Mit einem besonderen Gefühl begaben sich Kadi Nesero und Fiammetta Troxler in diesem Jahr an die Startlinie des Staufberglaufs: Dem Wissen, wie es ist, bei diesem Traditionslauf als Siegerin, respektive als Sieger über die Ziellinie zu laufen. Allerdings waren die Erinnerungen bei den beiden von unterschiedlichem Nutzen.

Nesero gewann vergangenes Jahr, Troxler vorletztes – und entscheidend: Seither hat die Streckenführung geändert. «Allzu sehr konnte ich also nicht auf die Erfahrung von damals bauen», sagte deshalb die 23-Jährige aus Zürich, «ich musste mich auf etwas Neues einlassen.»

Das Neue aber begeisterte Troxler. «Als viel abwechslungsreicher» kam ihr das Rennen vor. Vor zwei Jahren hatten fünf Runden um den Staufberg geführt. Jetzt sorgte dazwischen der längste Teilabschnitt mit viel Waldanteil für neue Reize. Troxler strich hervor: «Der Kopf konnte sich mit einer neuen Umgebung befassen.» Und kühler war es auch. Denn «die Hitze war an diesem feuchtwarmen Sommertag ein wichtiger Faktor», wie sich Troxler ausdrückte.

Sieg mit hohem Stellenwert

In der Regel benötige sie auf einer Strecke von 10 km kein Wasser zum Trinken. Diesmal war es ganz anders: «Ich war froh um die häufigen Wasserposten, auch jene im Wald.» Nicht nur zum Trinken nutzte sie die Flüssigkeit, sondern auch zum Nässen und Kühlen des Körpers.

Der Sieg am Staufberglauf hat für die Philosophie-Studentin einen hohen Stellenwert. Drei Monate fühlte sie sich zuletzt angeschlagen. Wettkämpfe machten keinen Sinn. Nun ist sie wieder bereit. Bereits am Vortag war sie in Waldstatt auf Rang 5 gelaufen. Beim Staufberglauf kam nun das besondere Gefühl des Siegens wieder hinzu. Jetzt fühlt sie sich wieder «auf der richtigen Schiene».

Ihr Training gestaltet sie in der Regel individuell. Einmal die Woche aber, und diese Neuerung schätzt sie sehr, schliesst sie sich der TG Hütten und deren Erfolgscoach Michi Rüegg an.
Und in Staufen wie in Waldstatt konzentrierte sie sich nicht allein auf sich: Gleichzeitig betreute sie «einige Gäste aus dem Ausland». Um Läufer aus Nordafrika handelte es sich, denen sie laufend die Schweiz zeigt.

Wie schnell sie dies tat, zeigt der neue Streckenrekord, den sie lief. Sie verbesserte die 2018-er Marke von Angelia Haldimann um 10 Sekunden auf 40:17 Minuten. Die 23-jährige Troxler siegte mit einem Vorsprung von 26 Sekunden auf die 28-jährige Wohlerin Anja Schwegler.

Kadi Nesero: «Erst bei der Ziellinie sicher»

Wesentlich knapper fiel die Entscheidung bei den Männern aus. Vorjahressieger Kadi Nesero aus Rombach bei Aarau lief nach 32:56 Minuten nur 12 Sekunden vor Aichi Abdelati ein. «Es war ein heisser und spannender Fight», sagte der Sieger im Ziel.

Gleich nach dem Start hatte sich das Duo an die Spitze gesetzt. Die Führungsarbeit leistete allerdings fast ausschliesslich der spätere Sieger. Dennoch sagte er: «Ich fühlte mich nicht überlegen und war mir bewusst, dass mich Aichi plötzlich überraschen könnte.»
Mit seinem Antritt rund 500 Meter vor dem Ziel, sorgte der 33-jährige gebürtige Eriteer dann aber für die Entscheidung.

Lachend betonte er: «Ich fühlte mich stärker und hatte Reserven. Sicher aber fühlte ich mich erst bei der Ziellinie.» Zu tun hatte die Ungewissheit auch mit den vergangenen Monaten, in denen er an Achillessehnenbeschwerden laborierte. Nun hat er dieses Problem im Griff. Zur Form aber sagt er: «Die könnte besser sein.» Fortschritte erhoffte er sich durch sein verändertes sportliches Umfeld. Neu läuft er für den BTV Aarau. Ab und an trainiert er auch mit dem Klub.

Über 800 Anmeldungen: zweitbestes Meldeergebnis

Über die Kurzdistanz von 6 km setzten sich Tobias Heutschi (Menziken) und Tanja Forster (Leibstadt) durch. Und glücklich zeigten sich nicht nur die Tagesschnellsten, sondern auch eine Vielzahl der Läuferinnen und Läufer. Sie waren an einem Prachtstag unterwegs, bei dem die hohen Temperaturen allerdings einiges abverlangten.

Abschrecken liessen sich von der Hitze aber nur wenige. Mit mehr als 800 Anmeldungen resultierte für den Staufberglauf das zweitbeste Meldeergebnis und eine höhere Zahl als bei der 30. Austragung im Vorjahr. «Die neue Strecke und die Distanz von 10 km machen sich bezahlt und ziehen offenbar», ist OK-Präsident Christian Frey überzeugt. Und ebenfalls erfreulich: Die Schule Staufen war mit 120 Schülerinnen und Schülern am Start.