Der rote Teppich für Geoffrey Tréand im Dress des FC Aarau war ausgerollt. Vater Pascal und Mutter Sylvie reisten eigens für die Premiere und das Spiel gegen Chiasso von Frankreich ins Brügglifeld. Tréands Frau Alexandra und der einjährige Sohn Timothée sassen ebenfalls auf der Tribüne. Der Einstand von Tréand bei den Aarauern sollte mit einem Sieg und einem feinen Nachtessen in lockerer Atmosphäre und bei bester Stimmung gefeiert werden.

Es kam ganz anders. Tréand tat sich gegen die destruktive Spielweise der Tessiner schwer. Im Laufe der Partie wurde der pfeilschnelle und trickreiche Flügelstürmer mehr und mehr zum Opfer rüder Attacken. Das Resultat von 1:1 kurz vor Schluss trug ebenfalls nicht zur Beruhigung seiner Nerven bei. Prompt verlor Tréand in der Nachspielzeit die Beherrschung.

Sekunden vor dem Abpfiff flippte er aus und sah nach einer Tätlichkeit gegen Antonio Felitti die rote Karte. Statt einer Feier im Kreis seiner Lieben erhielt Tréand eine Lektion in Form von drei Spielsperren. «Natürlich war ich enttäuscht», blickt der Franzose zurück. «Enttäuscht über mein Verhalten. Es tut mir leid. Ich habe einen Fehler gemacht, für den es keine Entschuldigung blickt.»

Startschuss ging in die Hosen

Schwamm drüber! Eines hat Tréand immerhin schon geschafft: Er bringt Farbe ins Spiel des FC Aarau. Zu erwähnen ist, dass der böse Bube Reue zeigte und am Tag nach dem Ausraster freiwillig einen Betrag in die Mannschaftskasse zahlte. Der Startschuss ging für Tréand also in die Hose. Langsam, aber sicher kommt er aber auf Touren. Mit zwei Toren im Cup gegen den Berner 3.-Ligisten Zollbrück (5:0) und einem Treffer in der Meisterschaft gegen den FC Schaffhausen (3:2) hat er seine Klasse zumindest angedeutet.

Tréand ist für den FC Aarau zweifellos ein Gewinn. Eigentlich müssen die Klubverantwortlichen dankbar sein, dass ein Spieler von seiner Qualität den Weg ins Brügglifeld findet. Nichts da! Es ist umgekehrt: Tréand ist dankbar, dass er für den FC Aarau spielen darf. Das hängt in erster Linie mit dem enttäuschenden, frustrierenden Abgang in St. Gallen zusammen.

Dass er bei den Ostschweizern unter Führung von Trainer Joe Zinnbauer in der Rückrunde der Saison 2015/16 nicht mehr erste Wahl war und aussortiert wurde, kann er bis zum heutigen Tag nicht verstehen. Schmutzige Wäsche waschen will er nicht. «Das Vergangene kann ich nicht mehr beeinflussen», erklärt Tréand. «Für mich zählt die Gegenwart. Und die heisst FC Aarau. Hier habe ich alles, was ich brauche. Eine starke Mannschaft, gute Typen, meine Frau, meinen Sohn und eine schöne Wohnung unterhalb vom Schloss Lenzburg.»

Zwei frühere Teamkollegen

Dass Tréand beim FC Aarau einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat, ist in erster Linie Gaetano Giallanza zu verdanken. Der frühere Klassestürmer ist heute Spielerberater und fädelte den Transfer ein. Tréand fühlte sich von Beginn an wohl im neuen Klub. Kam hinzu, dass es in Aarau mit Landsmann Stéphane Besle und Sébastien Wüthrich zum Wiedersehen mit zwei früheren Teamkollegen bei Xamax kam.

Apropos Xamax: Xamax ist am Montag der nächste Gegner des FC Aarau. «Es ist eine reizvolle Partie, in der jedes Resultat möglich ist», sagt Tréand. «Es geht für uns in erster Linie darum, in Tuchfühlung mit dem FC Zürich zu bleiben.»

Tréand ist im französischen Annemasse geboren. Die Stadt mit etwas mehr als 34000 Einwohnern liegt nur acht Kilometer vom Zentrum von Genf entfernt. Er besuchte die Handelsschule in Genf und schloss als 19-Jähriger die Matura ab. Als Junior spielte er für den Genfer Quartierverein Etoile Carouge. Sein Debüt als Profi gab er bei Servette.

Von Juli 2010 bis Dezember 2011 spielte er für Xamax. Weitere Stationen waren der FC Sion, erneut Servette und St. Gallen. Nun versucht er sein Glück also beim FC Aarau. Als 30-Jähriger macht er sich logischerweise auch Gedanken über die Zukunft. Was ist nach dem Leben als Berufsfussballer? «Keine Ahnung», sagt Tréand, «aber eines weiss ich jetzt schon mit Sicherheit. Trainer werde ich nicht. Ich bin nicht der Typ, der zwanzig oder noch mehr Spieler führen und dirigieren kann.»