Der Ball zappelt im Netz. Alle Augen sind auf den Goalie gerichtet – dieser ist fassungslos. Ein klarer Fall: Torwart-Fehler. Womöglich hat eine kleine Unkonzentriertheit des Schlussmanns den Sieg gekostet. Um nach so einem Schnitzer weiterhin fokussiert und fehlerfrei weiterzu-spielen, muss der Unglückliche über eine grosse mentale Stärke verfügen.

Auf dieses Phänomen geht Roman Michel in seiner Maturaarbeit «Gewonnen wird im Kopf – Sportpsychologisches Training für Torhüter» ein und versucht, die Frage «Wie kann ich einen Fehler möglichst schnell verdrängen?» zu beantworten.

Schlussmänner im Fokus

«Gewonnen wird im Kopf – verloren auch», so beginnt die schriftliche Arbeit des 19-Jährigen. Eine alte Sportweisheit, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewann. Gerade im Profi-Sport ist das sportpsychologische Training längst ins tägliche Training integriert.

Da das Gebiet der mentalen Stärke enorm gross ist, musste sich der Buchser auf ein spezifisches Thema beschränken. Als Unihockey-Torhüter war es naheliegend, dass er sich mit Goalies auseinandersetzen wollte. Bei den Schlussmännern bedeutet ein Fehler meist ein Gegentor, weshalb ihre mentale Verfassung ziemlich bedeutungsvoll ist.

Elf Trainingsmethoden entwickelt

Begonnen hat Michel mit einem Fragebogen, den er an diverse Profi-Torhüter schickte. Beantwortet wurden diese unter anderem von Marco Bührer, Goalie des SC Bern, und Ex-Aarau-Hüter Ivan Benito. Da der Stellenwert der mentalen Fähigkeiten im Amateursport noch immer etwas hinterherhinkt, versuchte der 19-Jährige ein Trainingsprogramm für Torhüter im Breitensport zu erstellen. Dabei hat er elf Trainingsmethoden entwickelt.

Diese hat er in drei Kategorien gegliedert: «Alltagstraining», «Kurz vor dem Spiel» und «Nach dem Fehler», mit dem Ziel, den Schlussmännern zu helfen, nicht nur körperlich, sondern auch mental fit in ein Spiel zu gehen und auf einen Fehler schnell zu reagieren. Interessierte und ambitionierte Goalies können sich unter goali-mental@hotmail.ch melden, um das Handout von Michel zu erhalten.

Mit dem Prädikat hervorragend

Seine Arbeit wurde mit grossem Erfolg gekrönt. An der Neuen Kanti Aarau erhielt er dafür die Note 6 und wurde unter die vier besten Arbeiten der Schule aufgenommen. Danach durfte er im Rahmen von «Schweizer Jugend forscht» ins Tessin reisen, um seine Arbeit vorzustellen. Dort erhielt er das Prädikat hervorragend – die höchste Auszeichnung. Dazu hat er von SJF einen Sonderpreis erhalten. Er darf, nachdem er seine Abschlussprüfungen absolviert hat, zwei Wochen an einem Camp in London teilnehmen, mit jungen Wissenschaftern aus der ganzen Welt.