Die Spieler des FC Lenzburg hatten noch keine Gelegenheit sich darüber zu ärgern, dass sie einen sicher geglaubten Sieg vergeben haben, schon waren sie in tumultartige Szenen verwickelt. Was war passiert: Nach Spielschluss leistete sich Rothrists Innenverteidiger Yves Hüsser eine abfällige Bemerkung über den souveränen Spielleiter Michael Leuenberger. Dumm nur, dass Leuenberger in Hörweite war und direkt die rote Karte zückte. Sofort kam es zu einer Rudelbildung. Dies war der Höhepunkt einer turbulenten Schlussphase in einem sonst schwachen Spitzenspiel.

Lenzburg startete besser in die Partie und kam bereits in der zweiten Minute durch Sascha Salzmann zur ersten Grosschance. Er profitierte von einer Unachtsamkeit in der Defensive der Gäste schoss aber über das Gehäuse. Obwohl Rothrists Angriff in der ersten Halbzeit inexistent war, kam der Tabellenzweite zur 1:0-Führung (25.). Bezeichnenderweise war es Lenzburgs Rafed Bayazi, der einen Freistoss ins eigene Tor ablenkte. Der Schock sass tief, und da Rothrist offensiv harmlos blieb, passierte bis zur Pause nichts mehr.

Doppeltorschütze Justino

Das Geschehen änderte sich aber im zweiten Abschnitt. Der Tabellenführer aus Lenzburg bekundete grosse Mühe mit dem aggressiven Pressing des Gegners. Daraus resultierten viele unpräzise Bälle. «In der zweiten Halbzeit waren wir gehörig unter Druck», erkannte auch Lenzburgs Captain Marco Facchinetti. Rothrist seinerseits übernahm das Spieldiktat und in der 54. Minute sogar zum ersten (eigenen) Torschuss.

In der 82. Minute erzielte Lenzburgs Mittelfeldmotor Bruno Justino per Foulelfmeter überraschend den Ausgleich. Dies gab den Gastgebern Aufwind und kurze Zeit später kannte der Jubel in Lenzburg keine Grenzen mehr: Mit einem herrlichen Weitschuss brachte erneut Justino seine Farben in der ersten Minute der Nachspielzeit zum vermeintlichen Siegtreffer.

Justino trifft zum 2:1 bei Lenzburg-Rothrist 2:2 (2. Liga)

Justino trifft zum 2:1 bei Lenzburg-Rothrist 2:2 (2. Liga)

Rothrists Kampfansage

Die Freude über die mögliche fünf-Punkte-Führung war derart euphorisch, dass einigen Lenzburgern der Wiederanpfiff wohl nicht laut genug war. Sekunden nach dem 2:1 schmetterte Rothrist das Leder in den gegnerischen Strafraum. Über Umwege landete die Kugel bei Thomas Tsutis. Dieser versenkte den Ball zur gerechten Punkteteilung. Facchinetti ärgert sich dennoch: «Das Gegentor in letzter Sekunde war unnötig, wir haben eine grosse Chance verpasst.» Bei Rothrist hingegen war man zufrieden mit der Punkteteilung. «Klar, wenn man die Nachspielzeit anschaut, ist es ein glücklicher Punkt. Über das gesamte Spiel gesehen geht das Unentschieden in Ordnung.

Mit etwas mehr Cleverness hätten wir gewinnen können», so Rothrist-Trainer Willy Neuenschwander, der noch nicht weiss, ob er sein Team nächste Saison coachen wird. Angesprochen auf einen möglichen Aufstieg blieb Neuenschwander gelassen: «Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Was dann kommt, nehmen wir gerne mit.» Deutlicher wurde Rothrists Goalgetter Manuel Zobrist: «Wenn wir schon da oben stehen, wollen wir natürlich aufsteigen.» Eine klare Kampfansage an in einem spannenden Aufstiegsrennen.