte das am Samstagnachmittag im Zeitfahren von Muhen erkämpfte Leadertrikot und holte sich vor dem Italiener Alessandro Covi und Vorjahressieger Marc Hirschi den Gesamtsieg.

Reto Müller hatte am Freitag auf der Startetappe in Gunzwil den richtigen Postabgang erwischt. Mit dem Holländer Schelling, der die Startetappe gewann, und den beiden Italienern Covi und Bagioli vermochte Müller die Konkurrenz aus 14 Nationen um 24 Sekunden zu distanzieren. Wie es sich im Verlaufe der Rundfahrt herausstellte, sollte dieser Vorsprung letztendlich zum Sieg genügen. Im Zeitfahren von Muhen über 8,6 km vom Samstagnachmittag war Müller der Stärkste des Spitzenquartetts vom Freitag.

Er erreichte im Zeitfahren als zweitbester Schweizer den siebten Tagesrang und übernahm mit vier Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Alessandro Covi die Führung. Dies nachdem die Etappe vom Samstagvormittag keine Entscheidung gebracht hatte und im Spurt von nicht weniger als 100 Fahrern vom Italiener Davide Ferrari gewonnen worden war.

Schweizer harmonierten

Obwohl es auf der Schlussetappe am Sonntagmorgen in Aarburg noch drei Bergpreiswertungen zu bewältigen galt, wurde auch sie im Spurt entschieden. Mit Stefano Oldani hatte hier wiederum ein Italiener die Nase vorne. Oldani gewann hauchdünn vor dem Franzosen Tanguy Turgis und Vorjahressieger Marc Hirschi.

Für den aus dem Zürcher Oberland stammenden, nun in Schaffhausen wohnhaften und immer noch für den RV Wetzikon fahrenden Gesamtleader Müller ging es vor allem darum, den Italiener Covi nicht aus den Augen zu lassen: «Mit dem minimen Rückstand von lediglich vier Sekunden konnte er mir den Gesamtsieg noch streitig machen. Da es im Spurt um den Etappensieg auch noch Zeitbonifikationen gab, blieb ich während der ganzen Etappe an seinem Hinterrad». Müller merkte allerdings bald, dass sein gefährlichster Rivale ihn nicht mehr bedrängen konnte. So brauchte der Leader nicht in den Spurt um den Tagessieg einzugreifen. Für Müller war es das erste grosse Erfolgserlebnis in dieser Saison auf der Strasse:

«Im Frühjahr kam ich aus gesundheitlichen Gründe lange nicht auf Touren. Erst jetzt komme ich allmählich in Fahrt. Dieser Erfolg gibt mir natürlich viel Zuversicht für den Rest der Saison». Im Juli war Müller zusammen mit Marc Hirschi auf der Bahn von Aigle Weltmeister im Madison der Junioren geworden. Als Vierter der letztjährigen Junioren-Weltmeisterschaft hofft Müller nun darauf, dass ihm an den erst im Oktober stattfindenden Weltmeisterschaften erneut ein Spitzenresultat gelingt.

Hirschi hielt sich im Zeitfahren schadlos

Das hofft natürlich auch Juniorenmeister Marc Hirschi. Dank dem dritten Rang im Sprint von Aarburg gelang es dem Vorjahressieger im Gesamtklassement noch vom vierten auf den dritten Rang. Damit war Hirschi auch in diesem Jahr auf dem Podest des GP Rüebliland.

Er freute sich über den Sieg seines Mannschaftsgefährten und trauerte der Tatsache, dass er der zweite Fahrer in der 40-jährigen Geschichte hätte werden können, der zweimal hintereinander den GP Rüebliland gewann, nicht nach: «Wichtig war, dass wir den Sieg auf der letzten Etappen in der Nationalmannschaft halten konnten. Deshalb stellte ich mich in den Dienst der Mannschaft. Für mich persönlich war es wichtig, dass mir im Zeitfahren eine gute Leistung gelang».

Mit sieben Zehntel Vorsprung fiel der Sieg in Muhen über den Holländer Jarno Mobach zwar knapp aus. Da der Dritte und alle übrigen Fahrer bereits zwölf und mehr Sekunden hinter dem Sieger zurücklagen, zeigte sich Hirschi mit dem Ausgang des Rennens ganz klar zufrieden.

Fürs Selbstvertrauen tat der Berner noch etwas, als er auf der Schlussetappe vorne mitspurtete und den dritten Rang holte: «Ich wollte verhindern, dass zum Beispiel Covi noch Zeitbonifikationen holte. So hätte er das Rennen noch kehren können. Deshalb spurtete ich vorne mit. Wenn es mir gut läuft und ich gut positioniert bin, kann ich wirklich auch noch gut spurten.» Hirschi bewies mit diesem dritten Rang, dass er nicht nur ein guter Bergfahrer und Zeitfahrer, sondern auch ein starker Sprinter ist.

Während Reto Müller für den zehnten Schweizer Sieg am GP Rüebliland sorgte, holte sich das Team der Eidgenossen zum zwölften Male den Sieg.