Kanu

Golden Girl Sabine Eichenberger ist nicht zu stoppen

Die 45-Jährige aus Brugg feiert in Baden einen weiteren Meistertitel. Wie viele Medaillen sie in ihrer langen Karriere gewonnen hat, weiss sie selbst nicht.

Aufgeregt versammelten sich die Kanuten nach dem zweiten Lauf der Schweizer-Sprint-Meisterschaften in Baden vor der Holztafel, auf welcher die Laufzeiten aufgelistet waren. Ein Murmeln, Stille und anschliessender Jubel. Einzig Sabine Eichenberger, ihres Zeichens die erfolgreichste Schweizer Kanutin aller Zeiten, nahm die Resultate fast schon beiläufig zur Kenntnis.

Dabei hatte die Bruggerin im Einer-Canadier (C1) soeben einen weiteren Schweizer-Meistertitel errungen. Wie oft Eichenberger am nationalen Kräftemessen bereits reüssiert hat, weiss sie selber nicht.

«Bei meinem Rücktritt 2009 waren es 50. Als ich zwei Jahre später wieder angefangen habe, habe ich aufgehört zu zählen – es dürften aber mittlerweile so um die 57 oder 58 Titel sein», diktierte die 45-Jährige lächelnd in die Notizbücher.

Wie zu erwarten war, hatte Eichenberger im C1 keine ernst zu nehmende Konkurrenz, was der Vorsprung von 12,71 Sekunden auf die zweitplatzierte Deborah Fogel deutlich aufzeigt. Es war deshalb ein Triumph mit Ansage: «C1 befindet sich hierzulande noch in der Entwicklung. Ich bin die Einzige, die in dieser Kategorie internationale Erfahrung mitbringt.» Erst im Juni hatte die mehrfache Weltmeisterin im Einer-Canadier die WM-Silbermedaille gewonnen.

Positive Überraschung im Einer

Geschlagen wurde die Doppelstarterin in der Königsdisziplin Einer-Kajak (K1). Mit 34 Hundertstelsekunden Rückstand platzierte sich Eichenberger hinter der Solothurnerin Melanie Mathys auf dem zweiten Rang.

Für Eichenberger eine positive Überraschung: «Wir wussten, dass es fünf Anwärterinnen auf den Sieg gegeben hat. Da die internationale Saison seit fast drei Monaten vorbei ist, hätte ich nicht gedacht, dass ich so nahe am Sieg sein würde.»

Mit ihrem Abschneiden bei den diesjährigen Schweizer Meisterschaften ist die nationale Kanu-Legende also zufrieden. Dies, obwohl «es mit den Startzeiten teilweise chaotisch wurde.» Das Badener OK hat die EDV-Probleme aber in den Griff bekommen, weshalb das K1-Rennen schlussendlich reibungslos über die Bühne gehen konnte.

Vorbereitung mit Fragezeichen

Ernst gilt es für Eichenberger nun erst ab März wieder, wann die internationale Saison wieder los geht. «Bis dahin trainiere ich an der Grundkondition und im Winter auch mal zwei Stunden im Wasser», so Eichenberger.

Den genauen Vorbereitungsplan wird die 45-Jährige aber erst erstellen, sobald sie sich entschieden hat, in welchen Kategorien sie starten will. Über einen endgültigen Rücktritt macht sich Eichenberger, die seit 25 Jahren an der Spitze mitpaddelt, noch keine Gedanken.

Aber: «Ich entscheide von Jahr zu Jahr. Es kann auch sein, dass ich im Frühling sage, dass ich keine Lust mehr habe. Der Verband weiss das, und wird es auch akzeptieren müssen.» Dieses Recht geniessen nur Legenden ihres Sports.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1