Wechsel zur Pause? Ein Mittel, auf das Patrick Rahmen in der Regel nicht zurückgreift. Dem Trainer des FC Aarau wurde auch schon vorgeworfen, er warte zu lange bis zum ersten Spielertausch.

Doch diese erste Halbzeit seiner Mannschaft in Kriens war aussergewöhnlich schwach und erforderte aussergewöhnliche Massnahmen. Gleich zwei Spieler schickte Rahmen frühzeitig zum Duschen. Nicht irgendwelche, sondern seine Topskorer Stefan Maierhofer (9 Saisontore) und Varol Tasar (6). Klarer konnte der Trainer seine Unzufriedenheit nicht signalisieren.

Rahmens Joker stechen

Maierhofers und Tasars Plätze erbten Goran Karanovic und Petar Misic. Der Doppelwechsel war der Einfall, der dem FC Aarau wieder auf die Beine half: Misic und Karanovic nämlich sind es, die quasi im Alleingang aus dem 0:2 ein 2:2 machen und ihrer Mannschaft einen Punkt sichern, der sich in der Endabrechnung der Saison noch als besonders wertvoll herausstellen könnte.

67. Minute: Misic spielt einen genialen Pass in die Schnittstelle der Krienser Abwehr, Karanovic erahnt den Pass und trifft zum 1:2.

80. Minute: Wieder ist Misic der Absender eines Zuspiels, das den heranstürmenden Linus  Obexer erreicht. Bei dessen direktem Schussversuch grätscht ein Krienser dazwischen, sodass Schiedsrichter Jancevski keine andere Wahl hat, als Penalty zu pfeifen. Karanovic, gestärkt von seinem ersten Treffer, übernimmt die Verantwortung und markiert das 2:2.

Rahmens Joker stechen – kein Zufall, denn der FCA-Trainer beweist immer wieder sein goldenes Händchen: Er hat in den bisher 27 Saisonspielen 96 Auswechslungen vorgenommen. Daraus resultierten zwölf Tore und fünf Vorlagen. Der zweitbeste Wert hinter Servettes Alain Geiger (22 «eingewechselte» Torbeteiligungen).

Die Gegentore geben zu denken

Neben Rahmen, Karanovic und Misic darf sich ein vierter Akteur den gewonnenen Punkt auf seine Fahne schreiben: Djordje Nikolic. Wieder er. Schon am Samstag im Heimspiel gegen Schaffhausen (3:2) war es der Goalie, der den FCA mit sensationellen Paraden auf Siegkurs hielt. Zum Sieg reichte es in Kriens zwar nicht: Doch ohne die vier Big Saves von Nikolic (zwei vor und zwei nach der Pause) hätten die Gäste die Heimreise nach Aarau mit leeren Händen angetreten.

Passspiel, Zweikampfverhalten, Kreativität, Raumaufteilung – man könnte die Liste der Mängel, die der FC Aarau in der ersten Halbzeit aufzeigte, beliebig verlängern. Phasenweise wirkte der Auftritt pomadig, ja sogar überheblich.

Dabei waren die Warnsignale im Vorfeld alles andere als schwach: Einerseits die fast noch aus der Hand gegebene 3:0-Führung aus dem Schaffhausen-Spiel, die aufzeigte, dass schon das kleinste Nachlassen in dieser ausgeglichenen Liga bestraft wird. Und dann der Formstand des SC Kriens, der in den acht Rückrundenspielen vor dem Direktduell nur einen Punkt weniger holte als der FCA (17 vs. 16).

Mit dem 0:2-Pausenrückstand war Aarau mehr als gut bedient. Neben den Gegentoren durch Dzonlagic und Siegrist und den zwei durch Nikolic parierten Abschlüssen traf Kriens auch noch den Pfosten und schoss zwei Mal aus bester Position am Tor vorbei.

«Das Beste an diesem Abend ist das Resultat»

Zu denken geben musste FCA-Trainer Rahmen auch die Art und Weise, mit der seine Mannschaft die Tore kassierte: Beim 0:1 liess sich Ersatz-Rechtsverteidiger Marco Thaler abkochen, den Penalty zum 0:2 verursachte Nicolas Schindelholz als hinterster Mann nach einem fürchterlichen Ballverlust.

«Das Beste an diesem Abend ist das Resultat», sagt Rahmen. Recht hat er: Denn nach dem 2:2 braucht Aarau zwei weitere Male das Können von Nikolic und die Hilfe der Fussballgötter (Lattenschuss Sukacev). Rahmen: «Dieses Mal kam das Schlechte zu Beginn und das Gute zum Schluss. Wenn wir am Samstag gegen Vaduz dort anknüpfen, wo wir gegen Kriens aufgehört haben, bin ich zuversichtlich.»

Das sagen Doppeltorschütze Goran Karanovic und Cheftrainer Patrick Rahmen zum 2:2 gegen den SC Kriens:

Haben Sie die Partie verpasst? Der Liveticker zum Nachlesen: