Doppelrolle

Glücksfall für den FC Muri – wie ein 31-jähriger Spieler zum Präsidenten wurde

Michael Stadelmann ist Fussballer, spielt in der ersten Mannschaft des FC Muri. Aber nicht nur. Der erst 31-Jährige führt den Verein auch als Präsident. Es ist nicht so, dass Stadelmann diesen Job gesucht hat. Aber er führt ihn mit grosser Freude aus.

Zwei Highlights innert zwei Tagen: Zuerst feierte Michael Stadelmann seinen 31. Geburtstag, am Tag danach wurde er an der Generalversammlung zum Präsidenten des FC Muri gewählt.
Interessant und speziell zugleich: Stadelmann ist nicht nur Klubverantwortlicher, sondern auch Spieler und Aussenverteidiger der ersten Mannschaft in der 2. Liga interregional.

Es ist nicht so, dass Stadelmann den Präsidentenjob gesucht hat. Von Profilneurose oder sogar Machtansprüchen keine Spur! «Die Anfrage ist aus dem Nichts gekommen», sagt Stadelmann. «Danach habe ich mir einige Tage Bedenkzeit genommen und eine Woche später zugesagt.»

War es wirklich so einfach? Warum die Zusage? «Der FC Muri liegt mir seit vielen Jahren am Herzen», sagt er. «Ich spielte schon als C-Junior hier. Und vor acht, neun Jahren bin ich zu den Murianern zurückgekehrt und fühle mich seither wohl.»

Stadelmann macht Muri wieder gross

Dass Michael Stadelmann am 5. September mit Glanz und Gloria zum Präsidenten gewählt worden ist, versteht sich von selbst. Er ist ein Glücksfall für den FC Muri. Die Begeisterung bei Loris Völker, einem Teamkollegen, war so gross, dass er vor der GV rund 40 Plaketten mit der Aufschrift «Stadelmann – Make FC Muri great again» verteilte. Was frei übersetzt heisst: «Stadelmann macht Muri wieder gross».

Stadelmann als Präsident des FC Muri – es ist eine romantische und sentimentale Geschichte. Mal schauen, wohin der Weg gehen wird und ob Stadelmann den Vorschusslorbeeren gerecht wird.

Die Finanzen sollen stimmen

Romantik und Sentimentalität haben beim Entscheid, das anspruchsvolle Amt anzunehmen, mit Sicherheit eine Rolle gespielt. Während der Ausübung des Jobs im Ehrenamt will sich der junge Mann allerdings strikt an die Spielregeln halten. Der sportliche Erfolg ist schön und gut, aber noch wichtiger ist die Tatsache, dass der Finanzhaushalt im Gleichgewicht ist. «Der FC Muri wird in Zukunft kein Geld ausgeben, das er nicht hat», sagt der Nachfolger von Erich Probst.

Als Vermögensverwalter einer amerikanischen Firma in Zürich weiss Stadelmann, wovon er spricht. Und weil das so ist, wird das Budget für den Trainerstab und die Spieler der ersten Mannschaft sowie den üblichen Zusatzkosten die 150 000-Franken-Grenze nicht überschreiten. Sollte Stadelmann aber trotz seiner Kenntnisse rund um den FC Muri und den Amateurfussball einmal nicht mehr weiter wissen, so hat er mit Maurus Weber einen erfahrenen und besonnenen Vizepräsidenten an seiner Seite.

Stadelmann ist in Buttwil aufgewachsen, hat in Muri die Bezirksschule und in Wohlen die Kantonsschule besucht und absolviert. Sein Wirtschaftsstudium in Zürich hat er 2014 abgeschlossen. Die Arbeiten zum Bachelor und Master waren die Kür seiner Top-Ausbildung. Nachdem er bis zu seinem 20. Lebensjahr in Buttwil gelebt hatte, wohnt und arbeitet er heute in Zürich. Das Amt des Präsidenten ist für ihn eine Herausforderung. Eine Herausforderung, der er sich gerne stellt.

Stadelmann nicht der jüngste Präsident

Fussballerisch hätte er sich durchaus vorstellen können, Profi zu werden. «Früher hatte ich hohe Ziele», sagt Stadelmann. «Heute geht es in erster Linie darum, fit zu bleiben.» Beim FC Muri ist er als Abwehrspieler ein sicherer Wert. Einen leichten Stand hat er im 22-Mann-Kader nicht.

Bleibt noch etwas: Wer glaubt, dass Stadelmann mit 31 Jahren der jüngste Präsident aller 83 Aargauer Fussball-Vereine ist, der täuscht sich. Der jüngste Präsident heisst Angelo Botrugno und ist seit März 2018 Klubverantwortlicher von Menzo Reinach.

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Autor

Ruedi Kuhn

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