Was ist die Gemeinsamkeit zwischen dem Challenge-League-Klub FC Aarau und dem Zweitligisten FC Klingnau? Ganz einfach: Mit Alfred Schmid respektive Roger Meier haben beide Klubs einen ruhigen, sachlichen und durch und durch seriösen Präsidenten.

Beide stellen nicht ihre Person, sondern den Verein in den Mittelpunkt. Schmid und Meier sind alles andere als Selbstdarsteller. Von Profilneurose also keine Spur: Die zwei sind jeweils seit 2007 in Amt und Würden und haben eine Vision. Schmid wünscht sich seit einem Jahrzehnt ein neues Stadion, Meier wünscht sich seit einem Jahrzehnt einen neuen Fussballplatz.

Der Kampf um eine zeitgemässe Sportstätte

Für Schmid wird der Traum einer neuen Sportstätte je länger, je mehr zu einem Albtraum. Für Meier ging zumindest der erste Anlauf in die Hose.

Vor acht Jahren sagte die Gemeindeversammlung in Klingnau zwar ja zu einem entsprechenden Projekt. Nachdem die Anwohner des geplanten Fussballplatzes auf der Zirkuswiese im Grie ein Referendum lanciert hatten, wurde das Projekt an einer Urnenabstimmung abgelehnt. Und so kämpft nicht nur Aaraus Alfred Schmid, sondern auch Klingnaus Roger Meier bis zum heutigen Tag um eine zeitgemässe Sportstätte.

Spätestens 2024 soll der neue Fussballplatz stehen

Meier gibt nicht auf und sagt: «Es ist mein Ziel, dass das Projekt ‹Neuer Fussballplatz für den FC Klingnau› bis spätestens 2024 realisiert werden kann. Dann feiern wir unser 75-Jahr-Jubiläum. Gelingt das, kann ich als Präsident zurücktreten. Dann höre ich auf.»

FC Klingnau Präsident Roger Meier anlässlich des Spiels gegen den FC Suhr am 27. April in Klingnau.

FC Klingnau Präsident Roger Meier anlässlich des Spiels gegen den FC Suhr am 27. April in Klingnau.

Einen Unterschied gibt es zwischen den beiden Klubverantwortlichen: Schmid hat auf den Frühling 2019 seinen Rücktritt angekündigt. Meier bleibt bis mindestens 2024 im Amt. «Dann ist hoffentlich die Einweihung unseres neuen Platzes», sagt er mit einem schelmischen Lächeln. «Zur Feier des Tages spielen wir auf dem neuen Platz das Eröffnungsspiel gegen den FC Aarau.»

Aufstieg von der 4. bis in die 2. Liga

Meier ist für den FC Klingnau ein Glücksfall. Er übernahm den Verein während der Saison 2006/07 und führte diesen im vergangenen Jahrzehnt von der 4. in die 2. Liga. «Ich würde mich auch nicht gegen einen Aufstieg in die 2. Liga Interregional wehren», sagt er.

«Ich glaube, dass wir diesen Schritt sowohl sportlich als auch finanziell machen können. Der FC Klingnau hat in der regionalen 2. Liga ein Budget von 50'000 Franken für die erste Mannschaft. Diese Summe müsste eigentlich auch eine Klasse höher ausreichen.»

Favorit im Cup-Final gegen Liga-Konkurrent FC Suhr

Mal schauen, was die Zukunft dem FC Klingnau bringen wird. Mit der Vergangenheit lässt es sich gut leben: 2016 feierte der Verein mit 400 Mitgliedern, davon 200 Junioren, den ersten Cup-Sieg in der Vereinsgeschichte.

Die aktuelle Aarauer Stürmer-Hoffnung Varol Tasar schoss gegen die Eagles Aarau in der Nachspielzeit das entscheidende Tor zum 2:1. Zwei Jahre später ist die Mannschaft erneut im Cup-Final und hat gegen den Liga-Konkurrenten FC Suhr die Favoritenrolle inne.

FC Klingnau Präsident Roger Meier anlässlich des Spiels gegen den FC Suhr am 27. April in Klingnau.

FC Klingnau Präsident Roger Meier hofft auf ein verspätetes Geburtstagsgeschenk.

FC Klingnau Präsident Roger Meier anlässlich des Spiels gegen den FC Suhr am 27. April in Klingnau.

Das Team von Trainer Danijel Kovacevic hatte zuletzt einen Lauf und verfügt über ein starkes Kollektiv. Captain und Abwehrchef Bora Kalyon sorgt für die defensive Stabilität. Dank den Zuzügen von Ives Scherrer und Alessandro Renna während der Winterpause gibt es auch mehr individuelle Klasse.

Präsidenten-Prämie im Erfolgsfall

Am Auffahrtstag werden die Spieler im Restaurant Engel das Mittagessen einnehmen. Dann fahren die Klingnauer mit zwei Cars (einer für die Mannschaft, einer für den Fan-Club) nach Frick. Um 18 Uhr ist Anpfiff. Und kurz vor 20 Uhr ist der Startschuss zur grossen Feier.

Im Erfolgsfall ist Meier bereit, eine Prämie in die Mannschaftskasse zu zahlen. Dank grosszügigen Sponsoren und dem Hattrick-Club wurde dem Team im vergangenen März ein Trainingslager auf Marbella ermöglicht.

Roger Meier ist am 1. Mai 1968 in Leuggern geboren und in Würenlingen aufgewachsen. Nach der Schulzeit, dem Abschluss einer Lehre als Maschinenzeichner/Konstrukteur und einer weiteren Ausbildung an der ABB-Technikerschule arbeitet er seit 1994 im Betrieb der Schwiegereltern.

Erfolg im Fussballklub und im Unternehmen

Heute ist er zusammen mit seiner Frau Nicole Inhaber und Geschäftsführer der Klingnauer W. Frei AG, die auf Kläranlagen-Ausrüstungen und Rohrleitungsbau spezialisiert ist. In der Zeitspanne zwischen 1994 und 2018 konnte die Mitarbeiterzahl innerhalb des Unternehmens um die Hälfte auf 30 erhöht werden. Meier führt also nicht nur den FC Klingnau mit Erfolg, sondern auch sein Unternehmen.

Meier ist Vater von drei Kindern. Der 22-jährige Robin ist Torhüter der ersten Mannschaft von Klingnau. Selina ist 18 Jahre alt und betreibt wie ihre Mutter Pferdespringsport. Anina ist 20 Jahre alt und musste verletzungsbedingt mit Voltige aufhören und fährt jetzt Mountainbike.

Verspätetes Geburtstagsgeschenk?

Die Hobbys von Meier Senior sind Velofahren, Skifahren und Fussball. Als 18-Jähriger sicherte er sich einen Eintrag im «Guinness-Buch der Rekorde». Und zwar im Dauervelofahren: Meier war mit einem Kollegen während 63 Stunden auf dem Fahrrad. Wie heisst es so schön: Geduld bringt Rosen.

Zu guter Letzt noch etwas: Am vergangenen Freitag feierte Meier im Rittersaal in Klingnau seinen 50. Geburtstag. Vielleicht machen ihm die Spieler des FC Klingnau das schönste Geschenk zum runden Wiegenfest eine knappe Woche später.

FC Klingnau gewinnt den Aargauer Cup 2016

FC Klingnau gewinnt den Aargauer Cup 2016

Der FC Klingnau gewinnt dank einem 2:1 gegen die Eagles Aarau den Aargauer Cup – erstmals in seiner Vereinsgeschichte. Sehen Sie hier die Pokalübergabe.