Ringen
Gespenstische Ruhe: Ohne Stimmung Richtung Meistertitel

Die Ringerstaffel Freiamt feiert einen 18:15-Heimsieg gegen den geschwächten Titelverteidiger Willisau. Am nächsten Samstag hat die Mannschaft von Marcel Leutert die Chance, sich zum neuen Meister zu krönen.

Wolfgang Rytz
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Der Freiämter Nino Leutert (bis 61 kg Greco, unten) sichert sich mit diesem Durchdreher gegen Timon Zeder zwei weitere Wertungspunkte.

Der Freiämter Nino Leutert (bis 61 kg Greco, unten) sichert sich mit diesem Durchdreher gegen Timon Zeder zwei weitere Wertungspunkte.

Wolfgang Rytz

Im ersten Finalkampf ohne Finalstimmung hat die Ringerstaffel Freiamt Titelverteidiger Willisau 18:15 geschlagen. Den Ausschlag im Duell ohne Zuschauer gab die ausgeglichenere Aufstellung der Aargauer. Beide Mannschaften gewannen fünf Einzelkämpfe, entscheidend waren zwei vorzeitige Siege für Freiamt und die starken Leistungen von Neuvater Pascal Strebel und Powerringer Marc Weber.

Im Normalfall hätten 1000 Freiämter Fans die Bachmattenhalle in Muri erzittern lassen. Nun spendeten nur die Teamkollegen Applaus. Olympionike Strebel liess sich bis 70 kg Greco vom Offensivwirbel des in dieser Saison ungeschlagenen Junioren Michael Portmann nicht beeindrucken. Zwar kassierte Strebel den ersten Strafpunkt wegen Passivität, doch aus der Unterlage konterte er zu einer Zweierwertung. Das war die Wende in diesem Schlüsselkampf, den Willisau für sich budgetiert hatte. Der 32-jährige Strebel gewann mit 5:1.

Die Freiämter nutzten die Schwächen der Gegner aus

Marc Weber schwitzte bis 80 kg Freistil ab. Der Grecospezialist hatte gegen Willisaus Ungaren Gergely Gyurits in der ersten Runde Mühe und lag nach drei Minuten 0:4 hinten. Aber der Kraftbrocken bearbeitete den Gegner so hartnäckig, dass er in der letzten Minute auf 2:5 verkürzen konnte. Dieser Exploit reduzierte den «Schaden» für die Freiämter Mannschaft von 0:3 auf 1:2.

Die Luzerner brauchen sich nicht zu wundern, dass sie das erste Finalduell trotz einzelner überragender Einzelathleten verloren. Die Ersatzringer Ueli Rölli (57 kg Freistil) und Daniel Häfliger (86 kg Greco) haben nicht das Niveau für die höchste Liga. Nils Leutert und Christian Zemp nützten dies und lieferten innert einer Minute den er­warteten Vierer fürs Team ab. Besonders wichtig war Zemps Schultersieg, denn bei Gleichstand am Ende könnte dieser den Ausschlag im Titelrennen für die Ringerstaffel Freiamt
geben.

Starke Leistungen zeigten bei Freiamt auch die beiden Leichtgewichter Nino Leutert und Michael Bucher, die ihren jeweils ultradefensiven Gegnern genügend Wertungspunkte abrangen, um drei Mannschaftspunkte zu sichern. Einziger Schwachpunkt in Freiamts Aufstellung war Ringerschwinger Roman Zurfluh bis 130 kg Greco. Gegen den Bulgaren Delian Alishahi war nur schon der Gewichtsnachteil von 20 kg eine Hypothek. Kam hinzu, dass die Kampfrichter das Regelwerk krass zugunsten des Willisauers auslegten, womit Zurfluh nach vier Minuten 0:16 ausgepunktet war.

Trotz Sieg noch mit Steigerungspotenzial

«Unser Sieg hätte höher ausfallen sollen, wir erreichten nicht das Niveau vom ersten Halbfinalkampf in Einsiedeln», bilanzierte Trainer Marcel Leutert. Bei den Trümpfen Randy Vock und Magomed Aischkanow schaute zu wenig heraus. Der bis 75 kg aufgestiegene Vock spürte gegen Tobias Portmann erneut den klaren körperlichen Nachteil, kam aber bei der 0:4-Nieder­lage einem Punktgewinn nahe. Aischkanow, der Russe im Freiämter Team, zeigte gegen den starken Stefan Reichmuth zwar einen ansprechenden Kampf. Dennoch war das 1:6 aus Aargauer Sicht zu hoch.

«Jetzt sind wir gefordert», blickte Willisaus Trainer Thomas Bucheli vorwärts. «Am nächsten Samstag können wir dieses 15:18 wenden.» Bei Freiamt herrscht trotz der Genugtuung über den Heimerfolg nach zwei Nieder­lagen in der Qualifikation keine Euphorie. Trainer Leutert warnt: «Diese drei Punkte sind fast nichts. In Willisau müssen wir uns steigern.»

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